Wie Schrittzähler die Versicherungsprämien senken könnten

Wer über Twitter vom gelungenen Abendessen mit Freunden erzählt, teilt sein Leben gerne mit einer breiten Öffentlichkeit. Doch künftig könnte eine solche Kurznachricht auch die monatliche Versicherungsprämie senken.
27.10.2016 20:15
Laufen, messen, übermitteln: Wer etwas für seine Fitness tut, könnte schon bald bei den Krankenkassenprämien sparen.
Laufen, messen, übermitteln: Wer etwas für seine Fitness tut, könnte schon bald bei den Krankenkassenprämien sparen.
Bild: pixabay.com

Versicherungen setzen bei der Berechnung individueller Risiken ihrer Kunden zunehmend auf die Auswertung elektronischer Daten. Eine positive Nachricht in sozialen Netzwerken lässt dabei mitunter Rückschlüsse über das Risiko einer Herzerkrankung zu - und könnte so herkömmliche Berechnungsmethoden der Branche verbessern.

Nach Einschätzung des weltweit zweitgrössten Rückversicherers Swiss Re könnten Versicherte künftig Geld sparen, wenn sie für ihre Kranken- oder Fahrzeugversicherung mit ihren persönlichen Daten einen gesunden Lebens- oder vernünftigen Fahrstil nachweisen. Entsprechend investiert Swiss Re in das Startup digi.me, bei dem Konsumenten ihre persönlichen Daten aus sozialen Netzwerken und anderen Kanälen hinterlegen können. "In relativ kurzer Zeit, vielleicht in ein paar Jahren, werden die meisten der grossen Versicherer Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung besitzen", sagt Swiss-Re-Manager Daniel Ryan. "Das wird zweifelsohne zu einer veränderten Interaktion zwischen der Versicherung und den Versicherten führen."

Mit den Daten könnten die Anbieter künftig versuchen, ihre Kunden zu einem besseren Verhalten zu animieren. Gelingen könnte das mit Fitnessplänen - basierend auf Faktoren wie Alter, Blutdruck, Ernährung und körperlicher Aktivität. Deren Einhaltung wird dann auch überwacht - und die Konsumenten für Fortschritte belohnt, etwa indem sie Preisnachlässe für gesundes Essen oder Rabatt bei der Buchung einer Reise bekommen.

Sanfter Fahrstil spart Kosten

Auch bei der Fahrzeugversicherung wird die Nutzung von Daten erprobt: Der US-Anbieter Allstate oder die britische Versicherung "Drive Like a Girl" bieten Rabatte für Autofahrer an, wenn diese einen sicheren Fahrstil nachweisen. Dafür wird ein spezielles Gerät im Auto installiert. Dieses misst die Geschwindigkeit, wie heftig der Fahrer bremst und wann und wie häufig das Fahrzeug in Gebrauch ist. Allstate verspricht, die Prämien auf Basis der Daten nicht zu erhöhen, sondern lediglich zu senken oder konstant zu halten.

Doch Kritiker fürchten, dass andere Anbieter Kunden mit einem eher burschikosen Fahrstil über höhere Prämien zur Kasse bitten. Das hätte letztlich zur Folge, dass jene Versicherungsnehmer, die ihren Lebens- oder Fahrstil nicht verbessern können oder wollen, durch die Maschen fallen. Denn Versicherungen könnten sich jene Kunden aussuchen, die kein grosses Risiko darstellten und andere ablehnen. Das Grundprinzip einer Versicherung wäre damit ausgehebelt.

"Wenn ich für jeden Einzelnen seine individuellen Prämien und sein individuelles Risiko berechne, dann verteile ich das Risiko nicht mehr im Kollektiv", sagt Lars Gatschke vom Verband der deutschen Verbraucherzentrale (VZBV). Stattdessen könnten sie Kunden bestrafen, wenn sie Fastfood essen oder der Schrittzähler am Ende des Tages Bewegungsmuffel enttarnt.

Auch wenn vieles davon noch Zukunftsmusik ist - in den Köpfen der Versicherungsmanager hat diese neue Welt bereits begonnen, wie eine Randbemerkung von Swiss-Re-Chef Christian Mumenthaler zeigt: "Ich persönlich wäre vorsichtig, was ich im Internet veröffentliche", sagt er.

(Reuters)