Wirtschaftsprofessor Walter Wittmann ist tot

Einer der bekanntesten Wirtschaftsprofessoren der Schweiz lebt nicht mehr. Walter Wittmann ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Ein Nachruf.
16.02.2016 09:14
Von Daniel Hügli
Walter Wittmann in einem cash-Video-Interview aus dem Jahr 2010.
Walter Wittmann in einem cash-Video-Interview aus dem Jahr 2010.
Bild: cash

Eine pointierte und beliebte Stimme aus dem Schweizer Wirtschafts- und Politleben ist für immer verstummt: Der emeritierte Wirtschaftsprofessor und Buchautor Walter Wittmann ist am letzten Freitag gestorben. Das ist einer Todesanzeige von Wittmanns Familie in der "Neuen Zürcher Zeitung" von heute Dienstag zu entnehmen. 

Wittmann, der in seinen Interviews (oft auch bei cash) und Büchern kein Blatt vor den Mund nahm und die Dinge beim Namen nannte, lebte seit langem in Bad Ragaz. Er ist laut Todesanzeige "nach kurzer Leidenszeit" gestorben. 

Wittmann, der in Disentis geboren wurde, studierte und lehrte Wirtschaftswissenschaften hauptsächlich an der der Universität Freiburg. Dort war er ab 1967 als ordentlicher Professor für Finanzwissenschaft und schweizerische Wirtschaftspolitik tätig.

Mit seiner Emeritierung 1998 setzte sich Wittmann keinesfalls in den Ruhestand. Wittmann, der sich als "Ordoliberaler" verstand und immer ein witziger, wacher Gesprächspartner war, schrieb über 20 Bücher. Er verstand das Schreiben "als eine Art Therapie". Seine bekanntesten Werke sind "Der nächste Crash kommt bestimmt" (2007) und "Staatsbankrott" (2010).

«Nein, im Moment nicht»

Wittmann trat auch gerne und oft in den Medien auf, wo er mit seinem markigen Bündner Dialekt Prognosen zu Finanzmärkten abgab und wegen seiner klaren und bisweilen sarkastischen Äusserungen die Gunst des Publikums errang. Er vertrat auch unpopuläre Positionen. Erstaunlich war vor allem seine Haltung zur Gemeinschaftswährung Euro, die er im einem cash-Interview im Jahr 2011 "immer noch als Erfolgsgeschichte" bezeichnete.

Wittmann war auch bekannt als Kritiker der Schweizer Banken, wenn er Missstände erkannte. Er sagte vieles, was andere nicht auszusprechen wagten. In seinem letzten cash-Interview im August 2014 sagte er zur Busse von 2,6 Milliarden Franken, welche die Credit Suisse wegen Steuerdelikte in den USA zahlen musste, dass CEO Brady Dougan und VR-Präsident Urs Rohner längst hätten zurücktreten müssen. "Die sind schliesslich verantwortlich. In solchen Positionen kann man keine Geschäfte machen, ohne dass man nichts davon mitbekommt. Wenn die beiden sagen, sie hätten nichts gewusst, haben sie die Firma nicht im Griff. Oder sie lügen."

Die Bündner Finanzdirektorin Barbara Janom Steiner bezeichnete Wittmann in einer Würdigung in der "Südostschweiz" am Montag  als "kritischen Geist" und als "gewichtige Stimme", die verloren gehe. "Seine Publikationen und Schriften haben immer wieder Prognosen aufgestellt, die aufrüttelten."

Nun ist Walter Wittmann verstummt. Als cash ihn vor eineinhalb Jahren fragte, ob er gerade ein neues Buch schreibe, sagte Wittmann: "Nein, im Moment nicht."