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Wird bei Meyer Burger nun alles besser?

Zum zweiten Mal innerhalb von 48 Stunden meldet Meyer Burger einen Auftragseingang. Die Situation weckt Erinnerungen an jene vor zwei Jahren, als sich die Aktie im Kurs verdoppelte.
07.06.2016 08:32
Von Lorenz Burkhalter
Am Hautpsitz von Meyer Burger im bernischen Gwatt wird Morgenluft gewittert.
Am Hautpsitz von Meyer Burger im bernischen Gwatt wird Morgenluft gewittert.
Bild: ZVG

Für die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionäre von Meyer Burger hat die Woche unerwartet gut begonnen. Nachdem der Solarzulieferer aus dem bernischen Gwatt am Montag einen Grossauftrag im Wert von rund 22 Millionen Franken aus Russland vermelden konnte, geht nun eine weitere Bestellung ein. Das Unternehmen kann für 10 Millionen Franken Diamantdrahtsägen der neusten Generation nach Asien liefern. Erst vor wenigen Wochen erhielt diese von der Fachzeitschrift "PV Magazin" den "Technology Highlight Award 2016" verliehen.

Am Montagmorgen ging die Aktie von Meyer Burger an der Schweizer Börse SIX zwar um 5,2 Prozent höher bei 3,86 Franken in den Handel und kletterte danach vorübergehend bis auf 3,90 Franken. Von dort aus begannen die Kurse dann allerdings wieder zu bröckeln. Bei Börsenschluss resultierte gerademal ein Plus von 1,4 Prozent auf 3,72 Franken. Begeisterung sieht anders aus.

Kann sich der Aktienkurs verdoppeln?

Der Grossauftrag aus Asien dürfte an der Börse deutlich besser ankommen. Der Grund: Die neuste Diamantsägen-Generation DW288 Series 3 gilt beim Solarzulieferer als zukunftsträchtiger Wachstumstreiber. Der Auftrag hat deshalb Signalwirkung.

Die Situation erinnert an jene von vor gut zwei Jahren. Auch damals gingen mehrere bedeutende Bestellungen in Folge bei Meyer Burger ein und bescherten der Aktie ein wahres Kursfeuerwerk. Alleine zwischen Mitte Dezember 2013 und Anfang März 2014 erfuhr der Börsenwert des Solarzulieferers eine Verdoppelung. Eine völlig unerwartete Platzierung neugeschaffener Aktien bereitete diesem Höhenflug damals dann aber ein jähes Ende.

Meyer Burger muss nun nachlegen

Wie Mitte Dezember 2013 befindet sich die Meyer-Burger-Aktie auch diesmal wieder in einem Stimmungstief. Die Veröffentlichung eines schwächer als erwartet ausgefallenen Jahresergebnisses von Mitte März und die Beteiligungshalbierung durch einen langjährigen Grossaktionär haben ihr sichtlich zugesetzt. Seit Ende April hat die Aktie gut 10 Prozent verloren. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Minus sogar auf knapp 40 Prozent.

Für das Geschäftsjahr 2016 strebt das Unternehmen einen Umsatz von 400 Millionen Franken an. Alleine in den Monaten Januar und Februar gingen Bestellungen im Gegenwert von rund 70 Millionen Franken ein, gefolgt von mehreren Grossaufträgen in zweistelliger Millionenhöhe.

Dennoch hegt die Börse gewisse Zweifel an der Erreichbarkeit dieser Umsatzprognose, welche auf Stufe des operativen Gewinns (EBITDA) für ein ausgeglichenes Jahresergebnis spräche. Ein Misstrauens-Votum sind nicht zuletzt die zahlreichen gegen die einst sehr beliebte Aktie laufenden Wetten aus dem Ausland. Gemäss Erhebungen des Beratungsunternehmens Markit waren zuletzt Leerverkäufe im Umfang von 13 Prozent aller ausstehender Titel offen. Mehr gibt das Angebot aus dem Securities-Lending-and-Borrowing derzeit nicht her.

Gefahr einer weiteren Kapitalerhöhung bleibt

Meyer Burger muss nun mit weiteren Grossaufträgen nachlegen. Gelingt dies dem Unternehmen, könnte es für die ausländischen Leerverkäufer ungemütlich werden. Sie wären dann wie vor gut zwei Jahren zum Eindecken ihrer Wetten gezwungen. Damals kletterte die Aktie über Wochen hinweg nach oben.

Wie die Vergangenheit zeigt, kann sich ein Einstieg beim Solarzulieferer auf kurze Sicht durchaus ausbezahlt machen. Dazu bedarf es aus Anlegersicht jedoch einer gehörigen Portion Mut und einer hohen Risikotoleranz. Denn mit einer steigenden Kapazitätsauslastung geht auch ein höherer Mittelbedarf aus und im Hinblick auf die im kommenden Frühling zur Rückzahlung anstehenden Obligationsanleihe sind die Mittel knapp. Eine weitere Kapitalerhöhung ist daher nicht kategorisch auszuschliessen.