Wieso Apple-Anleger auf Samsung umsatteln sollten

Während die Apple-Aktie von ihrem einstigen Glanz deutlich eingebüsst hat, steigen die Papiere von Samsung von Rekordhoch zu Rekordhoch. Und die Aussichten auf weitere Kursgewinne sind gut.
08.01.2013 15:45
Von Pascal Meisser
Das derzeitige Spitzenmodell von Samsung: Galaxy SIII.

Der weltgrösste Smartphone-Hersteller Samsung rechnet für das vierte Quartal mit einem Rekordgewinn  - und dies bereits zum fünften Mal in Folge. Diese positiven Aussichten spiegeln sich auch in der jüngsten Aktienkurs-Entwicklung. In den letzten Monaten erzielte die Aktie fast täglich neue Allzeithochs. Erst über den Jahreswechsel litt der Titel unter ersten Gewinnmitnahmen. 

Ganz anders der Samsung-Konkurrent aus Kalifornien: Seit dem Rekordhoch von Mitte September stürzten die Papiere von Apple bis heute regelrecht ab. Der Kursverlust betrug zeitweise gegen 35 Prozent. 
 
Mit dieser Entwicklung haben sich die beiden Aktien weitgehend angeglichen – sowohl bewertungstechnisch wie auch fundamental. Beide Unternehmen weisen derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2013 von rund 11 auf. Und bei den Analysten gehören beide Titel zu den Top-Picks. Kaum einer, der die Aktien nicht auf "buy" eingestuft hat. Einzig Jeffrey Grundlach der Investmentfirma Doubleline hat eine dezidiert negative Meinung zu Apple. "Die Aktie wird weiter fallen, und zwar auf 425 Dollar, wo sie bereits Anfang 2012 stand", sagte er am Wochenende zum TV-Sender CNBC. 
 
Gegensätzliche Vorzeichen vor vier Monaten
 
Dabei sind kaum vier Monate vergangen, als die Vorzeichen diametral anders – und für Apple-Chef Tim Cook die Welt, kurz vor der Präsentation des neuen iPhone-Modells, noch in Ordnung war. Nach einem Teilsieg im zermürbenden Patentkrieg zwischen Apple und Samsung ging Cook vorübergehend als Sieger hervor. Die Apple-Aktie stieg auf das Allzeithoch bei 700, die Samsung-Titel fielen 15 Prozent in die Tiefe.
 
Das negative Urteil mochte die Südkoreaner wohl schmerzen, mehr als eine Etappenniederlage war es innerhalb des ausgedehnten Streits um Patente aber nicht. Denn zwischen den beiden Erzfeinden ist eine Art Hassliebe entbrannt. Auf der einen Seite der "good guy" aus Kalifornien, der mit seinen Produkten bei den Kunden Emotionen wecken will, auf der anderen Seite der "bad guy" aus Südkorea, der trotz technologischer Überlegenheit seinen Kontrahenten und gleichzeitig eigenen Kunden mit Patentklagen aller Art eindeckt. 
 
Denn was viele nicht wissen: Apple bezieht die Chips für das iPhone bei Samsung und ist somit einer der grössten Kunden der Südkoreaner. Die Kalifornier sind immerhin für rund 9 Prozent des Jahresumsatzes bei Samsung verantwortlich. Seit einigen Wochen versucht Apple allerdings, diese Abhängigkeit zu lockern. 
 
Samsung-Aktie bietet bessere Chancen
 
Anleger sind dennoch gut beraten, in den nächsten Monaten nicht auf die Aktie des Kultgeräteherstellers Apple, sondern auf den Titel des innovativen Marktführers Samsung zu setzen. Beim neuen iPhone bemängelten Experten, dass die Fortschritte gegenüber den älteren Modellen kaum ersichtlich seien – ganz im Gegensatz zum neuen Ativ-Modell von Samsung.
 
Zudem dürfte Samsung 2013 die Smartphone-Konkurrenz noch deutlicher abhängen. Nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts Strategy Analytics soll Samsung dieses Jahr den Handy-Absatz von 215 auf 290 Milllionen Exemplare steigern, Apple wird sich mit 180 Millionen abgesetzten Geräten begnügen müssen. Aber auch im stark wachsenden Tablet-Markt verschieben sich die Präferenzen immer mehr weg vom iPad hin zu Konkurrenzprodukten von Samsung und Sony