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«Wir laufen in einen Seitwärtstrend»

Die Schweizer Börse hat einen grossen Teil ihrer Möglichkeiten bereits realisiert, sagt Christian Gattiker im Börsen-Talk mit cash. Für den Chefstrategen der Bank Julius Bär steht der grosse SMI-Test erst noch bevor.
06.03.2015 01:05
Von Ivo Ruch
Christian Gattiker ist Chefstratege und Leiter Research bei der Privatbank Julius Bär.
Bild: cash

Der Schweizer Leitindex SMI hat sich erstaunlich rasch vom Kurssturz Mitte Januar erholt und nimmt bereits wieder Kurs auf das Jahreshoch bei rund 9290 Punkten. Geht es nach Christian Gattiker wird dieses im laufenden Jahr nochmals getestet. "Dann stellt sich heraus, wie stark die Aufwärtsbewegung ist", sagt der Chefstratege der Bank Julius Bär im cash-Börsen-Talk.

Viel mehr traut er dem SMI allerdings nicht zu. "Ein guter Teil der Möglichkeiten der Schweizer Börse sind schon wieder realisiert. Wir laufen in einen Seitwärtstrend." Seit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) und dem historischen Kurszerfall an der Schweizer Börse hat der SMI rund 14 Prozent Gewinn eingefahren.

Grosser SMI-Test folgt noch

Der grosse Test für die SMI-Titel dürften ohnehin die Unternehmenszahlen zum ersten Quartal 2015 sein, so Gattiker. Dann zeige sich, wie gross der "Flurschaden" sei. Denn in den Zahlen zum Geschäftsjahr 2014, die bereits von der Mehrzahl der SMI-Unternehmen vorliegen, sind die Folgen des Franken-Schocks noch nicht absehbar. "Es war eine unspektakuläre Berichtssaison. Die Resultate sind eher auf der schwachen Seite", lautet das bisherige Fazit des Bär-Experten.

Beim Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr äussern sich viele Schweizer Firmen vorsichtig bis verhalten. Die neue Franken-Stärke wird mancherorts als Herausforderung angegeben. Doch insbesondere die grossen Unternehmen mit globaler Ausrichtung wie ABB, Nestlé, Novartis oder Roche dürften davon am wenigsten betroffen sein. Denn dadurch, dass bei ihnen wenig Umsatz und Kosten in der Schweiz anfallen, haben sie eine geringe Abhängigkeit vom Franken.

"Für solche Firmen geht es viel mehr darum, wie es in Europa und auf der Welt läuft", sagt Christian Gattiker. Neben der robusten Wirtschaft in den USA zeigen neuste Daten auch in Europa nach langer Flaute wieder ein Wachstum an.

EZB wird sich auf die Schulter klopfen

Als weniger signifikant erachtet Gattiker das milliardenschwere Geldschöpfungsprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB), das in diesen Tagen anläuft. Man dürfe davon nicht zu viel erwarten, so der Chefstratege. "Aber ironischerweise dürfte es als Erfolg gefeiert werden. Schlicht und einfach, weil sehr viel sonstiges für eine Erholung in Europa spricht, zum Beispiel der tiefere Ölpreis."

Schlussendlich würden sich Mario Draghi und sein Team also auf die Schultern klopfen, auch wenn sie für den Erfolg nicht direkt zuständig sind. Unabhängig davon, wer am Ursprung des Aufschwungs steht, ist für Gattiker klar: "Schweizer Aktien dürften davon Unterstützung erhalten."

Im Börsen-Talk mit cash vergleicht Christian Gattiker zudem die Schweizer Börse mit dem Ausland und er nennt einen Sektor vom breiten Markt, dem er einiges zutraut.