Wo Sparer den zehnfachen Zins erhalten

Das rekordtiefe Zinsumfeld hat die Verzinsung von Bankguthaben praktisch auf Null gedrückt. Kaum jemand weiss aber, dass eine ungewöhnliche Institution eine deutlich bessere Anlagemöglichkeit für Spargelder bietet.
18.10.2013 00:50
Von Pascal Meisser
Wohin mit dem ersparten Geld? Darlehenskassen der Baugenossenschaften bieten eine gute Alternative.
Wohin mit dem ersparten Geld? Darlehenskassen der Baugenossenschaften bieten eine gute Alternative.
Bild: cash

Anlegerinnen und Anleger haben derzeit kaum eine Wahl, wenn sie ihre Spargelder zu einem akzeptablen Zins auf einem Konto parkieren wollen. Seit die Zinsen Richtung Null gefallen sind, werden die Guthaben auf Spar- und Privatkonten nur noch sehr mager verzinst. Die meisten Finanzinstitute offerieren derzeit gerade mal einen Zins zwischen 0,05 und 0,1 Prozent. In nicht wenigen Fällen fressen die Kontogebühren den mageren Zins wieder weg (cash berichtete). Aber auch Festgelder und Kassenobligationen bieten nur eine unwesentlich bessere Rendite.

Als interessante Alternative bietet sich in diesem Umfeld eine Institution an, die man in der Regel kaum mit attraktiven Geldanlagen in Verbindung bringen würde: Baugenossenschaften. In der Schweiz sind über 1500 solcher Baugenossenschaften verzeichnet. Einige von ihnen bieten neben preiswerten Mietwohnungen auch eine Darlehenskasse und Depositenkonten an, welche die Einlagen mit einem Vorzugszins honorieren.

Zehn Mal mehr Zins als die Grossbanken

Zum Beispiel die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ), die grösste Baugenossenschaft der Schweiz. Sie offeriert selbst Nicht-Mitgliedern mit 1 Prozent einen zehn Mal so hohen Zins wie die Grossbanken UBS und Credit Suisse. Bei Einlagen über 50‘000 Franken steigt der Zinssatz bis maximal 1,375 Prozent. Mitglieder erhalten gar einen Zins von 1,5 Prozent. Weitere grosse Baugenossenschaften, die ebenfalls überdurchschnittliche Konditionen anbieten, sind die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL) sowie die Genossenschaft für selbstverwaltetes Wohnen (Gesewo) in Winterthur.

Ein Grund für die deutlich besseren Konditionen ist das Interesse der Baugenossenschaften an günstigem Geld. Der angebotene Zins liegt zwar über dem kurzfristigen Libor-Zins, aber deutlich unter den zehnjährigen Festhypotheken. Und da Genossenschaften nicht wie Banken vom Zinsdifferenzgeschäft leben, können sie den Zinsvorteil ihren Kunden weitergeben: Als Zins und als günstige Miete.

ABZ-Geschäftsführer Hans Rupp bestätigt gegenüber cash, dass seit zwei Jahren der Zulauf an Neugeld zugenommen hat. "Diese Entwicklung mag mit dem höheren Zins zusammenhängen. Einen spürbaren Einfluss hat aber auch das geschwundene Vertrauen gegenüber den Banken. Die Leute schätzen den sichtbaren Bezug zum investierten Geld, den sie bei uns haben", sagt Rupp.

«Keine undurchsichtigen Geschäfte»

Die Leute würden die Geschäftstätigkeit der ABZ aus ihrer täglichen Erfahrung als Mieter kennen. "Wir tätigen keine undurchsichtigen Geschäfte, und die uns anvertrauten Gelder sind mindestens so sicher wie bei einer Bank", sagt Rupp. Im Gegensatz zu Banken geniessen Genossenschaften zwar keinen regulierten Einlegerschutz, der Guthaben bis 100‘000 Franken absichert, doch die Baugenossenschaften verfügen meist über solide Vermögenswerte.

So führt beispielsweise die ABZ das Land ihrer über 60 Wohnsiedlungen im Grossraum Zürich mit dem Ursprungswert – und nicht mit dem aktuellen Marktwert in der Bilanz. "Das gibt unseren Einlegern eine zusätzliche Sicherheit", sagt Rupp. Eine Sicherheit, die von seinen Kunden honoriert wird. So beläuft sich derzeit die durchschnittliche Einlage bei der ABZ auf 35‘000 Franken pro Mitglied.

Genossenschaften sind keine Bank

Wer sein Geld einer Baugenossenschaft anvertrauen will, sollte sich bewusst sein, dass das Risiko mit abnehmender Grösse der Genossenschaft tendenziell steigen könnte. Zudem lohnt sich der Blick in den Geschäftsbericht der jeweiligen Baugenossenschaft. Zwar kommen Konkurse von Baugenossenschaften selten vor. Je grösser die Reserven auf den bilanzierten Immobilien sind, desto höher ist der finanzielle Spielraum der Genossenschaften.

Wichtig zu wissen ist zudem: Eine Baugenossenschaft ist nicht zur Annahme von Darlehen verpflichtet. "Die ABZ versteht sich nicht als Bank. Uns ist es wichtig, dass der Anleger den Genossenschaftsgedanken – sprich die Hilfe zur Selbsthilfe – mitträgt", sagt Rupp.

(Mitarbeit: Ivo Ruch)
 

Ausgewählte Schweizer Baugenossenschaften mit Darlehenskassen

Anbieter Zins (M*) Zins (NM**) Mindestlaufzeit
ABZ
(Zürich)
 
1,5 %

1 % (bis 50'000 Franken)

1,125 % (bis 100'000)

1,25 % (bis 150'000)

1,375 % (ab 150'000)

6 Monate

ABL***
(Luzern)
 

1,25 %

1,25 %

1,375 %

1,5 %

1,5 %

1,875 %

2 %

-

-

-

-

-

-

-

2 Jahre

3 Jahre

4 Jahre

5 Jahre

6 Jahre

7 Jahre

8 Jahre

Gesewo
(Winterthur)
 

1 %

1,5 %

1,9 %

2,1 %

1%

1,5 %

1,9 %

2,1 %

3 Jahre

5 Jahre

8 Jahre

10 Jahre

Quelle: Angaben der Anbieter (ohne Gewähr)

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