Wo die «Grossen» investieren

In den letzten Wochen haben Grossinvestoren bei mehreren Schweizer Firmen ihre Beteiligungen geändert. Was das für Privatanleger bedeutet und worauf sie achten sollten.
04.06.2015 01:05
Von Ivo Ruch und Pascal Züger
Ein bedeutender Aktionär hat bei u-blox Gewinne realisiert.

Wie ein Aktionär für mächtig Wirbel sorgen kann, zeigte sich erst kürzlich wieder. Der umtriebige britische Hedgefonds Laxey Partners stieg vor nicht langer Zeit beim Schweizer Healthcare-Investor HBM ein – und stellte sogleich Forderungen. Die Dividende sollte von 5,50 Franken um 10 Franken pro Aktie erhöht werden. Der Verwaltungsrat von HBM sah sich gezwungen, den Antrag in einem Aktionärsbrief zur Ablehnung zu empfehlen.

Doch HBM sorgt selbst auch als Aktionär für Schlagzeilen. Das war unlängst im Falle von Basilea ersichtlich. Schon seit mehreren Tagen geisterten Gerüchte durch den Markt, ein grosses ausländisches Pharmaunternehmen sei bereit, die Basler zu übernehmen. Dementsprechend zog der Aktienkurs deutlich an. Dann kam die Meldung, der Basilea-Grossaktionär HBM Healthcare habe sein Engagement von 15 auf 9,7 Prozent reduziert. Das wurde als Zeichen gedeutet, die Übernahmegerüchte seien nichtig.

Normalerweise erfährt die Öffentlichkeit nicht von der Existenz kleiner Aktionäre. Bei in der Schweiz kotierten Firmen müssen erst Beteiligungen von 3 Prozent und mehr gemeldet werden. Das Reglement für Offenlegungen sieht folgendermassen aus: Werden die Grenzwerte von 3, 5, 10, 15, 20, 25, 33 1/3 und 66 2/3 Prozent des Stimmrechts erreicht, unter- oder überschritten, ist eine Meldung an die entsprechende Gesellschaft und die Börsenbetreiberin SIX obligatorisch. Diese macht die Meldung dann auf ihrer Webseite publik. Solche Informationen können für Anleger von grosser Bedeutung sein. Denn Veränderungen im Aktionariat geben oft Hinweise darauf, was hinter den Kulissen geschieht.

Grossinvestoren scharen sich um Cembra

Ein weiteres Beispiel zeigt, wie Offenlegungen Trittbrettfahrer anlocken. Im Mai verabschiedete sich der Hauptaktionär General Electric von der Cembra Money Bank und verkaufte seinen Anteil von rund 30 Prozent an diverse institutionelle Investoren, wie es damals hiess. Zugelangt haben im Anschluss nicht nur die Banken Pictet und UBS. Auch der ehemalige UBS-Verwaltungsrat und Hedgefonds-Manager Rainer-Marc Frey stieg bei Cembra ein: Am 16. Mai meldete die SIX eine Beteiligung in der Höhe von 4,6 Prozent.

Über die Beweggründe für Freys Einstieg beim Konsumkreditanbieter lässt sich nur spekulieren. Sicher ist: In den Tagen seines Engagements ging es mit dem Aktienkurs der Cembra um mehrere Prozentpunkte bergauf. Gut möglich also, dass dank Frey auch andere gewichtige Investoren auf die Aktien aufmerksam wurden. Obschon die Geschäftsaussichten der Cembra Money Bank in Analystenkreisen sehr unterschiedlich beurteilt werden, sind sich die Experten in einem Punkt allesamt einig: Den Aktionären winkt auf Jahre hinaus eine attraktiv hohe Dividende. Analysten gehen für die nächsten Jahre von einer Ausschüttung zwischen 3,20 und 3,50 Franken je Aktie aus, was beim aktuellen Kurs von 59 Franken einer Rendite von knapp 6 Prozent entspricht.

Gewinne von mehr als 40 Millionen

Bei einem anderen Shooting-Star unter den Nebenwerten haben sich unlängst ebenfalls die Besitzverhältnisse verändert. Die grössten Aktienanteile an u-blox besitzen BlackRock (7,3 Prozent), Werner Dubach (4,2 Prozent) und die Credit Suisse (4,1 Prozent). Bis Ende Mai galt noch Werner Dubach, langjähriger CEO der Eichhof Brauerei, als grösster Aktionär mit einem Anteil von 9,6 Prozent. Es ist nicht klar, ob Werner Dubach die Anteile allesamt Ende Mai verkaufte oder ob er diese gestaffelt seit Januar 2014 veräusserte (dies das Datum, als er die 10 Prozent-Beteiligungsmarke unterschritt).

So oder so, dank dem immensen Kursanstieg von u-blox kam durch den Verkauf ein nettes Sümmchen zustande. Im Optimalfall, sofern die Anteile gleichzeitig am 29. Mai verkauft wurden, hat diese Transaktion der rund 330‘000 Aktien Werner Dubach knapp 70 Millionen in die Kasse gespült. Ein Vielfaches des Kaufpreises, welcher aufgrund der schrittweisen Erhöhung zwar nicht exakt eruierbar ist, aber bei maximal 25 Millionen Franken lag. Glaubt Dubach nicht an weitere Kursavancen oder nutzte er die Gelegenheit zu Gewinnmitnahmen? Die Motive für den Verkauf bleiben unklar, da Werner Dubach derzeit im Ausland weilt und für eine Stellungnahme nicht erreichbar war.

Die Präsenz bedeutender Grossinvestoren kommt nicht von ungefähr. Der Aktienkurs von u-blox erlebt derzeit eine eindrückliche Bergfahrt. Innerhalb von einem Jahr legte der Titel um 74 Prozent zu. Allein in diesem Jahr kletterte die Aktie um 51 Prozent hoch auf den aktuellen Wert von 207 Franken. Der Halbleiterhersteller aus Thalwil hat im Geschäftsjahr 2014 deutlich mehr Umsatz erwirtschaftet als im Vorjahr und auch den Gewinn kräftig gesteigert.