«Wir begrüssen diese Art von Märkten»

Ein mehrfach ausgezeichneter Fondsmanager sieht in der aktuellen Marktsituation viele Chancen. Zu seinen Einstiegskandidaten gehört unter anderem die UBS.
15.02.2016 02:11
Wer genau hinschaut, findet jederzeit spannende Aktien.
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Bild: ©Andrey Burmakin/fotolia.com

David Samra, der sich mit dem Titel bester internationaler Aktienmanager von Morningstar für die Jahre 2008 und 2013 schmücken kann, kauft wieder. Samra ist bei Artisan Partners für Aktienfonds im Volumen von rund 20 Mrd. Dollar verantwortlich.

Während sich die Sorgen bezüglich eines Wirtschaftsabschwungs in China und des Einbruchs der Ölpreise intensivieren, sagt er, was jetzt nötig ist, sei eine ruhige Hand und keine Emotionen. Samra bleibt seinem Investmentprinzip treu: unterbewertete Aktien von Unternehmen mit starken Bilanzen finden.

"Wir begrüssen diese Art von Märkten", sagt Samra im Telefoninterview mit Bloomberg aus San Francisco. "Wir waren nicht glücklich über die potenziellen sozialen und wirtschaftlichen Störungen während der Finanzkrise. Das hat zu viel menschlichem Leid geführt. Man ist nicht wirklich glücklich über das, was vor sich geht. Auf der anderen Seite stellte sich heraus, dass es eine Markt-Chance ist."

7,7 Billionen Dollar vernichtet

An den Aktienmärkten sind in diesem Jahr bis Montag weltweit 7,7 Billionen Dollar an Marktwert vernichtet worden. Die Einbrüche bei Rohstoffpreisen und an der Börse Schanghai weiteten sich aus und zuletzt fielen ihnen die Bankaktien zum Opfer. Am Dienstag, als der Yen stark anzog und das Ausfallrisiko für Unternehmensanleihen stieg, näherten sich globale Indizes einem Bärenmarkt. Der Artisan International Value Fund im Volumen von 10,7 Mrd. Dollar - der grösste Fonds, für den Samra verantwortlich ist - hat 2016 rund 8,3 Prozent verloren, schlägt damit aber immer noch dreiviertel der vergleichbaren Portfolios.

Die Märkte seien in den letzten Jahren "sehr gierig" geworden, sagt Samra. Das war für ihn der Zeitpunkt, Vorteile zu realisieren und Aktien zu verkaufen. Unter den heutigen Bedingungen sei es hingegen an der Zeit "aggressiv zu kaufen". Sein grösster Fonds hielt zum 31. Januar 12,7 Prozent des Anlagevolumen in liquiden Mitteln.

Wette auf die UBS

Bei der UBS, deren Kurs dieses Jahr um 26 Prozent eingebrochen ist, sieht Samra seine Lieblingskombination aus billig und einem Sicherheitspuffer. Die Schweizer Grossbank - die drittgrösste Position in seinem wichtigsten Fonds - verfüge über ein starkes Kapitalniveau, eine weniger komplexe Bilanzstruktur und ein Vermögensverwaltungsgeschäft, das mehr wert sei als der Marktwert der gesamten Bank, sagt der Fondsmanager. Der Verwaltungsratsvorsitzende Axel Weber habe die richtige Strategie gewählt, als er dem Wealth Management Priorität gegenüber dem Investmentbanking einräumte.

Die UBS sei "ihren Wettbewerben weit voraus und auch Credit Suisse voraus", sagt Samra. Kurzfristiger Gegenwind, wie ein Rückgang der verwalteten Vermögen und eine strengere Regulierung, würden das Geschäft langfristig nicht untergraben.

Der International Value Fund war Ende Januar in 42 Aktien positioniert, wie aus Informationen auf der Webseite von Artisan in Milwaukee hervorgeht. Compass Group und Samsung Electronics waren die beiden grössten Positionen.

Vorsicht in China

Mit Investments in China hat es Samra hingegen nicht eilig. Seiner Ansicht nach hat die Wirtschaft möglicherweise bereits zu wachsen aufgehört, und die Bewertungen der Aktien seien alles andere als verlockend.

Bei Öl, der anderen Obsession der globalen Märkte in diesem Jahr, ist für Samra die Zeit für Optimismus wahrscheinlich gekommen. Die Produktion wachse nicht weiter und die niedrigeren Preise machten alternative Energiequellen weniger attraktiv.

Samras grösster Fonds, den er zusammen mit Daniel O’Keefe betreut, hat in den letzten fünf Jahren 92 Prozent der Rivalen geschlagen und in diesem Jahr besser abgeschnitten als 74 Prozent, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht.

Schaffen von Blasen

Samra hegt Zweifel an der Politik der Zentralbanken nach der Finanzkrise. Japan, das bereits Anleihen in beispiellosem Volumen ankauft, um die Wirtschaft anzuregen, hat im Januar negative Zinsen angekündigt. Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, signalisierte, dass bereits im März die Geldpolitik weiter gelockert werden könnte.

In der Welt gehe es immer darum, eine Balance zwischen der Schaffung sozialer Unruhen und der Schaffung von Blasen zu finden, sagt Samra. "Und wir irrten auf der Seite der Schaffung von Blasen. Wir hatten Störung nach Störung nach Störung. Und wir wenden noch aggressiver dieselben Hilfen an und verursachen weitere Störungen."

Der früheren Fondsmanager bei Harris Association sagt gleichwohl, seine Aktien würden mit hohen Abschlägen auf ihren fairen Wert gehandelt und die Turbulenzen bedeuten, dass es an der Zeit sei, Geld zu verdienen.

"Man muss eine Persönlichkeit haben, die es ermöglicht, Emotionen und Lärm aus der Gleichung herauszulassen, sagt Samra. Artisan folge dem Ansatz, das zu kaufen, was andere loswerden wollen. "Wir haben die konservative Eigenschaft, dass wir sichergehen wollen, dass wenn wir mit unserer Analyse nicht richtig liegen, wir nicht geschlachtet werden."

(Bloomberg)