Wiederholen die Notenbanken alte Fehler?

Die Notenbanken der USA und Grossbritanniens haben zuletzt neue geldpolitische Ziele definiert. Die Commerzbank befürchtet nun, dass sich alte Fehler wiederholen.
31.03.2014 08:07
Von Lorenz Burkhalter
Die US-Notenbank könnte unter Janet Yellen alte Fehler wiederholen.
Die US-Notenbank könnte unter Janet Yellen alte Fehler wiederholen.

An seiner jüngsten Tagung gab der Offenmarktausschuss der US-Notenbank überraschend bekannt, sich bei der Geldpolitik nicht mehr länger an der Arbeitslosenquote zu orientieren. In Zukunft wollen die Entscheidungsträger zu einem traditionellen Ansatz zurückkehren, bei dem sie aus einer Mehrzahl von Indikatoren den Auslastungsgrad der eigenen Wirtschaft herauslesen wollen. Damit folgt die US-Notenbank dem Vorbild der Bank of England. Auch sie verschreibt sich mit ihren geldpolitischen Zielen nicht mehr ausschliesslich dem Arbeitsmarkt.

In einem Kommentar finden die beiden für die Commerzbank tätigen Verfasser allerdings keine guten Worte für die neuen Zielsetzungen der beiden Notenbanken. Es liege zwar auf der Hand, dass die Inflationsgefahren vom Auslastungsgrad der Wirtschaft abhängig seien. Dieses an sich schlüssige Konzept lasse sich in der Praxis allerdings nur schwer umsetzen.

Bremst die US-Notenbank einmal mehr zu spät?

Den Strategen zufolge stösst das Konzept schnell auf das Problem, dass es sich letztlich auf eine Gesamtschau der wesentlichen Einflussfaktoren stützen muss. Und dann werde das Vorgehen der Notenbanken schnell einmal intransparent.

Die besten Absichten würden nichts nützen, wenn die Informationsbasis, auf der geldpolitische Entscheidungen getroffen werden, unzuverlässig sei. Genau dieses Problem hätten die Zentralbanken in der Vergangenheit mit dem Auslastungsgrad gehabt.

Gerade die US-Notenbank habe den Auslastungsgrad der Wirtschaft in der Vergangenheit unterschätzt. Schon in den Siebzigerjahren habe das zu einer zu expansiven Geldpolitik und zu einer "grossen Inflation" mit zweistelligen Teuerungsraten geführt.

Fehler nach der Dotcom-Blase

Als zweites prominentes Beispiel nennen die Strategen die Zeit nach dem Platzen der Technologieblase im Jahre 2001. Damals habe die US-Notenbank zwar nicht mit derart grossen Fehlern wie 25 Jahre zuvor zu kämpfen gehabt. Dennoch seien die Deflationsgefahren merklich überschätzt worden, was den Boom bei den Immobilien befeuert und zu einem beispiellosen Anstieg der Häuserpreise geführt habe.

Bei der Commerzbank befürchtet man nun, dass sich die Geschichte wiederholen könnte und die US-Notenbank wieder einmal zu spät auf einen restriktiveren geldpolitischen Kurs übergehen könnte.