Wie Apple Griechenland retten könnte

Ohne sinnvolle Lösung taumelt Griechenland weiter dem Bankrott entgegen. Aber es gibt kreative Ansätze, wie Apple dem Krisenstaat unter die Arme greifen und dabei selbst profitieren könnte.
12.05.2015 12:33
Von Ivo Ruch
Daumen rauf für Griechenland? Apple-CEO könnte dem Krisenstaat helfen.
Daumen rauf für Griechenland? Apple-CEO könnte dem Krisenstaat helfen.
Bild: Bloomberg

Der Technologie-Riese Apple sitzt auf einem riesigen Geldberg. Hohe Einnahmen aus dem iPhone-Verkauf haben den Kaliforniern in den ersten drei Monaten des Jahres 13,6 Milliarden Dollar in die Kasse gespült. Dadurch sind die Bargeldreserven auf 193,5 Milliarden angewachsen. Was Apple mit diesem Reichtum anstellen kann oder soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die häufigst genannten sind Aktienrückkauf und Dividendenerhöhung. Beides dürfte den Aktienkurs antreiben, der in den letzten 52 Wochen um 50 Prozent zulegen konnte.

Leonid Bershidsky, ein Kommentator von Bloomberg, bringt nun ein Gedankenspiel wieder ins Gespräch, das seit längerer Zeit als Witz durch die Wirtschaftsmedien geistert: Apple - und andere Firmen - sollen Griechenland kaufen, respektive dem Land die Schulden abnehmen.

Und so könnte der Deal im Detail aussehen: Laut Angaben von Moody's horten Apple, Microsoft, Google, Pfizer und Cisco rund 440 Milliarden Dollar in Cash. Der grösste Teil dieses Geldes lagert in Steueroasen im Ausland. Aus dem Grund, weil die USA 35 Prozent Steuern verlangen würden, wenn das angehäufte Vermögen an die Aktionäre zurückgegeben würde.

Rund die Hälfte dieses Geldes müssten die Top-Unternehmen aufwerfen, um Griechenlands Schulden auf ein erträgliches Mass zu bringen. Mit 190 Milliarden Euro könnte das Land seine Schuldenquote auf 70 Prozent des Bruttoinlandprodukts reduzieren. Als Gegenleistung, so der Bloomberg-Autor, sollte Athen den Firmen attraktive steuerliche Bedingungen schaffen. Ähnlich, wie sie Apple zurzeit in Irland geniesst.

Auch die EU würde profitieren

Auch für die Europäische Union und die USA könnte ein solcher Deal durchaus von Interesse sein. Die EU bekäme als Griechenlands grösste Gläubigerin wichtige Hilfe. Und die USA hätte als wichtigstes Mitglied des Internationalen Währungsfonds auch ein paar Probleme weniger, wenn die Gefahr eines "Grexit" vom Tisch wäre.

Griechenland würde in einem solchen Szenario nicht nur von Schulden erleichtert, sondern auch auf einen Schlag zum Standort von mehreren technologischen Spitzenfirmen. Das Land könnte langfristig zu einem Zentrum für innovative Technologien werden, das weitere Unternehmen anzieht.

Dennoch ist Leonid Bershidsky pessimistisch, dass der Krisen-Staat dereinst auf eine kreative Art und Weise gerettet wird. Denn dafür brauche es Flexibilität. Eine Eigenschaft, die alle Beteiligten vermissen lassen. So wird Griechenland weiterhin dem Bankrott entgegentaumeln und die amerikanischen Firmen auf ihren Geldbergen sitzen bleiben.