Wie zuverlässig sind Aktienempfehlungen?

Eine amerikanische Grossbank hat selbstkritisch die Schlüsselempfehlungen von Bankenanalysten unter die Lupe genommen - mit einem überraschenden Ergebnis.
06.01.2015 07:59
Von Lorenz Burkhalter
Die Bankenanalysten der Citigroup nehmen die Arbeit ihrer Berufskollegen unter die Lupe.
Die Bankenanalysten der Citigroup nehmen die Arbeit ihrer Berufskollegen unter die Lupe.
Bild: ©hfox/Fotolia.com

Wie die Banken geniessen auch die Aktienanalysten keinen sonderlich guten Ruf. Der Berufsgilde wird unter anderem vorgeworfen, sich wie Lemminge zu verhalten. Mit anderen Worten: In steigende Märkte hinein werden mehr Kaufempfehlungen und kaum noch Verkaufsempfehlungen ausgesprochen und umgekehrt.

Einsicht ist der erste Weg zur Besserung, dürften sich die Bankenanalysten der Citigroup gedacht haben. Über den Jahreswechsel haben sie selbstkritisch die Schlüsselempfehlungen für Bankaktien untersucht.

Amerikanische Bankenanalysten deutlich erfolgreicher

Ihr Ergebnis: In den USA haben die fünf bei Analysten beliebtesten Bankaktien in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich 24 Prozent zugelegt und den um 37 Prozent tieferen Gesamtsektor übertroffen. Die fünf am negativsten eingeschätzten Papiere hatten in dieser Zeit hingegen Kursverluste im Umfang von 49 Prozent zu beklagen.

Entgegen anders lautenden Erwartungen verloren die fünf beliebtest europäischen Bankaktien mit einer Börsenkapitalisierung von mindestens 10 Milliarden Dollar rund 45 Prozent. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, konnten die fünf am negativsten eingeschätzten Valoren um 23 Prozent zulegen. Der Gesamtsektor gab hingegen um 47 Prozent nach.

Selbst während den Rückschlägen in den Jahren 2008 und 2011 hielten sich die am negativsten eingeschätzten europäischen Bankaktien besser als die beliebtesten Papiere und der breite Sektor.

Die für die Citigroup tätigen Analysten erklären sich diese Beobachtungen mit dem insgesamt deutlich besseren Abschneiden amerikanischer Bankaktien sowie mit der grösseren Abhängigkeit europäischer Banken von der Wirtschaftsentwicklung. Doch auch die US-Notenbank und ihre grosszügige Zins- und Geldpolitik dürfte eine zentrale Rolle bei den Ergebnissen gespielt haben.

Zudem wäre es interessant zu sehen, ob die Schlüsselempfehlungen ausserhalb des Bankensektors ähnlich abgeschnitten haben und die Schlussfolgerungen der Citigroup für die Arbeit aller Aktienanalysten gelten.