Wie Hedgefonds mit Neymar Kasse machen

Wenn der brasilianische Superstar Neymar trifft, freut das auch Hedgefonds-Betreiber. Ein Anlagemodell, das auch bei Schweizer Fussballvereinen anzutreffen ist.
25.06.2014 01:05
Von Ivo Ruch
Der brasilianische Fussballstar Neymar hat einen Marktwert von 60 Millionen Euro.

Neymar verzaubert die Fussballwelt. Mit vier Treffern in drei Spielen ist der Brasilstar bislang eine der grossen Figuren an der Weltmeisterschaft. Das versetzt nicht nur die Fans der brasilianischen Nationalmannschaft in Jubelstimmung - auch Hedgefonds frohlocken.

Denn die in London ansässige Investmentfirma "Doyen Capital LLP" wettet seit längerem auf die Karrieren des Barcelona-Stürmers Neymar und anderen Fussballstars und ist einer der grössten Hedgefonds, der im Fussballbusiness tätig ist. Die Modell dahinter: Doyen hilft Vereinen bei der Finanzierung eines Spielers und partizipiert im Gegenzug an den Transferrechten. Wechselt der Spieler nun zu einem späteren Zeitpunkt den Verein, klingeln beim Hedgefonds die Kassen.

Kasachische Geldgeber

So geschehen beim kolumbianischen Star Radamel Falcao. Bei seinem Transfer von Ateltico Madrid zur AS Monaco erhielten die Spanier nur einen Bruchteil der 60 Millionen Euro Ablöse. Der grosse Reibach machte der Hedgefonds. Im Fall von Neymar besitzt Doyen seit mehr als einem Jahr sämtliche Werberechte ausserhalb Brasiliens. Laut transfermartk.ch hat der Brasilianer zurzeit einen Marktwert von 60 Millionen Euro – und mit jedem WM-Tor wird er noch grösser.

Doyen Capital investiert laut eigenen Angaben neben Fussballern auch in den ehemaligen Tennisstar Boris Becker oder tritt als Leibchensponsor des FC Sevilla auf. Das Geld erhält der Hedgefonds zu einem Grossteil von kasachischen Investoren, wie Bloomberg kürzlich berichtete.

"Fluch und Segen"

Ein ähnliches Modell ist auch in der Schweiz anzutreffen. Der deutsche Investmentfonds "Hanseatisches Fussball Kontor" beteiligte sich mit bis zu 300'000 Euro an der Finanzierung von Spielern des FC Wil und sicherte sich dadurch Transferanteile. Der Fonds verspricht zwischen 6,3 und 8,7 Prozent Zins ab einer Einlage von 2500 Euro.

"Das Investment ist Fluch und Segen für den FC Wil. Beim Weiterverkauf eines Spielers verdienen wir zwar nicht viel. Aber wir können uns Spieler leisten, die sonst nicht im Budget liegen", sagt Axel Thoma, Trainer und Sportchef des FC Wil, zu cash. Zudem helfe das Geld, die laufenden Betriebskosten zu decken. Die bisher gemachten Erfahrungen mit den deutschen Investoren seien durchwegs positiv, so Thoma.

Allerdings handelt es sich bei dem Investitionsvehikel um einen geschlossenen Fonds. Das heisst, das eingesetzte Kapital ist bis zum Ende der oft mehrjährigen Laufzeit unter Verschluss. Im schlimmsten Fall droht dabei der Totalverlust des Kapitals.

Skeptische Uefa

Dem Europäischen Fussballverband (Uefa) ist das Modell der sogenannten Dritteigentümerschaft an Spielern jedoch ein Dorn im Auge. Die Uefa ist besorgt, dass es zu Verzerrungen auf dem Transfermarkt kommt, wenn Dritte mitentscheiden, wann ein Spieler für welchen Betrag seinen Verein verlässt. Die Investoren halten dieser Kritik entgegen, dass sie den Vereinen Kapital zur Verfügung stellen und so ihren Tagesbetrieb aufrechterhalten. Auch die Fifa untersucht ein Verbot solcher Tätigkeiten, die in England bereits nicht mehr erlaubt sind.

Wer sein Geld anderweitig im milliardenschweren Fussballgeschäft investieren will, hat durchaus Alternativen. Entweder man setzt auf Aktien von Vereinen wie Borussia Dortmund, Manchester United und Juventus Turin oder auf die Sportartikelhersteller Adidas, Nike und Puma. Oder man versucht sein Glück mit einfachen Fussballwetten. Wer bei bwin auf Neymar als WM-Torschützenkönig setzt, erhält eine Quote von 1:3.