Wochenvorschau - Börsen drehen vor neuen Kursrekorden eine Warteschleife

Nach der Hausse ist vor der Hausse: Experten zufolge ist die Rekordjagd an den Aktienbörsen beendet - vorerst.
13.05.2017 17:17
Der SMI befindet sich derzeit auf einem Jahreshoch.
Der SMI befindet sich derzeit auf einem Jahreshoch.
Bild: pixabay.com

"Alles scheint eingepreist", betont Anlage-Experte Joachim Goldberg von der Beratungsfirma Goldberg und Goldberg. "Das Frankreich-Risiko, die Präsidentschaftswahl, ist abgehakt, die Aktien-Bewertungen sind für viele Analysten zu hoch, positive ökonomische Überraschungen eher schwierig und was aus den USA an frischen positiven Impulsen kommen soll, ist für viele Akteure mit einem Fragezeichen versehen." Allerdings würden Investoren Rücksetzer sicher dazu nutzen, um wieder in den Markt einzusteigen. "Und zwar eher früher als später."

Auch Anlagestratege Carsten Klude von der Bank MM Warburg äussert sich längerfristig optimistisch. "Unseres Erachtens nach signalisieren die fundamentalen Rahmenbedingungen, dass Anleger dem Aktienmarkt noch die Treue halten sollten." Er traue dem Dax dank der sprudelnden Unternehmensgewinne Ende 2017 nun einen Stand von 13.400 statt 12.800 Punkten zu. In den vergangenen Tagen stieg der Dax zeitweise auf ein Rekordhoch von 12.783,23 Zähler - auf Wochensicht kam er aber mit einem Plus von 0,4 Prozent kaum vom Fleck. Der Swiss Market Index (SMI) stieg am Freitag um 0,7 Prozent auf 9123 Punkte und markierte damit ein neues Jahreshoch. Auf Wochensicht legte der SMI 1,2 Prozent zu.

An der New Yorker Wall Street traten die Indizes weitgehend auf der Stelle. Viele Anleger blieben aus Furcht vor weiteren Störfeuern aus der Politik in Deckung. Börsianer befürchten, dass der Streit über die überraschende Entlassung von FBI-Chef James Comey die Steuersenkungspläne von Präsident Donald Trump verzögern könnte.

Wenige Konjunkturdaten auf dem Terminplan

In den USA steht am Montag der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von New York auf der Agenda. Am Tag darauf folgen die Zahlen zur Industrieproduktion sowie am Donnerstag die Frühindikatoren. "Nachdem die US-Wirtschaft im ersten Quartal kaum gewachsen ist, dürften die April-Daten Hoffnung machen, dass die Konjunktur im zweiten Quartal wieder an Schwung gewinnt", sagt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz.

In Europa werden Zahlen zu Wirtschaftswachstum (Dienstag), Inflation (Mittwoch) und Verbrauchervertrauen (Donnerstag) vorgelegt. Starke Ergebnisse könnten die Diskussion um eine nahende Straffung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) neue Nahrung geben. Darüber hinaus liefert der ZEW-Index am Dienstag Hinweise auf die Stimmung der Börsianer. Trotz der wachsenden Optimismus in den Unternehmen seien die Analysten von Euphorie weit entfernt, betont Commerzbank-Experte Balz.

Bilanzsaison läuft aus

Die Flut von Firmenbilanzen ebbt in der neuen Woche langsam ab. Aus dem Dax öffnen der Versorger RWE (Montag) sowie der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck (Donnerstag) ihre Bücher. In den USA legt der Netzwerk-Ausrüster Cisco am Mittwoch seine Zwischenbilanz vor. In der Schweiz stehen die Zahlen von Sonova (Dienstag) und Züblin (Donnerstag) an. Ausserdem findet am Donnerstag die ausserordentliche Generalversammlung der Credit Suisse zur Kapitalerhöhung statt.

Darüber hinaus laufen am Freitag Optionen auf Indizes und einzelne Aktien aus. In den Tagen zuvor schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

(Reuters)