Wochenvorschau - Firmengewinne sollen Sorgen an den Börsen kleiner machen

Eine starke Bilanzsaison für das zweite Quartal könnte die Börsenampeln wieder auf Grün springen lassen.
15.07.2018 12:20
Börsenkurs der Schweizer Börse (Symbolbild).
Börsenkurs der Schweizer Börse (Symbolbild).
Bild: cash

Doch die Frage, wie stark der Handelsstreit zwischen den USA und China die Konjunktur bremst, überschattet die Vorfreude auf den Reigen an Firmenzahlen in der neuen Woche. "Ein möglicher Handelskrieg bedroht die globalen Produktionsketten und sorgt bei den Investoren weltweit für Nervosität", erklärte Helaba-Stratege Ulf Krauss. In der zurückliegenden Woche hatten neue Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump gegen China die Finanzmärkte durchgerüttelt. Der Swiss Market Index (SMI) schloss vergangene Woche aber dennoch bei 8861 Punkten und somit 1,9 Prozent über seinem Niveau vor Wochenfrist.

Entscheidend für die weitere Richtung wird vor allem der Blick der Unternehmen in die Zukunft sein. "Die Frage ist, wie stark sich ein Handelskrieg nach Meinung der Firmen auf ihre Geschäfte niederschlagen könnte", sagte Marktexperte Ewout van Schaick vom Vermögensverwalter NN Investment Partners. Wegen der Zuspitzung im Zollstreit seien in Deutschland bereits einige Dividendenprognosen gesenkt worden, betonte Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp.

Nach Einschätzung von Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets setzen Anleger darauf, dass die Zentralbanken die Zügel angesichts der Gefahren für das Wirtschaftswachstum etwas lockerer lassen. "Und das wiederum ist jetzt der Nährboden, auf dem sich die nächste Erleichterungsrally entlädt."

USA mit voller Kraft voraus - China-Wachstum gebremst

Die fundamentalen Aussichten für die Aktienmärkte sind der Bank M.M. Warburg zufolge weiter gut. "Solange keine neue Rezession droht, sollten die Aktienkurse zulegen, denn trotz der vielen negativen Nachrichten sind die Gewinnerwartungen angestiegen." In den USA sorgten Steuerreform, höhere Staatsausgaben und die Deregulierung wichtiger Wirtschaftszweige für konjunkturellen Rückenwind. "Auch für die Eurozone sind wir weiter optimistisch, auch wenn man sich hier auf erhöhte Trump-Tweet-bedingte Volatilität einstellen muss."

Bei den US-Wirtschaftsdaten werden Anleger am Montag genauer auf die Einzelhandelszahlen für Juni hinschauen. Am Donnerstag steht neben den wöchentlichen Arbeitsmarktdaten der Industrieindex der Philly Fed für Juli auf dem Tableau. "In den USA spricht mehr und mehr dafür, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal so kräftig wie seit fast vier Jahren nicht mehr expandiert hat", sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Balz. Dagegen schwäche sich das Wachstum in China ab. "Nach unserer Einschätzung wirken sich nun der Schuldenabbau und der Abschwung im Immobiliengeschäft aus, während gleichzeitig unter den Banken die Sorgen vor Kreditausfällen zunehmen", erläuterte Balz. Am Montag will die Volksrepublik Daten zur Industrieproduktion und zum Bruttoinlandsprodukt vorlegen.

Geschäftsberichte der Unternehmen im Fokus

Die Bilanzsaison kommt in Europa und den USA in der neuen Woche auf Touren. Die Investmentbank Goldman Sachs und der Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson werden am Dienstag erwartet, gefolgt von dem Kreditkartenanbieter Visa, der Bank Morgan Stanley und dem Technologie-Schwergewicht IBM am Mittwoch. Am Donnerstag werden die Microsoft-Zahlen erwartet.

Für Anleger in der Schweiz wird der Mittwoch spannend, mit Zahlen der beiden SMI-Konzerne Novartis und SGS sowie Georg Fischer, Temenos und Cassiopea. Am Donnerstag folgen ABB und Givaudan aus dem SMI, aber auch Kühne+Nagel, Bank Cler, Leonteq und Rieter.

In Japan bleiben die Börsen am Montag wegen eines Feiertages geschlossen.

(Reuters/cash)