Wie haben Börsenstars den Absturz verkraftet?

Der miserable Jahresstart an den Börsen ging auch an den Schweizer Star-Aktien von 2015 nicht spurlos vorbei. Ein Blick auf sechs Beispiele zeigt: Nicht alle haben das Zeug zum Comeback.
15.03.2016 00:02
Von Ivo Ruch und Pascal Züger
Im Januar und Februar ging es mit den Börsen jäh abwärts.
Im Januar und Februar ging es mit den Börsen jäh abwärts.

Die jüngste Börsenkorrektur hat auch ehemaligen Überfliegern die Flügel gestutzt. Viele Schweizer Aktien, die vor kurzer Zeit noch ein Allzeithoch markierten, konnten sich dem weltweiten Negativsog an den Aktienmärkten nicht entziehen. Wachstumssorgen um China und die Weltkonjunktur, sinkende Unternehmensgewinne und Unsicherheiten bezüglich der Zinsentwicklung hatten den Aktienmärkten den schlechtesten Jahressstart seit langem beschert.

Doch die Reaktion der letztjährigen Überflieger-Aktien auf die Börsenkorrektur fiel unterschiedlich aus. Während sich einige Titel schnell erholt haben und bereits wieder auf dem Weg in Richtung Rekordniveau sind, wurden andere deutlich zurückgebunden (siehe Tabelle). cash stellt sechs (einstige) Kursraketen vor, die in Bezug auf Robustheit ganz ungleich dastehen.

Kardex

Schon seit November 2011 hat Kardex einen beeindruckenden Lauf an der Börse. Von knappen 11 Franken damals stieg der Preis der Aktie bis auf 82 Franken Ende 2015, dann folgte eine drastische Korrektur im Umfang von fast 30 Prozent. Mittlerweile hat sich die Aktie wieder mächtig aufgefangen und notiert nahe am Rekordhoch. Allein am Montag legte der Titel über 6 Prozent zu.

Kardex gehört zu den wenigen Währungsgewinnern unter den Schweizer Firmen. Denn: Das Zürcher Unternehmen produziert hauptsächlich in Deutschland und bilanziert in Euro. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt und man verfügt über liquide Mittel von 120 Millionen Franken – was für Akquisitionen und weitere Dividendenausschüttungen benutzt werden könnte. Aktuell liegt die Dividendenrendite bei 4 Prozent. Problematisch ist die hohe Abhängigkeit von der Konjunktur Europas. Trübt sich dort die Lage ein, könnte auch Kardex darunter leiden.

Fazit: Die Aktie hat vor allem bis zur Dividendenauszahlung noch Luft nach oben.

Galenica

Der Galenica-Titel war mit einem Jahresgewinn von 99 Prozent die beste Schweizer Aktie des Jahres 2015. Die Börsenzäsur brachte der Aktie einen zweitweiligen Verlust von bis zu 25 Prozent, das meiste wurde seit Anfang Februar aber wieder wettgemacht.Im Dezember 2015 kündete das Unternehmen an, dass die geplante Aufspaltung in eine Pharmafirma (Vifor Pharma) sowie in ein im Logistik- und Apothekengeschäft tätiges Unternehmen (Galenica Santé) im vierten Quartal 2016 erfolgen soll. Bezüglich Abspaltung gibt es noch Unstimmigkeiten betreffend Aufteilung der Stimmrechtverhältnisse. Interne Konflikte sind nicht ausgeschlossen. Ausserdem haftet an Galenica etwas der Ruf einer Modeaktie, welche nach dem imposanten Kursfeuerwerk – welches schon über Jahre andauert - plötzlich stark einbrechen könnte. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2016 von über 31 deutet auf eine Überbewertung hin.

Fazit: Der Titel hat sich 2016 zwar bisher gut gehalten, doch die Absturzgefahr bleibt. Nur für risikofreudige Anleger.

Komax

Der Börsenabsturz fand bei Komax kaum statt - im Gegenteil. Im Januar, als es rechts und links abwärts ging, legte der Titel zweitweise 20 Prozent zu. Derzeit bewegt sich die Aktie beim Rekordhoch. Komax profitiert nicht nur von den guten Autoverkäufen in Europa, sondern auch vom zunehmenden Automatisierungsgrad in der Autobranche. Immer mehr Sensoren und elektronische Komponenten werden benötigt. Genau das Segment, welches Komax bedient. Doch ist das auch ein grosses Risiko: Die Abhängigkeit vom Automobilgeschäft ist gross. 70 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Geschäft. In der Sparte Kabelverarbeitung, welche für vier Fünftel des Umsatzes verantwortlich ist, sind es sogar 90 Prozent. Schon sehr bald wird sich diese Abhängigkeit weiter erhöhen, denn Komax kündete Mitte Januar an, diese zweite Geschäftseinheit Medtech abzustossen. Nächste Kursimpulse dürften von der Veröffentlichung des Geschäftsberichtes am 22. März 2016 und der definitiven Bekanntgabe des Medtech-Verkaufes kommen.

Fazit: Die Aussichten sind auch im Jahr 2016 gut, weiteres Potential nach oben ist vorhanden.

Interroll

Am letzten Tag des Börsenjahres 2015 stieg die Interroll-Aktie auf einen neuen Höchststand bei 865 Franken. Drei Wochen später folgten überzeugende Geschäftszahlen und Berichte über einen positiven Start ins neue Jahr. Doch die Börsianer griffen nicht mehr zu: Seit Anfang Jahr hat die Aktie des Logistik- und Automationsspezialisten knapp 10 Prozent verloren. Dennoch sind die Perspektiven weiterhin intakt. Die Tessiner stellen Bestandteile her für Förderbänder oder Sortieranlagen. Zu den Kunden gehören verschiedene Unternehmen, die im elektronischen Handel tätig sind – zweifellos eine Boom-Sparte. Trotz sportlicher Bewertung dürfte der Titel deshalb noch zukünftiges Potenzial haben; aber nur für langfristig orientierte Anleger, denn die Liquidität ist vergleichsweise tief.

Fazit: Geht der E-Commerce-Boom weiter, gehört Interroll zu den Profiteuren.

Molecular Partners

Bei Biotechnologie-Unternehmen wie Molecular Partners steht und fällt die Aktienperformance mit den kühnen Zukunftsfantasien der Anleger. Jede Neuigkeit zu Produktkandidaten wird auf die Goldwaage gelegt. Dementsprechend volatil zeigte sich die Molecular-Aktie auch in den zurückliegenden Wochen. Vom Allzeithoch im November 2015 (39 Franken) ist sie in ausgeprägtem Zickzack-Verlauf mittlerweile bei 32 Franken angelangt. Eine Prognose ist auch deshalb schwierig, weil Molecular Partners noch in der Phase von Forschung und Entwicklung steckt und noch kein marktfähiges Produkt hat. Die Zürcher forschen mit einer Technologieplattform an in den Bereichen Augenerkrankungen, Krebstherapie und Immunologie. Die Liquidität ist dank Meilensteinzahlungen gewährleistet. Doch enttäuschende Studienresultate können schnell zum Absturz an der Börse führen.

Fazit: Tanz auf dem Drahtseil mit grosser Absturzgefahr.

VZ Holding

Der Finanzdienstleister profitiert schon seit längerem von der wachsenden Skepsis gegenüber "traditionellen" Banken. Lange Zeit kannte auch die VZ-Aktie nur eine Richtung: nach oben. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte sie Anfang Dezember. Doch wurde auch die VZ-Aktie von den Börsenwirren erfasst und verlor gegen 30 Prozent. Davon hat sie sich erst wenig erholt. VZ-Erträge sind stark abhängig von den verwalteten Vermögen und somit anfällig auf Marktturbulenzen. Für einen Vermögensberater und -verwalter ist VZ Holding jedoch solide aufgestellt. Auch wird die Firma nicht von Konflikten mit ausländischen Steuerbehörden bedroht. Risiken drohen hingegen von der Konkurrenz: Immer mehr Schweizer Banken besinnen sich auf das Inlandgeschäft, der Hauptmarkt von VZ.

Fazit: Aktie ist kein Schnäppchen mehr. Einsteigen erst bei weiteren Rückschlägen.

Performance ausgewählter Schweizer Titel

Titel Performance 2016, in % Performance 52 Wochen, in %
Komax +11 +31
Kardex +2 +46
Galenica 0 +86
Interroll -9 +48
Molecular Partners -9 +39
VZ Holding -14 +38

Quelle: cash.ch, Stand 14.03.2016