Wieso stecken Italiens Banken in der Klemme?

Italiens Krisenbank Monte dei Paschi braucht dringend Geld und der heimische Branchenprimus UniCredit verkauft zudem Tafelsilber: Italiens Banken stecken wieder mal in der Klemme. Ein Überblick.
13.12.2016 13:56
Bella Italia: Die Flagge des Bel Paese.
Bella Italia: Die Flagge des Bel Paese.
Bild: Pixabay

Um an frisches Kapital zu kommen, ziehen die Geldhäuser in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone alle Register. Wie kommt es, dass sie in der Klemme stecken? 

FAULE KREDITE UND FLAUES WACHSTUM

Italiens Wirtschaft gilt als chronisch wachstumsschwach und dümpelt nach einer schweren Rezession weiter vor sich hin. Als Folge der Krise haben die Banken unter den Augen der Aufseher einen Berg an Problem-Darlehen in Höhe von 356 Milliarden Euro angehäuft. Viele dieser Kredite wurden an Firmen vergeben. Der Präsident des Mannheimer ZEW-Instituts, Achim Wambach, hält die angespannte Lage der Finanzbranche für gefährlich und spricht von "durchaus beachtlichen wirtschaftlichen Risiken".

HOHER KAPITALBEDARF

Die schwere Last durch die vielen faulen Kredite sorgt dafür, dass die ohnehin zumeist wenig rentabel arbeitenden Geldhäuser mehr Kapital als Puffer vorhalten müssen. Die Institute in Italien brauchen in den kommenden Monaten Schätzungen zufolge zwischen 20 und 40 Milliarden Euro an Kapital, um die Bilanz zu bereinigen und den Abbau fauler Kredite zu finanzieren. Ihr Filialnetz ist im europäischen Vergleich überaus eng geknüpft, was zusätzliche Kosten verursacht. UniCredit setzt nun die Axt auch beim Personal an.

POLITISCHE UNSICHERHEIT

Regierungschef Matteo Renzi hat nach seiner klaren Niederlage beim Verfassungsreferendum das Handtuch geworfen. Obwohl mit Paolo Gentiloni rasch ein reformorientierter Nachfolger gefunden wurde, gibt es weiter die Furcht, dass bei Neuwahlen europa-skeptische Populisten Oberwasser erhalten könnten. In diesem Klima der Unsicherheit ist es für die Banken schwierig, das Vertrauen der Investoren für Kapitalerhöhungen zu finden. Insbesondere die angeschlagene Monte dei Paschi di Siena (MPS) bekommt die Zurückhaltung zu spüren.

EZB MACHT DRUCK

Die MPS muss bis zum Jahresende fünf Milliarden Euro bei Anlegern einsammeln. Experten sind aber skeptisch, dass dies gelingt. Eine Fristverlängerung lehnen die Frankfurter Bankenaufseher von der EZB ab. Zudem muss die Bank aus der Toskana ihre faulen Kredite bis 2018 um 40 Prozent auf 14,6 Milliarden Euro abbauen.

UniCredit will die dünne Kapitaldecke mit 13 Milliarden Euro aufpolstern, doch nicht sofort: Das Manöver soll bis Juni 2017 umgesetzt sein. Just für jenen Monat erwartet Renzi Neuwahlen. Zuvor will die Mutter der Münchner HypoVereinsbank noch mit ihrer Fondssparte Pioneer Kasse machen: Der 3,5 Milliarden Euro schwere Verkauf an die französische Amundi soll in der ersten Jahreshälfte 2017 über die Bühne gehen.

STAAT KANN NICHT OHNE WEITERES RETTER SPIELEN

Italiens Bankenrettungsfonds Atlante ist im April ins Leben gerufen worden, um den Kriseninstituten des Landes zu helfen. Die Mehrheit halten private Investoren. Mit ihrer Hilfe gelang es, die in Schieflage geratene Banca Popolare di Vicenza aufzufangen. Der Fonds ist allerdings noch im Aufbau. Wenn eine Bank wie etwa MPS rasch Geld benötigen sollte, dürfte wieder der Ruf nach dem Staat als Retter laut werden. Doch anders als nach der weltweiten Finanzkrise 2008 verfügt Europa inzwischen über ein Regelwerk im Umgang mit maroden Banken. Eigentümer und Gläubiger sollen für Verluste bluten und nicht mehr primär die Steuerzahler. Bei MPS wären davon auch Zehntausende Kleinanleger betroffen - ein Politikum. 

(Reuters)