Wie überbewertet ist der Franken wirklich?

Nach der harschen Reaktion auf die Aufgabe des Euro-Mindestkurses hält die SNB den Franken für überbewertet. cash geht der Frage nach, wo der Dollar und der Euro eigentlich stehen müssten.
19.01.2015 08:51
Von Lorenz Burkhalter
Mit ihrem Entscheid vom Donnerstag hat die SNB dem Euro zugesetzt.
Mit ihrem Entscheid vom Donnerstag hat die SNB dem Euro zugesetzt.
Bild: sxc

Nach dem überraschenden Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den vor gut drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs aufzugeben, herrscht hierzulande Katerstimmung. In einer ersten Reaktion wertete der Franken am letzten Donnerstag kräftig auf. In der Folge brach der Euro von 1,20 auf 0,85 Franken ein, um sich dann in der Region von einem Franken einzupendeln. Nicht besser erging es dem Dollar Dollar. Dieser kollabierte vorübergehend von 1,02 auf 0,74 Franken, kletterte danach aber wieder in die Nähe von 0,86 Franken.

In den letzten Tagen liessen die SNB-Vertreter keine Gelegenheit aus, um die Reaktion an den Devisenmärkten als Übertreibung zu verurteilen und auf die Überbewertung des Frankens hinzuweisen. Mit konkreten Zahlen warteten die Währungshüter allerdings nicht auf.

Euro und Dollar müssten deutlich höher stehen

Einen Ansatz, die Währungen zweier Länder zu vergleichen, bietet die sogenannte Kaufkraftparität. Sie zeigt, bei welchem Wechselkurs die Lebenshaltungskosten der verglichenen Wirtschaftsräume im Gleichgewicht sind.

Die Devisenstrategen der UBS kommen beim Euro derzeit auf einen Gleichgewichtskurs von 1,28 Franken, was knapp 30 Prozent über dem aktuellen Wechselkurs liegt. Nach dem SNB-Entscheid von vergangener Woche gehen die Experten hierzulande von einer negativen Teuerungsentwicklung und einem nur noch marginalen Wirtschaftswachstum aus. Zum Dollar liegen von der Grossbank hingegen keine Angaben zur Kaufkraftparität vor. Bei anderen Banken wird diese jedoch in der Region von einem Franken angesiedelt. Das wiederum entspräche einem Aufwärtspotenzial von gut 16 Prozent.

Franken bleibt im Vorteil

Allerdings liegt der Teufel im Detail: Je nachdem wie der Warenkorb zur Berechnung der Kaufkraftparität zusammengesetzt wird, können die Resultate stark voneinander abweichen. Ausserdem können sich Währungen über eine längere Zeit substanziell vom Gleichgewichtskurs nach unten oder oben loslösen. Manchmal dauert es Jahre, bis der Devisenkurs wieder zur Kaufkraftparität zurückfindet.

Schon seit Jahrzehnten sorgen Faktoren wie die stabile Preisentwicklung oder der Leistungsbilanzüberschuss dafür, dass sich der Gleichgewichtskurs gegenüber den wichtigsten Währungen wie dem Euro oder dem Dollar zugunsten des Frankens entwickelt. Sollte sich die Europäische Zentralbank (EZB) diese Woche zu einem vollumfänglichen Anleihenrückkaufprogramm nach amerikanischem Vorbild entscheiden, könnte sich dieser Trend noch verstärken. Auch in Zukunft spricht deshalb vieles für einen stärkeren und nicht für einen schwächeren Franken.