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Wie lange dauert die Korrektur, Herr Herbert?

Im cash-Börsen-Talk beurteilt cash-Guru Alfred Herbert den jüngsten Kursrückgang an den Aktienmärkten und schätzt die Top- und Flop-Aktien des SMI im ersten Quartal ein.
27.03.2015 01:00
Von Daniel Hügli
cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Der Weg schien geebnet: Der Swiss Market Index (SMI) war nach dem SNB-Taucher von Mitte Januar in den letzten Wochen auf gutem Weg, das Allzeithöchst von 9532 Punkten zu knacken. Der Swiss Performance Index (SPI) hatte dies schon vor einiger Zeit vollbracht. Doch dann kam Mitte dieser Woche ein Umschwung.

Die Gründe für die Korrektur: Die Angst vor einem neuen Krieg in der Golfregion, nachdem der wichtige Ölproduzent Saudi-Arabien zusammen mit anderen Nationen in den blutigen Konflikt im Jemen eingegriffen hatte. Das treibt die Ölpreise an. Dass der Konflikt mitten in der wichtigsten Ölregion der Welt ausgetragen wird, belastet die Stimmung an den Märkten, zumal die schwachen US-Wirtschaftsdaten vom Mittwoch gar noch nicht verdaut waren.

"Diese Einflussfaktoren nahmen Investoren dankbar und gerne zum Anlass, Gewinne bei den Aktien mitzunehmen", erklärt cash-Guru Alfred Herbert bei seinem allmonatlichen Auftritt im cash-Börsen-Talk. "Vor der Korrektur war ich der Meinung, dass wir ein Attacke auf die Marke von 10'000 Punkte beim SMI hätten reiten können."

Solche Ziele sind nun vorerst begraben. Am Donnerstag fiel der SMI zwischenzeitlich sogar kurz unter die Marke von 9000 Punkten. Besonders die Aktien aus dem Small- und Mid-Cap-Bereich, die in den letzten Wochen stark angestiegen waren, sind nun in der Korrekturphase besonders verletzlich. Doch wie weiter? Wie lange geht die Korrektur?

"Kein Lemming-Effekt"

"Ich glaube nicht, dass nun der Lemming-Effekt eintritt, bei dem alle zur Türe hinausrennen wollen", sagt Herbert. Dennoch warnt er vor der Bereitschaft der Anleger, dass sie noch mehr Gewinne einstreichen könnten. Denn die Aktienmärkte und viele Einzelaktien seien noch immer recht teuer bewertet. Sprich: Die Korrektur wird nicht allzu lange andauern, doch es könnte noch heftige Tage geben.

Stützend wirken bei den Aktienmärkten folgende Punkte: Die Jagd der Anleger nach Aktien mit hoher Dividende. Und diese Jagd dauert wegen des Anlagenotstands der Investoren noch immer an. Stützend wirkt auch das Anleihe-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank. Anleger können somit mit Cash an der Seitenlinie bereit stehen und am Ende der Korrektur wieder investieren. Viele Investoren haben darauf gewartet, um etwas billiger wieder einsteigen zu können.

Vorsicht vor Adecco

Im ersten Quartal war Adecco die beste Aktie im Swiss Market Index mit einer Performance von 15 Prozent. Die Erhöhung der Dividende zieht mehr Anleger an, die Aktie gilt aber auch als Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Europa.

Herbert warnt im Börsen-Talk vor einer zu grossen Euphorie für die Adecco-Titel. Das Unternehmen erwirtschaftet rund einen Viertel des Umsatzes in Frankreich, es ist der wichtigste Markt für Adecco. Aber in Frankreich liessen die wichtigen Reformen noch immer auf sich warten, sagt Herbert. "Hände weg" rät Herbert von den Aktien der Schweizer Luxusgüterhersteller, die das untere Ende der Erstquartalstabelle des SMI zieren.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Alfred Herbert auch zu Dividendenstrategien, detaillierter zu den Aktien der Schweizer Luxusgüterhersteller und über die schleichende Aufwertung des Franken in den letzten Wochen.