Wochenvorschau - Aktienanleger schauen Trump genau auf die Finger

Für eine Fortsetzung der Kursrally an den Aktienmärken wird Donald Trump allmählich liefern müssen. Erste Zweifel an dem von ihm in Aussicht gestellten Wirtschaftsboom sorgten bei Anlegern bereits für Ernüchterung.
26.03.2017 12:11
US-Präsident Donald Trump.
US-Präsident Donald Trump.
Bild: Bloomberg

"Das Macher-Image von Trump hat Kratzer bekommen", sagt Tobias Basse von der NordLB. Die Hoffnung auf grosse Infrastrukturprogramme und Steuersenkungen für Amerika hatte die Aktienmärkte seit Trumps Wahlsieg im November angetrieben.

Nach Ansicht von Expertin Kathleen Brooks vom Brokerhaus City Index beginnt nun die zweite Phase dieses "Trump-Trade". Reichten Versprechungen bislang aus, müssten nun Fakten geschaffen werden. "Der Markt will jetzt in Sachen Gesetzgebung im Kongress etwas sehen, das ist jetzt genauso wichtig wie die Themen Notenbank und Konjunktur." Damit liege die Latte für weitere Kurssteigerungen höher als bislang. "Das kann die Volatilität im zweiten Quartal deutlich erhöhen", betont Brooks.

Eine schwere Niederlage musste Trump am Freitag einstecken, als mit den Plänen zur Abschaffung der Gesundheitsreform seines Vorgängers Barack Obama sein erstes grosses Gesetzesvorhaben scheiterte. Nun will er die versprochenen Steuersenkungen angehen. An der Wall Street richten sich die Hoffnungen nun auf dieses Projekt. Die Aussicht auf Steuererleichterungen noch in diesem Jahr dürfte den Markt beruhigen, sagt Anlagestratege Paul Zemsky vom Vermögensverwalter Voya Investment Management.

Europas Aktien bleiben interessant

Analysten sehen das Potenzial für Dax und EuroStoxx noch nicht ausgereizt. "Angesichts der günstigeren Gewinnaussichten, des geringeren politischen Risikos, der attraktiveren Bewertungen und der höheren Dividenden als in den USA wird der europäische Markt immer attraktiver", sagt Charles Ma von Allianz Global Investors. Basse rechnet damit, dass der Dax in der neuen Woche zumindest die Marke von 12.000 Punkten halten kann. Der Chefstratege von Merck Finck, Robert Greil, erwartet sogar, dass der deutsche Leitindex nach einer Verschnaufpause Kurs auf sein Allzeithoch von 12.390,75 Punkten nehmen wird. Vergangene Woche hatte das Barometer leicht nachgegeben und war am Freitag mit 12.064 Zählern aus dem Handel gegangen. Der Swiss Market Index (SMI) gab vergangene Woche 0,9 Prozent auf 8614 Punkte nach.

Im Auge behalten werden Europas Anleger die nahenden Brexit-Verhandlungen mit Grossbritannien. Die britische Premierministerin Theresa May will der EU am Mittwoch kommender Woche den Antrag zum Austritt ihres Landes aus der Staatengemeinschaft nach Artikel 50 der EU-Verträge übermitteln.

Inflationsdaten im Blick

Spannend bleibt auch das Thema Zinsen in der Euro-Zone. "Im Euroraum riecht es nach einer Zinswende", kommentiert die Commerzbank. Würden sich Konjunktur und Inflation stärker entwickeln als von der Europäischen Zentralbank derzeit erwartet, könnten die Leitzinsen nach einem Ende der Anleihekäufe rascher als bisher gedacht angehoben werden. Die Inflation hatte im Februar mit 2,0 Prozent erstmals seit langer Zeit wieder leicht über der Zielmarke der Notenbank von knapp unter zwei Prozent gelegen. Für die - für Freitag erwarteten - März-Daten gehen von Reuters befragte Analysten von 1,8 Prozent aus. Um die Konjunktur anzuschieben und für mehr Inflation zu sorgen, pumpt die Euro-Notenbank zudem seit März 2015 mit dem Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem.

Impulse könnte auch der Ifo-Geschäftsklimaindex am Montag liefern. Analysten gehen allerdings von einem unveränderten Wert für März aus. In den USA stehen am Dienstag das Verbrauchervertrauen im März, am Donnerstag die dritte Wachstumsschätzung für das Schlussquartal 2016 sowie am Freitag die Konsumausgaben im Februar auf der Agenda.

Auf der Unternehmensseite dürfte es nach Auslaufen der Bilanzsaison ruhiger zugehen. Im Bankensektor verdichten sich die Anzeichen für eine Kapitalerhöhung der Credit Suisse. Kleiner börsenkotierte Unternehmen legen aber noch die Zahlen von 2016 vor: Cham Paper Group und KTM Industries am Montag, Vaudoise am Mittwoch, Evolva am Donnerstag und Perfect Holding sowie Relief Therapeutics am Freitag.

(Reuters)