Wie cash-Leser die Bankenzukunft sehen

Milliardenbussen, eine schier endlose Liste von Rechtsfällen und durchwachsene Quartalsresultate: Die Zukunft der Banken beschäftigt die cash-Leser. Das Resultat einer Umfrage unter den Lesern ist nicht beruhigend .
11.08.2014 16:42
Von Marc Forster
Geschäftsmann telefoniert am Paradeplatz Zürich: Die Sorgen der Schweizer Grossbanken werden nicht weniger.

"Wie sieht die Zukunft für Schweizer Banken aus?", fragt cash seine Leser seit gut einer Woche in einer online-Umfrage. Das Resultat: 56 Prozent der 2400 Teilnehmer der cash-Umfrage sind pessimistisch: Sie sehen die Zukunft der Geldhäuser negativ. Der Rest hingegen ist positiv gestimmt.

Der Druck von Steuerämtern, Regulatoren und Ratinagenturen wiegt schwer auf dem Image der Banken. In den vergangenen Wochen hatten vor allem die Grossbanken Mühe, für gute Nachrichten zu sorgen. Im Mai zahlte die Credit Suisse 2,8 Milliarden Dollar, um unter den US-Steuerstreit einen Schlussstrich ziehen zu können. Die UBS muss 300 Millionen Euro hinblättern, um mit Deutschland ins Reine zu kommen.

Die kritische Einschätzung einer Mehrheit der cash-Leser dürfte auch damit zu tun haben, dass gute Nachrichten wie ein stattlicher Neugeldzufluss oder Fortschritte beim Aufpolstern der Kapitalkissen wegen Bad News weniger beachtet werden.

So sind derzeit einige Rechtsfälle im Gange: Wechselkursmanipulationen, Libor-Zinsmanipulationen, illegale grenzüberschreitende Geschäfte, der Hochfrequenzhandel und jüngst auch die Dark Pools. Gerade bei den Dark Pools waren die Schweizer Grossbanken gut im Geschäft - jetzt drohen auch hier Untersuchungen, Regulation und damit Umsatzschwund.

Bankaktien unter Abgabedruck

Die Kursentwicklung der Bankaktien widerspiegelt die Skepsis im Markt: Die Kurse der drei Grossen im SMI - UBS, CS und Julius Bär - stehen seit längerem unter Abgabedruck. Seit Jahresbeginn haben die Titel zwischen 6 und 11 Prozent an Kurswert eingebüsst, derweil der Schweizer Leitindex gut 1,5 Prozent kletterte.

Auch die inlandorientierten Banken schlagen sich mit dem Steuerstreit herum und müssen sich zudem wegen ihres oft grossen Zinsgeschäfts irgendwie mit den tiefen Zinsen arrangieren. Dazu kommen die laufend steigenden Hypothekarbestände und die Angst vor einem Immobiliencrash. Und so lange Institutionen wie die Schweizerische Nationalbank vor einer Überhitzung des Häusermarktes warnen, werden die Sorgen über die Zukunft des Finanzplatzes nicht kleiner.

Wohl und Wehe der Finanzhäuser beschäftigt auch die Experten. Der emeritierte Wirtschaftsprofessor und Buchautor Walter Wittmann zählt im cash-Interview Gründe auf, weswegen die Banken weitere Turbulenzen oder gar eine neue Finanzmarktkrise drohen.