Wie Banken um junge Kunden buhlen

Kein Kundensegment wird von den Banken derart umgarnt wie Menschen unter 30. Was dahintersteckt und wer die günstigsten Tarife bietet.
14.07.2016 23:00
Von Ivo Ruch
Freizeitangebote gehören bei vielen Jugendkonten zum Gesamtpaket.
Freizeitangebote gehören bei vielen Jugendkonten zum Gesamtpaket.
Bild: ZVG

"Wer besch? Wobble bobble, frownie, robox, fancy grazil oder whitty fix? Finds use!" Was in vielen Ohren wie Kauderwelsch tönt, soll Jugendliche aus der Region Aargau als Bankkunden anlocken. Denn es handelt sich dabei um den Einstieg in einen Wettbewerb der Hypothekarbank Lenzburg, der sich an Personen unter 20 Jahren richtet (siehe Screenshot unten). Sie können "cooli prise" gewinnen oder beim Abschluss eines Jugendkontos mit einem Gutschein im Wert von 50 Franken rechnen.

Zudem kommen die jungen Bankkunden in den Genuss von Konditionen, von denen andere nur träumen können: zum Beispiel kostenlose Kontoführung inklusive PrePaid-Kreditkarte und eine Verzinsung von 0,5 Prozent. Das ist zehnmal mehr als ein Privatkonto für Erwachsene derzeit bestenfalls abwirft.

Ausschnitt aus dem Online-Wettbewerb der Hypothekarbank Lenzburg

Schmuck, Kleider, Kaffeemaschinen

Die Hypothekarbank Lenzburg ist bei der kreativen Jagd um den Nachwuchs bei weitem nicht alleine. Auch wenn sich dabei nicht alle der Jugendsprache bedienen - oder was sie darunter verstehen. Bei der Postfinance profitieren Personen unter 20 nebst Vorzugskonditionen von einem Online-Shop, wo Schmuck, Kleider oder Kaffeemaschinen angeboten werden. Auch haben Jungunternehmer dort die Möglichkeit, eigene Produkte anzubieten.

Die Credit Suisse setzt hingegen ganz auf die Kino-Karte. Kunden ihres Pakets "Viva Young" gehen an bestimmten Tagen günstiger ins Kino, eine Tüte Popcorn und eine Cola inklusive. Bei Raiffeisen sind es Spiele der Fussball-Super-League oder Ski-Tageskarten, die Benutzer unter 26 zum halben Preis beziehen können.

Noch früher steigt die UBS in diesen Prozess ein. "Topsys Welt" ist ein Spiel- und Lernportal für Sparfüchse bis acht Jahre, schreibt die UBS auf ihrer Homepage. Und in der digitalen "Kids Zone" sollen Kinder von neun bis 14 Jahren "spielerisch mehr über Geld und Finanzen erfahren". In diesem Alter eröffnet noch niemand ein Konto, doch können solche Elemente auch zur Imagepflege bei den Erwachsenen beitragen. "Die Angebote werden von unseren jungen Kunden sowie auch den Eltern geschätzt", schreibt die UBS auf Anfrage.

Senioren müssen darben, Jugendliche nicht

Solche Spezialangebote sind nicht neu, wie Benjamin Manz vom Finanz-Vergleichsdienst moneyland.ch sagt. "Jugendliche wurden immer schon aggressiv beworben." Aber während beispielsweise Senioren jüngst Einbussen bei den Kontokonditionen hinnehmen mussten, sind die Angebote für Junge weiterhin attraktiv.

Das hat damit zu tun, dass die Wechselquote von Schweizer Bankkunden traditionellerweise sehr tief ist. Viele Kunden bleiben ihrer Bank über Jahre hinweg, wenn nicht gar lebenslang treu – auch wenn sich die Konditionen verschlechtern. "Jugendliche sind die Kunden von Morgen", sagt Raiffeisen-Mediensprecherin Cécile Bachmann auf Anfrage.

"Zusätzlich ist das Durchschnittsvolumen auf den Konten noch klein, aber für die Zukunft interessant", so Bachmann weiter. Deshalb nehme die Bank auch die negativen Margen in Kauf, die durch die vergleichsweise hohen Zinsen entstehen. Derselbe Tenor bei der Postfinance: "Die Jungen von heute sind die Anlage-, Hypothekar- und Vorsorgekunden von morgen", sagt Sprecher Johannes Möri.

Zins-Unterschiede sind gross

Unter dem Strich scheint die Rechnung für Raiffeisen aufzugehen. Denn der Bestand an Jugendkunden nehme laufend zu. Im kommenden Jahr sollen auch neue Möglichkeiten zur digitalen Kommunikation lanciert werden, wie Sprecherin Bachmann sagt. Etwas, das die Glarner Kantonalbank bereits anbietet. Sie beantwortet einfache Fragen ihrer Kunden seit einiger Zeit per Whatsapp.

Die Bedingungen bei Jugendkonten sind zwar vergleichsweise gut. Aber es gibt zwischen den einzelnen Anbietern doch grosse Unterschiede, wie ein Vergleich von moneyland.ch zeigt: Bei der Appenzeller Kantonalbank beläuft sich die Differenz zwischen Zinsen und Kosten jährlich auf 50 Franken. Die Zürcher Kantonalbank belastet das Konto hingegen mit 47,50 Franken (siehe Tabelle) – ein Unterschied von fast 100 Franken im Jahr. Bei einem Lehrlingslohn von bloss einigen hundert Franken kann das ins Geld gehen. Gerade auch deshalb spielen die Marketing-Instrumente der Banken eine grosse Rolle.

Vergleich Jugendkonten

Nutzerprofil: Jahrgang 2000; Konto-Guthaben 5000 CHF; mit Debitkarte; Inlandnutzer; 20 Zahlungseingänge pro Jahr; 10 Online-Zahlungsausgänge pro Jahr; 30 Inland-Einkäufe mit Debitkarte pro Jahr; Inland-Bargeldbezug am Fremdautomaten pro Jahr: 20x50 CHF; Saldierungsgebühren werden berücksichtigt

Anbieter Zinsen minus Kosten Kosten 1 Jahr Zinsen 1 Jahr
Appenzeller KB Privatkonto Jugend 50 CHF 0 CHF 50 CHF
CS Viva Young 25 CHF 0 CHF 25 CHF
Freiburger KB Jugendlohnsparkonto  25 CHF 0 CHF 25 CHF
Hypothekarbank Lenzburg Jugendkonto 15 CHF 10 CHF 25 CHF
Valiant Young Plus Konto 12,50 CHF 0 CHF 12,50 CHF
UBS Privatkonto Generation 12,50 CHF 0 CHF 12,50 CHF
Bank Coop Jugendkonto 4,80 CHF 20,20 CHF 25 CHF
Berner KB Jugendkonto 3,50 CHF 16 CHF 12,50 CHF
Raiffeisen Jugendkonto* -2,50 CHF 15 CHF 12,50 CHF
Postfinance Jugendkonto -15 CHF 40 CHF 25 CHF
Migros Bank Jugendstartkonto -35,20 CHF 65,20 CHF 30 CHF
ZKB Jugendprivatkonto -47,50 CHF 60 CHF 12,50 CHF

Quelle: moneyland.ch (hier gehts zum vollständigen Vergleich)

*Bei Raiffeisen kann es je nach Filiale (kleinere) Unterschiede bei den Konditionen geben.