Wird 2017 das Jahr der grossen Aktienrückkäufe?

Die Investmentbank Goldman Sachs erwartet in den USA für 2017 einen kräftigen Anstieg bei den Aktienrückkäufen. An der Börse in New York wird dieser Geldregen jetzt schon frenetisch gefeiert.
21.11.2016 08:35
Von Lorenz Burkhalter
Gab erst letzte Woche ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm bekannt: Der amerikanische Grosskonzern Facebook.
Gab erst letzte Woche ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm bekannt: Der amerikanische Grosskonzern Facebook.
Bild: Bloomberg

Am S&P-500-Index gemessen kratzt die Leitbörse in New York an den bisherigen Bestmarken von Mitte August. Freitagnacht verfehlte das breit gefasste US-Börsenbarometer das Rekordhoch bei 2193,81 Punkten nur um Haaresbreite.

Nach der überraschenden Wahl des republikanischen Kandidaten Donald Trump zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ist vieles zwar noch unklar. Eine Steuererleichterung für Auslandsvermögen amerikanischer Unternehmen gilt allerdings als so gut wie sicher. Und diese sorgt bei den Anlegern für Fantasie.

Mit Goldman Sachs liefert erstmals eine Bank konkrete Zahlen. Dank der sogenannten Repatriierung von Auslandsvermögen erwarten die für die Investmentbank tätigen Strategen 2017 einen kräftigen Anstieg bei den Aktienrückkäufen. Sollte die geplante Steuerreform in der zweiten Jahreshälfte wie erhofft verabschiedet werden, prognostizieren sie auf das Gesamtjahr betrachtet einen Anstieg von 30 Prozent auf 780 Milliarden Dollar.

Mehr Geld für Aktienrückkäufe als für Investitionen

In den letzten Jahren waren Aktienrückkäufe an der Leitbörse in New York schätzungsweise für 10 Prozent der gesamten Aktiennachfrage verantwortlich. Nachdem diese Summe im bisherigen 2016 leicht rückläufig war, könnte sie aufgrund der geplanten Steuererleichterung im nächsten Jahr kräftig anziehen. Denn die Strategen von Goldman Sachs sehen amerikanische Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte rund einen Fünftel der 1000 Milliarden Dollar schweren Auslandsvermögen in die Heimat holen. Davon sollten 150 Milliarden Dollar in Aktienrückkaufprogramme fliessen, so die Experten.

Verwendung der Barmittel bei amerikanischen Unternehmen, Quelle: Goldman Sachs

Insgesamt erwarten sie einen Anstieg der mit Barmittel beglichenen Ausgaben von 6 Prozent auf 1200 Milliarden Dollar. Davon sollten den Experten zufolge 710 Milliarden Dollar in Investitionen und 290 Milliarden Dollar in die Forschung & Entwicklung fliessen. Bei den bar bezahlten Firmenübernahmen rechnen sie hingegen mit einer Zunahme um 5 Prozent auf 335 Milliarden Dollar und bei den Dividenden mit einer Erhöhung der Gesamtsumme um 6 Prozent auf 460 Milliarden Dollar.

Davon lässt sich ableiten, dass 2017 mehr Geld für Aktienrückkäufe als für Investitionen aufgewendet wird. Die für Investitionen ins Wachstum (Investitionen, Forschung & Entwicklung, Firmenübernahmen) vorgesehene Summe entspräche damit nahezu jener von Dividenden und Aktienrückkäufen.

Die letzte Steueramnestie für Auslandsvermögen geht in Übersee ins Jahr 2004 zurück. Damals blieb es amerikanischen Unternehmen allerdings verwehrt, repatriierte Barmittel für Aktienrückkäufe zu verwenden. Auch im nächsten Jahr sind solche Einschränkungen nicht ausgeschlossen, profitiert die Wirtschaft doch vor allem dann, wenn die nach Hause geholten Auslandsvermögen direkt in die Investitionen fliessen.