Wie beenden Rohstoffe wohl 2016?

Für Rohstoffe ist das Jahr 2016 mit einem Knall losgegangen. Wenn man die Historie betrachtet, dann wird es wohl mit Gewimmer enden.
24.09.2016 19:04
Auf und Ab bei den Rohstoffen: Der Verlad von Eisenerz in in Sao Joao da Barra, Brasilien.
Auf und Ab bei den Rohstoffen: Der Verlad von Eisenerz in in Sao Joao da Barra, Brasilien.
Bild: Bloomberg

Der Bloomberg Commodity Index, der die Erträge von 22 Rohstoffen abbildet, läuft im dritten Quartal auf einen Verlust zu - nachdem er in den ersten beiden Quartalen noch Zugewinne verzeichnet hatte. Seit Beginn der Datenreihe 1991 ist genau das in nur vier anderen Jahren passiert - und in dreien davon ging es im Schlussquartal nach unten.

Angesichts einer anhaltenden Angebotsflut von Mais bis Öl bereiten sich Händler bereits auf Rückgänge vor. Investoren zogen in den vergangenen rund vier Wochen insgesamt 791 Mio. Dollar aus börsengehandelten Fonds (ETFs) ab, die Rohstoffe abbilden. Das bildet einen Kontrast zur Lage früher in diesem Jahr, die die Zuflüsse mit Blick auf den gesamten Jahresverlauf noch immer 34,1 Mrd. Dollar im Plus hält.

"Es gibt einfach nicht genug, um das Interesse der Spekulanten zu halten", sagt Rob Haworth, führender Investment-Stratege bei U.S. Bank Wealth Management in Seattle. "Es gab bei keinem der Rohstoffpreise genügend Schwung oder Durchhaltevermögen."

Unerwartete Trendumkehr

In der ersten Jahreshälfte waren die Rohstoffpreise noch nach oben getrieben worden - dank eines Anstiegs von 25 Prozent bei Gold und eines ähnlichen Zugewinns bei Erdgas, den grössten Mitgliedern des Bloomberg Commodity Index. Das Geld floss in diesen Bereich infolge von Spekulationen, dass die Federal Reserve die Leitzinsen nur langsam anheben wird, was den Dollar schwächte und Rohstoffe für Halter anderer Währungen billiger machte.

"Womit niemand zu Beginn des Jahres gerechnet hatte war, wie schnell die Trendumkehr erfolgen wird", sagt John Stephenson, Geschäftsführer von Stephenson & Co. Capital Management im kanadischen Toronto.

"Die zweite Jahreshälfte ist die Story eines Unvermögens oder eines wahrgenommenen Unvermögens von Rohstoffen, sich viel weiter nach oben zu bewegen, weil es einige dieser Probleme gibt, die man immer hatte", wie etwa Überangebot, fügt er an.

Während Edelmetalle weiter zu den Rohstoffen mit der besten Entwicklung gehören, ziehen Kupfer und Mais - die fünft- und sechstgrössten Mitglieder des Bloomberg-Index - das Barometer nach unten.

Das US-Landwirtschaftsministerium prognostiziert eine Rekordernte für amerikanische Bauern. Und Antofagasta, der chilenische Produzent des roten Metalls, rechnet für weitere zwei bis drei Jahre mit einer Angebotsflut.

Wie geht es mit den Ölpreisen weiter?

Ein grosses Angebot belastet auch den Rohölmarkt. Die US-Sorte West Texas Intermediate bewegt sich im September auf den dritten Rückgang in vier Monaten zu. Die Preisrisiken bleiben abwärts gerichtet angesichts des andauernden Überschusses, sagte Jeff Currie, Chef für Devisen-Analysen bei Goldman Sachs, vor Kurzem.

Doch es ist nicht nur das Überangebot, das die Preise unter Druck setzt. Händler sehen eine 50-Prozent-Chance, dass die Federal Reserve bis zum Ende des Jahres die Zinsen anheben wird, was Zugewinne für den Dollar auslöst.

Seit 2013 wurden in der zweiten Jahreshälfte auf breiter Front Abflüsse verzeichnet, heisst es in einer Studie von Citigroup, die am 5. September veröffentlicht wurde. Der Boom der so genannten Driving Season, der typischerweise die Spritnachfrage in den US-Sommermonaten antreibt, endet im September.

Im selben Monat erreichen die Erdgas-Lagerbestände laut Citigroup ihren Höhepunkt. Instandhaltung von Raffinerien senkt die Nachfrage nach Rohöl und die US-Getreideernte weitet das dortige Angebot aus.

(Bloomberg)