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Wie hoch steigt die Gategroup-Aktie noch?

Trotz offener Baustellen gehört die Gategroup-Aktie zu den besten der letzten 12 Monate. Was sind die Gründe dafür und wie geht die Reise weiter? cash liefert Antworten.
10.11.2015 14:17
Von Ivo Ruch
Gategroup: Die Hoffnungen auf einen Turnaround sind nicht aus der Luft gegriffen.
Gategroup: Die Hoffnungen auf einen Turnaround sind nicht aus der Luft gegriffen.
Bild: www.gategroupmember.com

Auch die Gategroup-Aktie wurde in den sommerlichen Börsenturbulenzen böse durchgeschüttelt. Zudem drückte ein enttäuschendes Halbjahresergebnis auf den Aktienkurs. Trotzdem hat sich der Titel mittlerweile wieder gut erholt und steht auf dem höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Im laufenden Jahr beträgt das Plus knapp 30 Prozent, in den letzten 52 Wochen gar 70 Prozent – nur sieben Schweizer Aktien waren in diesem Zeitraum besser als der Klotener Airline-Caterer.

Gategroup-Aktie in den letzten 52 Wochen, Quelle: cash.ch

Die Gründe für die jüngsten Kursbewegungen sind vielgestaltig. Zuletzt sorgten zwei Nachrichten für positives Börsenecho: Gategroup strukturiert seine Schulden neu und senkt damit seine Finanzkosten. Zudem wird der Vertrag mit den Scandinavian Airlines (SAS) um sieben Jahre verlängert. Davor war die Aktie unter starken Druck geraten, weil die Halbjahreszahlen enttäuschten und die gleichzeitig vorgelegten Reformen – Fokus auf das Kerngeschäft, kommerzielle Innovation, geografische Expansion, Standardisierung und Effizienz – von Börsianern negativ aufgenommen wurden.

Die auf lange Sicht äusserst positive Entwicklung der Gategroup-Aktie ist aber insofern erstaunlich, als die frühere Swissair-Tochter seit längerem als Problemfall gilt und diesen Ruf noch nicht ganz abschütteln konnte. So kommentierte die Neue Helvetische Bank die Anfang September angekündigte strategische Neuausrichtung "Gateway 2020" mit folgenden Worten: "Das neue Programm beinhaltet für uns viele Elemente die eine erfolgreiche Gesellschaft zu jeder Zeit strategisch verfolgen sollte." Dass Gategroup diese Elemente nun in ein kostenintensives Spezialprogramm packen müsse, deute auf wesentliche strategische und führungstechnische Versäumnisse in der Vergangenheit hin, so die Analysten.

Grossaktionär sorgt für Wirbel

Der Höhenflug von Gategroup hat denn auch viel mit Hoffnung zu tun: Hoffnung auf einen besseren Geschäftsgang, Hoffnung auf eine Neuorganisation des Unternehmens. Der Umsatz ist beispielsweise seit mehreren Jahren rückläufig. Diese Baustellen haben auch schon Grossaktionäre mit klaren Forderungen auf den Plan gerufen. Der aktivste ist der Schweizer Rudolf Bohli, der über seinen Hedge Fund RBR Capital Advisors mehr als 11 Prozent an Gategroup hält. Bohli verlangte unter anderem die Neubesetzung diverser Führungskräfte und die stärkere Kontrolle der Kosten.

Bei solchen Aktionen besteht allerdings immer auch die Gefahr zeit- und ressourcenraubender Streitereien. Hat der Turnaround-Plan hingegen Erfolg, könnte sich Gategroup tatsächlich zu einem  "Rohdiamanten" entwickeln, wie Bohli unlängst in einem Interview mit der Handelszeitung sagte.

Auf dem Weg zur Milliarde

Denn unbestritten ist, dass Gategroup in den Schwellenländern noch viel Potenzial hat. Asien und Lateinamerika machen erst 18 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Zudem gilt die Luftfahrtindustrie allgemein als Wachstumsbranche und der Bereich Airline-Catering (Flugzeug-Verpflegung, Betrieb von Airline-Lounges) im Speziellen als Markt mit hohen Eintrittshürden.

Und noch etwas könnte Gategroup Auftrieb verleihen. Mit dem Anstieg des Aktienkurses nähert sich die Börsenkapitalisierung der Marke von einer Milliarde Franken. Gerade in angelsächsischen Investorenkreisen gilt dieser Betrag als magische Grenze für einen möglichen Einstieg. Mehr Klarheit erhalten die Investoren am kommenden Donnerstag (12.11.). Dann legt Gategroup die Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres vor.