kommentar

Wo bleibt denn die Jahresendrally?

Die internationalen Aktienmärkte schwächeln seit Tagen und Wochen. Die schon fast zum Mythos gewordene Weihnachtsrally steht auf der Kippe. Aber die Korrektur kommt sowieso.
06.12.2013 00:55
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

Das sind sich die erfolgsverwöhnten Aktienanleger von diesem Jahr nicht gewohnt: Seit einiger Zeit kommen die Märkte nicht mehr vom Fleck. Im deutschen Leitindex Dax und bei den US-Indizes ist seit Tagen der Wurm drin. Anderswo haben Investoren schon mehr gelitten.

Der Swiss Marktet Index hat in den letzten drei Wochen vier Prozent verloren. Der MSCI Asia Pacific Index steht auf dem tiefsten Niveau seit fast zwei Monaten. Der australische S&P/ASX 200 Index befindet sich gar auf dem tiefsten Stand seit dem 10. Oktober.

Dabei hoffen die Anleger wie jedes Jahr auf die so genannte Weihnachtsrally. Bisweilen wird der Jahresendspurt der Aktienmärkte gar als selbsterfüllende Prophezeiung gehandhabt. Doch längst nicht an allen Jahresenden und darüber hinaus legten die Aktienmärkte zu. Und einiges spricht dafür, dass der Jahresendspurt Ausgabe 2013 ins Wasser fällt - oder zumindest wenig üppig wird.

Aber weshalb grämen? Dem jüngsten Rückgang der Börsen liegen ja paradoxerweise die zögerlich positiven Tendenzen der US-Wirtschaftwelt zugrunde. Und damit auch die Angst der Anleger, dass die US-Zentralbank ihre ultralockere Geldpolitik sehr bald beenden könnte.

Doch reden wir Klartext: Beim grössten Experiment, das die Geldpolitik einer Zentralbank jemals durchgeführt hat, muss man eher früher als später den Exit finden. Die Risiken der Geld-Flutung der Märkte durch die Fed birgt einfach zu viele Risiken.

Eines davon ist die Börsen-Rally, welche die Zentralbanken weltweit mit ihren Geldspritzen aufgebaut haben. Dass die verwöhnten Investoren, unter welchen sich in den letzten Monaten die klassischen Anzeichen von Gier breit machte, bei kleinsten Anzeichen einer Korrektur der Geldpolitik wieder von einer "Tapering-Neurose" erfasst werden, liegt auf der Hand.

Die Märkte werden so oder so korrigieren, ob die Fed das Zurückfahren der Anleiheläufe nun an der nächsten Sitzung eine Woche vor Weihnachten bekannt gibt oder im Januar oder im März. Man muss sich dabei auch die Steigerungszahlen der Aktienmärkte in diesem Jahr vor Augen führen.

Der S&P 500 Index in den USA hat 2013 um 26 Prozent zugelegt, das könnte der grösste Jahreszuwachs seit 15 Jahren werden. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Index steigerte sich innert Jahresfrist um fast einen Viertel auf über 16. Der Swiss Market Index legte fast 20 Prozent zu, der Stoxx Europe 600 brachte es immerhin noch auf 13 Prozent.

Es ist einmal mehr der US-Aktienmarkt, der im Zeichen des Booms am meisten Sorge bereitet. Denn die Steigerungszahlen der Börse stehen in keinem Verhältnis zur nach wie vor fragilen Lage der Wirtschaft. Eine Korrektur an den Börsen kann auch heilsam sein.