Wohin führt die SMI-Erholung?

Die Schweizer Börse steht wieder dort, wo sie das Jahr begann. Wie geht es nun weiter mit dem SMI? cash hat sich bei Aktienstrategen und bei seinen Lesern umgehört.
24.02.2015 01:05
Von Marc Forster und Ivo Ruch
Die Aussichten für Schweizer Aktien sind verhalten positiv.
Die Aussichten für Schweizer Aktien sind verhalten positiv.
Bild: sxc

Zurück auf Feld eins. Der Swiss Market Index (SMI) steht praktisch wieder dort, wo er zu Jahresbeginn war. Und das trotz des Kursgewitters, das die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar auslöste. Seit dem SNB-Crash hat der Schweizer Leitindex 14 Prozent zugelegt – trotz Sorgen um ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone oder um die Ukraine-Krise.

Dennoch bleibt die Frage: Steht der Aktienboom auf festen Füssen oder sind die Börsenpapiere vor allem wegen ihrer Alternativlosigkeit im Tiefzinsumfeld so beliebt? Wie geht es also weiter am Schweizer Aktienmarkt?

cash führte bereits im Januar, noch vor der Intervention der SNB, eine Umfrage bei Anlageexperten durch. Der Konsens damals: 7 Prozent Gewinn. Das hätte einem Jahresend-Kurs von rund 9600 Punkten entsprochen. Doch der Euro-Franken-Kurs bleibt derzeit deutlich unter 1,20 Franken. Zusammen mit den eingeführten Negativzinsen sorgt das für eine neue Realität am Schweizer Aktienmarkt.

Zurückhaltende Prognosen

Gelegenheit also, unter diesen veränderten Vorzeichen bei Aktienprofis nochmals den Puls zu fühlen. Eines vorneweg: Die Prognosen fallen weniger optimistisch aus als noch Anfang Jahr. Die von cash befragten Experten sagen im Durchschnitt einen Jahresendstand von 9135 Punkten voraus. Das würde in der Endabrechung einem Jahresplus von mickrigen 1,6 Prozent entsprechen.

Die Raiffeisen Bank revidiert ihr SMI-Ziel deutlich. Von 9200 auf 8900 Punkte. Doch Chefökonom Martin Neff sieht auch Zwischenhochs: "Wir waren und sind seit Jahresbeginn in Schweizer Aktien übergewichtet. Dem SMI trauen wir 9300 Punkte im Lauf der nächsten Monate zu, rechnen unterjährig aber auch wieder mit einer Korrektur." Als Gründe für Rückschläge nennt Neff die politische Situation in der Ukraine und die Debatte um einen "Grexit". Noch etwas tiefer, bei 8800 Punkten (12-Monatsziel) erwartet die Bank Julius Bär den SMI.

Steigerungslauf möglich?

Einen regelrechten Steigerungslauf im zweiten Halbjahr sieht die Bank J. Safra Sarasin. Ende Juni werde der Schweizer Leitindex noch bei 8700 Punkten stehen, bis Ende Jahr aber auf 9200 Punkte anwachsen, sagt Chefökonom Karsten Junius gegenüber cash. Grund dafür sei die Anpassungsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft, die zwischen Juli und Dezember wieder auf Wachstumskurs einschwenken sollte. "Zusätzlich getrieben von den negativen Renditen am Rentenmarkt bleiben Aktien daher die attraktivste Anlageklasse, was sich in einem höheren SMI niederschlagen sollte", so Junius.

Thomas Steinemann von der Bank Bellerive geht etwas höher und erwartet 9300 Punkte. Im Vergleich zu jetzt ist das ein eher kleines Plus - Steinemann erwartet aber auch eine Verschnaufpause nach Jahren der Kursanstiege. Dämpfend wirken seiner Meinung nach die anstehende Zinserhöhung in den USA und die Deflationsgefahr im Schweizer Hauptexportmarkt Europa. "Im weiteren ist die Bewertung der Schweizer Bluechips sehr hoch, da die Dividenden die neuen Bonds sind und deshalb sehr gefragt sind", sagt der Anlagechef der Zürcher Privatbank. Der grösste Bulle ist allerdings Thomas Della Casa von der Neuen Helvetischen Bank. Seine bisherige Prognose lag bei 9666 Punkten. Diese passt er leicht nach unten an – auf einen Stand von 9475.

cash-User haben zugekauft

Die Leserinnen und Leser von cash haben den Kurssturz von 15. Januar mehrheitlich für einen Einstieg genutzt: 64 Prozent oder über 1800 Personen gaben in der cash-Umfrage an, dass sie seit dem Franken-Schock Aktien gekauft haben. 36 Prozent oder etwas über 1000 Teilnehmer liessen die Finger von einem Zukauf (zur Umfrage).

Damit bleiben sich die cash-Leser mehrheitlich treu. Während der Oktober-Korrektur fragte cash die Leser, ob sie nun dazukaufen: 56 Prozent sagten damals ja, 44 Prozent sagten nein. Kurskorrekturen sind für Zukäufe also beliebt.