«Wirtschaftliche Risiken sind zu gross»

Die BKW überraschte am Mittwoch mit der Meldung, dass mit Mühleberg erstmals ein AKW vom Netz genommen werden soll. Im Video-Interview erklärt CEO Suzanne Thoma die Gründe für den Entscheid.
30.10.2013 14:01
Von Pascal Meisser
BKW-CEO Suzanne Thoma im Video-Interview.
Bild: cash

Noch sechs Jahre lang soll das Atomkraftwerk (AKW) Mühleberg noch Strom liefern, bevor es definitiv vom Netz genommen wird. Ein Novum in der Schweiz, zumal alle fünf Kernkraftwerke in der Schweiz über eine unbefristete Betriebsbewilligung verfügen.

Der Grund für Einstellung sind denn auch keine politischen, sondern rein unternehmerische Gründe, wie Suzanne Thoma, Chefin der Betreibergesellschaft BKW, im Video-Interview sagt. "Es war eine Gegenüberstellung des wirtschaftlichen Potenzials und der wirtschaftlichen Risiken, wie beispielsweise neuen Auflagen oder Sicherheitsbestimmungen", so Thoma. Unter dem Strich seien die Risiken als zu gross betrachtet worden. "Der Entscheid war aber lange nicht klar gewesen."

Den Ausschlag für den Exit-Entscheid haben die derzeit tiefen Strompreise gegeben. Diese lassen nach Ansicht der BKW die wirtschaftlichen Chancen eines Langfristbetriebs nicht mehr rechtfertigen. Wann und ob sich die tiefen Strompreise wieder erholten, sei nicht abzusehen.

Der Stilllegungsentscheid ist laut BKW-Chefin Thoma vorerst noch mit keinem Stellenabbau verbunden. "Die Mitarbeiter in Mühleberg werden ihre Stellen behalten. Wir werden keine betrieblichen Entlassungen durchführen", sagt Thoma. Auch nach dem Ende der Ära Mühleberg werde es für das Personal "interessante Stellen mit guten Berufsperspektiven" geben.

Nicht mit dem Bund abgesprochen

Der Abschalttermin war nicht mit den Bundesbehörden abgesprochen, wie diese auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda bestätigten. "Dies ist ein reiner Unternehmensentscheid", sagte Dominique Bugnon, Informationschef des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).

Auch das Bundesamt für Energie (BFE) sei im Vorfeld nicht über den Abschalttermin informiert gewesen, sagte Sprecherin Marianne Zünd auf Anfrage. "Der Entscheid hat keine Auswirkungen auf die anderen Schweizer AKW."

Im Fall von Mühleberg werde nun zusammen mit der Betreiberin ein normales Verfahren für die Stilllegung in Gang gesetzt. Dieses sei im Kernenergiegesetz geregelt. Als Erstes werde das ENSI eine Einschätzung der technischen Anforderungen vornehmen.

Im Video-Interview sagt Thoma, was sich in den kommenden sechs Jahren in Mühleberg noch abspielenw ird.