«Wir wollen uns bei den Aktionären bedanken»

Nach einem durchzogenen Geschäftsjahr erhöht der Schokolade-Gigant Barry Callebaut die Dividende. CEO Antoine de Saint-Affrique über die Gründe dafür und die Zukunft des Kakaomarktes.
02.11.2016 14:31
Von Ivo Ruch
Antoine de Saint-Affrique, CEO Barry Callebaut im Video-Interview mit cash.
Bild: cash

Auf den ersten Blick sind die Zahlen nur mittelmässig. Der weltgrösste Schokoladeproduzent Barry Callebaut hat im Ende August zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2,2 Prozent mehr Umsatz erwirtschaftet, dabei aber das eigene Ziel verfehlt. Der Reingewinn war mit 217 Millionen Franken gar tiefer als im Vorjahr und unter den Markterwartungen. Die Bank Vontobel beispielsweise rechnete in diesem Bereich mit 230 Millionen.

Doch die Tendenzen in der zweiten Jahreshälfte sind solide und Barry Callebaut ist immer noch besser unterwegs als der Gesamtmarkt. So kommen die Zahlen bei Anlegern am Mittwoch in einem deutlich negativen Börsenumfeld gut an. Die Aktie steigt bis am Mittag um rund 1 Prozent an.

Bessere Zeiten bei Kakao in Sicht

Barry Callebaut ist als Kakao- und Schokoladeproduzent stark von den Entwicklungen auf dem Kakao-Markt abhängig. Und diesbezüglich war das vergangene Jahr miserabel. Die Ernte in Afrika und Brasilien war schlecht, sodass der Preis für Kakao auf den höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren kletterte.

"Nun sehen wir bessere Zeichen und erwarten den Kakaopreis in einer Seitwärtstendenz", sagt Antoine de Saint-Affrique im Video-Interview mit cash. Zudem rechnet der CEO von Barry Callebaut mit Preisvolatilität, weil der Markt für diesen Rohstoff sehr klein ist.

Mit einem Umsatz-Minus von 12 Prozent war vor allem der Bereich Kakao von Barry Callebaut im letzten Geschäftsjahr sehr schwach. Grund dafür ist aber vor allem, dass die Firma seit einiger Zeit ganz bewusst aus weniger profitablen Verträgen aussteigt.

Die Aktie von Barry Callebaut im Verlauf der letzten 12 Monate (Quelle: cash.ch)

Mit ein Grund, wieso Börsianer zur Barry-Callebaut-Aktie greifen, dürfte die aufgehübschte Dividende sein. Sie wird um einen Franken auf 15,50 Franken angehoben und erst noch aus den steuerbefreiten Reserven bezahlt. Weil gleichzeitig der Gewinn zurückging, erhöhte sich die Ausschüttungsquote auf 39 Prozent.

Wie der Chart zeigt, ist die Aktie allerdings in den letzten Monaten bereits stark angestiegen, was sich auch in der Bewertung niederschlägt. Für das kommende Geschäftsjahr errechnet die Zürcher Kantonalbank (ZKB) ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24. Zum Vergleich: Der Konkurrent Nestlé ist mit 21 bewertet.

Dementsprechend vorsichtig sind die Analysten. Die ZKB und Vontobel bestätigen ihre Einstufungen von "Marktgewichten" respektive "Hold", während Baader Helvea am "Buy"-Rating und die UBS-Analysten an ihrer Verkaufsempfehlung festhalten.

Vertrauen in die eigene Strategie

Auf die Gründe für die höhere Ausschüttung angesprochen, sagt CEO de Saint-Affrique: "Wir wollen uns bei den Aktionären für die Unterstützung auf unserer Transformationsreise bedanken. Und wir drücken damit Vertrauen in unsere Strategie aus." Schon seit längerem ist bekannt, dass Barry Callebaut das Geschäft mit Kakao-Pulver und -Produkten (Segment Global Cocoa) restrukturiert. Dieses Geschäft leidet unter Überkapazitäten, die auf den Preis drücken.

Der Frage nach weiteren Dividendenerhöhungen in Zukunft weicht de Saint-Affrique aus. Die normale Ausschüttungsquote liege um 35 Prozent, manchmal höher, manchmal tiefer. "Aber unsere Priorität ist, das Bargeld für die Entschuldung zu nutzen", so der CEO.

Im cash-Video-Interview sagt Antoine de Saint-Affrique auch, wie Barry Callebaut nach dem Wechsel des Verwaltungsratspräsidenten aufgestellt ist.