Wird bald alles besser an den Finanzmärkten?

Aktien aus Industrieländern werfen in den nächsten fünf Jahren im Schnitt wieder eine Rendite von 6,5 Prozent ab. Dies glaubt zumindest ein grosser Vermögensverwalter. Weshalb die Wende zum «Guten» kommen soll.
06.10.2016 12:14
Von Pascal Züger
Momentan sieht es finster aus an den Finanzmärkten, bald soll es aber wieder heller werden.
Momentan sieht es finster aus an den Finanzmärkten, bald soll es aber wieder heller werden.

"Kurz vor Tagesanbruch ist es immer am dunkelsten":  Bereits der Titel des aktuellen Ausblicks von Robeco deutet an, dass der niederländische Vermögensverwalter voller Optimismus in die Zukunft blickt.

Doch noch ist es dunkel:  Die Glaubwürdigkeit der Notenbanken leidet aufgrund der ausufernden Geldpolitik, Nationen werden zunehmend protektionistischer, Chinas weitere wirtschaftliche Entwicklung ist auf wackligen Beinen, die Ölpreise sind tief, die globale Verschuldung ist hoch und Europa droht erenut  eine ernste Krise ausgehend vom kränkelnden Bankensystem.

Die Summe all dieser und weiterer schlechten Nachrichten und Prognosen drückt auf die allgemeine Stimmung und hält die Finanzmärkte volatil. Robeco spricht im Bericht gar davon, dass die Gemütsverfassung unter professionellen Anlegern noch nie so schlecht war wie jetzt. 

Was alles andere als förderlich für eine Erholung ist. Denn: Eine negative Grundstimmung an den Märkten kann zu einem selbst verstärkenden Abwärtstrend führen. Konsumenten und Produzenten werden zurückhaltender, was wiederum den Konsum und die Beschäftigung reduziert.

Die positive Sicht der Dinge

Doch Robeco sieht auch die andere Seite: "Wenn die Erwartungen so niedrig sind, dann liegt auch die Messlatte für positive Überraschungen sehr tief", sagen sich die holländischen Vermögensexperten. Die schlechten Nachrichten würden zwar noch einige Monate vorherrschen, gleichzeitig aber stiegen die Aktienkurse, weil der Markt diese schlechten Nachrichten bereits vorweggenommen habe.

Auch der globalen Verschuldung kann Robeco etwas Positives abgewinnen. Schulden seien nicht per se schlecht, da Schulden einer Person immer auch das Vermögen eines anderen darstellten. "Sind Schulden nicht einfach eine logische Konsequenz von wachsendem Vermögen und hohen Ersparnissen?", so die rhetorische Frage im Bericht.

Erfreulich sei ausserdem, dass trotz des geringen Wachstums die Arbeitsmarktlage besser werde und die Arbeitslosenquoten in allen führenden Volkswirtschaften unter ihren langfristigen Durchschnittswerten lägen.

Ausgehend von dieser positiven Grundeinstellung wagt der Vermögensverwalter nun einen Blick auf die Jahre 2017 bis 2021. Die Tabelle unten zeigt die erwartete Entwicklung für die Szenarien Basis, Stagnation und Wachstum.

In der wahrscheinlichsten Entwicklung ist zwar das globale Wirtschaftswachstum mit 2,75 Prozent etwas unter dem Schnitt der letzten fünf Jahre (3,25 Prozent), doch sollen Aktien in Industrieländern eine sehenswerte Rendite von 6,5 Prozent pro Jahr abwerfen. Finger sollten die Anleger in diesem Szenario von Staatsanleihen mit hoher Bonität lassen: Es droht eine negative Rendite von minus 3,5 Prozent pro Jahr.

Renditeerwartungen für die nächsten fünf Jahre (2017-2022)

  Szenario (Eintrittswahrscheinlichkeit)
  Basis (60%) Stagnation (30%) Wachstum (10%)
Wachstumsrate (weltweit) 2,75% 1,50% 3,00%
Inflationsrate (in Europa) 1,50% 0,25% 2,25%
Staatsanleihen (hohe Bonität)* -3,50% 2,00% -4,75%
Aktien (Industrieländer)* 6,50% -2,00% 6,00%

*Erwartete Rendite pro Jahr. Quelle: Robeco