Wie lange bezahlen wir noch für Roaming?

Der Schweizer Telekom-Primus senkt seine Roaming-Gebühren erneut. Im cash-Video-Interview sagt der Experte Marc Furrer, wie die Swisscom auf diese stetige Preiserosion reagiert.
14.05.2014 14:05
Von Ivo Ruch
Marc Furrer ist Head of International Roaming bei der Swisscom.
Bild: cash

Im Ausland surfen und telefonieren wird für Swisscom-Kunden erneut billiger. Ab 1. Juli kostet das Telefonieren aus dem europäischen Ausland in die Schweiz neu 50 Rappen pro Minute und damit rund einen Drittel weniger als zuvor. Für ein SMS bezahlt man neu 30 Rappen und 10 Megabyte Datenverbrauch kostet im EU-Ausland neu 5 Franken. Die Preise für Datenpakete bleiben hingegen auf dem Stand vom 1. April, wie die Swisscom am Mittwoch an einer Medienveranstaltung bekannt gab. Somit bietet der Marktführer in diesem Bereich gegenüber den Konkurrenten Orange und Sunrise die tiefsten Tarife an.

 

Kosten pro Handyminute im Ausland. Angaben in Schweizer Franken.

 

Mit dieser Offensive geht die Preiserosion im Bereich Roaming in die nächste Runde. Seit 2006 sind bei der Swisscom die Durchschnittspreise für Roaming massiv zurückgekommen. Beispielsweise für Datenverkehr bezahlen Swisscom-Kunden aktuell 94 Prozent weniger als 2006. "Die Preiserosion in unserer Branche ist ein genereller Trend", sagt Marc Furrer im cash-Video-Interview. Mit neuen Produkten und Services sei man aber gut unterwegs, so der Roaming-Experte der Swisscom.

Druck auf die Quartalszahlen

Dieser Preisrückgang schlägt sich auch im Unternehmensergebnis der Swisscom nieder. Rund 24 Millionen Franken weniger hat die Swisscom im ersten Geschäftsquartal 2014 als Folge von Roaming-Preissenkungen eingenommen. Bei SMS und Telefonie seien die Roaming-Umsätze zurückgegangen, so Furrer. "Doch durch die zunehmende Datennutzung findet eine gewisse Kompensation statt." Gerade die Schweizer sind allerdings Roaming-Weltmeister. Durch die Grösse des Landes und die Reisefreudigkeit der Bevölkerung finden besonders viele Grenzüberschreitungen statt.

Dennoch kann sich die Swisscom dem internationalen Trend zu noch weniger oder gar keinen Roaming-Gebühren nicht entziehen. So bietet der amerikanische Telekomkonzern T-Mobile seit Kurzem ab 50 Dollar im Monat Abos an, die in 120 Ländern unbegrenzten Datenverkehr und SMS beinhalten. Und das EU-Parlament will die Gebühren bis Ende 2015 ganz abschaffen.

Diesen Trend habe die Swisscom zu einem gewissen Grad vorweg genommen, als sie vor zwei Jahren die Natel-Infinity-Angebote lancierte, so Marc Furrer. Bei drei dieser Abos sind Roamingeinheiten bereits inklusive. "Auch in der Schweiz werden die Tarife weiter sinken", sagt Furrer. Ob allerdings die Gebühren irgendwann ganz wegfallen, sei zurzeit noch ungewiss.

Anderswo muss gespart werden

Klar ist hingegen, dass die Telekomunternehmen ihre fehlenden Einnahmen aus dem Roaming künftig anderswo einsparen müssen. "Die Kosten werden umverteilt und könnten beispielsweise bei der Infrastruktur eingespart werden", sagt Furrer vor den Medien. Beispielsweise in Österreich ist zu beobachten, dass die Handykosten angehoben werden, während die Roaming-Gebühren wegfallen.

Zudem hält die Swisscom ab Juli eine weitere Neuerung im Bereich Datennutzung im Ausland bereit. Die "Local Breakout" genannte Technologie wird es Kunden ermöglichen, im Ausland ohne Wechsel der SIM-Karte von den Gebühren eines lokalen Anbieters zu profitieren.

Im cash-Video-Interview sagt Marc Furrer zudem, was das Roaming so teuer macht.