Wo die Stolpersteine beim UBS-Umbau liegen

Für den Umbau der Bank hat die UBS viel Vorschusslorbeeren erhalten. Die Zahlen vom Dienstag zeigen aber, dass der Grossbank bei diesem Vorhaben ein steifer Wind entgegenbläst.
06.02.2013 03:25
Von Pascal Meisser
Der geplante Umbau der Bank dürfte sich über eine längere Zeit hinziehen.

Bereits in den letzten Wochen und Monaten warnten UBS-Manager und Analysten, dass sich der im Herbst 2012 angekündigte Umbau der Bank über Jahre hinziehen könnte. Die am Dienstag vorgelegten Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr zeigen, dass diese Befürchtungen mehr als gerechtfertigt sind. 

So sorgte ausgerechnet eine der wichtigsten Kennzahlen im künftigen Kernbusiness der UBS, dem Wealth Management, für den grössten negativen Tupfer im Zahlenset. Die Bruttomarge sank gegenüber dem Vorquartal um 4 auf 83 Basispunkte - zugleich der schlechteste Wert der letzten vier Quartale. Analysten hatten im Vorfeld mit einem deutlich profitableren Bereichsergebnis gerechnet. Der Broker Helvea beispielsweise hatte eine Bruttomarge von 93 Basispunkten prognostiziert. Im Vorjahresquartal hatte diese bei 95 gelegen, im Gesamtjahr 2011 sogar bei 101. 

Kurzfristig dürfte diese Marge aber noch weiter sinken. Im Frühling 2013 wird es im Rahmen der Entlassungswelle auch im Wealth Management zu Stellenstreichungen kommen. Diese Bewegungen werden in diesem traditionell auf Vertrauen und Loyalität beruhenden Geschäft auch an den Kunden nicht spurlos vorbeigehen. 

Eigener Kunde als Herausforderung

Der Abwärtstrend bei der Bruttomarge zeigt exemplarisch, wo die grösste Herausforderung für die UBS beim Umbau liegt - nämlich beim Kunden selber. UBS-Finanzchef Tom Naratil erklärte den jüngsten Margenrückgang damit, dass trotz Börsen-Hausse die Kunden inaktiv blieben. "Die reichen Kunden hielten Ende Dezember noch immer 28 Prozent ihres Vermögens in Cash. Es wird nicht Quartale, sondern Jahre dauern, bis diese ihr Geld in risikoreichere Anlageklassen umschichten", sagte Naratil an der Medienkonferenz. 

Marktbeobachter fragen sich deshalb, wie es der UBS gelingen soll, innerhalb von nützlicher Frist die Bruttomarge wenigstens in das selbst deklarierte Zielband von 95 bis 105 Basispunkten zu hieven. Denn der Druck auf die Margen wird in den kommenden Jahren nicht kleiner werden. Dieser Druck kommt nicht nur von der Konkurrenz, sondern unter anderem auch vom Entscheid der UBS, den Kunden künftig retrozessionsfreie Produkte anzubieten. 

Hochmargige Produkte nicht mehr gefragt

Dazu kommt, dass die hochmargigen Produkte wie strukturierte Derivate bei den Kunden nicht mehr gefragt sind. Die Tendenz zu einfachen und verständlichen Produkten wird anhalten, und diese bringen nur dann eine ansprechende Marge, wenn sie in ein Paket mit einer umfassenden und entsprechend bezahlter Beratung verpackt werden können.

In diese Richtung zielt auch UBS-CEO Sergio Ermotti. "Wenn die Retrozessionen wegfallen, müssen wir unsere Services neu berechnen. Unsere Dienstleistungen sollen entsprechen kompensiert werden", so Ermotti. Diese Absicht dürfte allerdings nicht so einfach zu realisieren sein, will man den bestehenden Kunden nicht vor den Kopf stossen. 

Diese Gefahr sieht auch Bankenanalystin Teresa Nielsen. "Das Vorhaben funktioniert nur, wenn die Kundenberatung überdurchschnittlich gut ist. Sonst besteht die Gefahr, dass die Kunden zu einem günstigeren Konkurrenzinstitut wechseln", sagt die Expertin der Bank Vontobel.