Wissenswertes zum Bank-Kontowechsel

Obwohl viele Schweizer Bankkunden auf ihren Konten kaum mehr Zinsen erhalten und die Gebühren laufend steigen, wechseln nur wenige den Anbieter. Doch ein Wechsel ist einfacher als gedacht - und kann sich lohnen.
04.01.2016 01:02
Von Ivo Ruch
Viele Banken bieten auch günstige Online-Kontolösungen an.
Viele Banken bieten auch günstige Online-Kontolösungen an.
Bild: iNg

Seit die Schweizerische Nationalbank (SNB) im letzten Januar Negativzinsen auf ihre Girokonten eingeführt hat, gibt gerade einmal eine Bank diese Strafzinsen direkt an ihre Privatkunden weiter. Auf allen Alltagskonten verlangt die Alternative Bank Schweiz (ABS) ab 1. Januar 2016 einen Zins von minus 0,125 Prozent. Ab 100'000 Franken Einlage verrechnet das Geldhaus aus Olten bereits seit dem 1. April 2015 den SNB-Negativzins von 0,75 Prozent vollumfänglich.

Entscheidender als die Höhe der Zinsen auf Privatkonten, die bei keinem Schweizer Anbieter höher als 0,3 Prozent sind, sind ohnehin die anfallenden Gebühren. Dadurch geben die Banken ihre Zusatzkosten "versteckt" an die Kunden weiter – und sie unterscheiden sich von Institut zu Institut erheblich. Das zeigen Berechnungen von Moneyland, einem Vergleichsdienst für Finanzen.

Zwischen dem günstigsten (Postfinance) und dem teuersten (Credit Suisse) Anbieter tut sich eine Kostenschere von 138 Franken jährlich auf - ohne Berücksichtigung von Paketlösungen und unter Annahme eines Durchschnittsnutzers (weitere Details siehe unten). Die UBS ist als zweite Grossbank nur unwesentlich billiger. Auffallend: Trotz Negativzins sind drei Banken teurer als die ABS.

Schweizer sind treu und träge

Obwohl sich also mit der Wahl des günstigsten Anbieters über die Jahre Hunderte von Franken sparen liesse, künden Schweizerinnen und Schweizer ihre Bankverbindungen nur sehr ungern. Das hat einerseits damit zu tun, dass Schweizer "prinzipiell eher treue und träge Kunden" sind, wie Moneyland-Geschäftsführer Benjamin Manz gegenüber cash sagt.

Andererseits sind Privatkonten häufig mit verschiedenen Daueraufträgen, Lastschriftverfahren und Bankkarten verknüpft, was einen Übertritt ein bisschen aufwändiger macht.

Und dieser Aufwand lohnt sich durchaus, wie wir gesehen haben. Gerade auch wenn man bedenkt, dass die SNB-Negativzinsen noch einige Zeit bestehen bleiben dürften und weitere Gebührenerhöhungen nach sich ziehen könnten. Folgende Checkliste kann bei einem Kontowechsel von Nutzen sein:

  • Anbieter vergleichen, insbesondere auch Spezialkonten für Jugendliche, Studenten oder Senioren berücksichtigen
  • Online-Führung eines Privatkontos in Betracht ziehen und Kontoauszüge online und nicht per Post beziehen
  • Neue Bankverbindung dem Arbeitgeber und der AHV melden
  • Daueraufträge und Lastschriftenverfahren ändern: Versicherungen (Krankenkasse,Auto, Haftpflicht, Hausrat), Telefon-Unternehmen, Ausbildungstätten, Behörden, Vermieter
  • Debit- und Kreditkarten der alten Bank retournieren
  • Rückzugsmöglichkeiten prüfen: Banken haben unterschiedliche Kündigungsfristen bei Privatkonten. Postfinance beispielsweise bietet unbeschränkte Rückzugsmöglichkeiten an, während bei Raiffeisen oder der Migros Bank nur 50'000 Franken pro Monat möglich sind und bei grösseren Bezügen eine Kündigungsfrist von drei Monaten gilt

Die Banken reagieren auf diesen Gebührenwettbewerb bei Alltagskonten, indem sie wechselwilligen Kunden unter die Arme greifen und beim Erledigen der Formalitäten helfen. Zudem locken gewisse Institute mit speziellen Angeboten. Gerade die teuren Banken tun dies besonders offensiv. Bei Raiffeisen wird etwa mit dem kostenlosen Besuch von Museen geworben. Zudem profitieren Kunden von vergünstigten Ski- und Konzerttickets. UBS-Kunden sammeln hingegen Bonuspunkte, die sie bei zahlreichen Partnerunternehmen einlösen können.

Gerade bei sogenannten Paketangeboten geben sich viele Banken besonders grosszügig und versuchen so, Kunden anzuziehen. Doch Finanzexperten und Konsumentenschützer kritisieren immer wieder, solche Angebote seien intransparent und würden einen ordentlichen Vergleich erschweren. Der untenstehende Gebührenvergleich bezieht sich deshalb ausschliesslich auf normale Privatkonten.‎

Gebühren für ausgewählte Schweizer Privatkonten, in CHF

Bank Konto *Kosten 1 Jahr Kontoführung Bargeldbezug Maestro-Karte
Postfinance Privatkonto 116,50 0 2 0
St.Galler KB Privatkonto 117,70 0 0 30
Migros Bank Privatkonto 157,70 0 2 0
Berner KB Privatkonto 196,95 72 2 0
Bank Coop Privatkonto 198,70 60 2 x p. Monat gratis, dann je 2 40
ZKB Privatkonto 200,95 12 2 40
Alternative Bank Alltagskonto 216 36 10 x p. Monat gratis, dann je 3 30
Raiffeisen Zürich City Privatkonto 222,70 30 2 40
UBS Privatkonto 244,50 60 2 40
Credit Suisse Privatkonto 254,20 60 2 50

Quellen: moneyland.ch, div. Websiten (Stand 03.01.2016)

* Annahmen Kosten-Berechnung Durchschnittsnutzer

  • Kontostand 10'000 CHF
  • Anzahl Zahlungsausgänge ins Inland in CHF pro Jahr: 20
  • Anzahl Zahlungsausgänge ins Ausland in EUR pro Jahr (SEPA): 5
  • Anzahl Zahlungsausgänge ins Ausland pro Jahr (Nicht-SEPA): 5
  • Bargeldbezüge am Fremdautomaten im Inland in CHF pro Jahr: 25 à durchschnittlich CHF 100.        
  • Bargeldbezüge am Fremdautomaten im Ausland pro Jahr: 10 à durchschnittlich CHF 200 (umgerechnet)
  • Kontoauszüge per Post pro Jahr: 12
  • Anzahl Zahlungseingänge Inland in CHF pro Jahr: 50
  • Einkäufe mit Maestro-Karte im Inland in CHF pro Jahr: 50 à durchschnittlich CHF 50
  • Einkäufe mit Maestro-Karte im Ausland pro Jahr: 5 à durchschnittlich CHF 50 (umgerechnet)
  • LSV Online Inland: 2 Aufträge à je 12 Ausführungen
  • Daueraufträge Online Inland: 2 Aufträge à je 12 Ausführungen