Wohin geht es mit dem Ölpreis?

Öl ist in diesem Jahr günstig wie seit Jahren nicht mehr. Die Konsumenten freut's, den Produzenten graut's. cash fragt nach, wie sich die Preise weiter entwickeln werden - und ob jetzt schon Heizöl gekauft werden sollte.
27.08.2015 10:52
Von Pascal Züger
Die katarische Ölfirma Mesaieed.
Die katarische Ölfirma Mesaieed.
Bild: ZVG

Innerhalb der letzten zwei Monate hat sich der Ölpreis um ein Drittel verringert. Diesen Montag fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zwischenzeitlich auf 42,23 US-Dollar – der tiefste Stand seit März 2009. Seither hat sich der Preis nur unwesentlich erholt und bewegt sich nun leicht über der Marke von 44 US-Dollar-Marke.

Entwicklung Ölpreis der Sorte Brent der letzten 3 Monate (in US-Dollar), Grafik: cash.ch

Ölpreise von über 100 Dollar pro Barrel scheinen ein Thema aus ferner Vergangenheit zu sein. Dabei befand sich der Ölpreis bis September 2014 mehrere Jahre lang überwiegend über dieser 100-Dollar-Marke.

Sind solche Werte überhaupt wieder möglich? "Vorhersagen über einen sprunghaften Anstieg zurück in den dreistelligen Bereich liegen weit daneben", erklärt Stephen Jones, Chief Investment Officer von Kames Capital in einer Mitteilung Mitte August. Vielmehr rechnet er damit, dass der Erdölpreis für einige Zeit zwischen 40 bis 65 Dollar pro Barrel verharren wird.

Von einem ähnlichen Wert gehen auch die Experten von der Zürcher (ZKB) und der Luzerner Kantonalbank (LUKB) aus, die cash befragt hat. Arno Endres, Leiter Finanzanalyse der LUKB, erwartet aber auch eine relativ hohe Volatilität des Rohölpreises in den nächsten Wochen. Ausserdem könne die Angst vor einer Abschwächung der Wirtschaft in China den Preis kurzfristig belasten. Von einem erneut deutlichen Kurseinbruch geht er jedoch nicht aus.

Für Susanne Toren, Rohstoffexpertin bei der ZKB, ist der tiefe Preis nachfrage- und angebotsbedingt. Die Nachfrage aus den Entwicklungsländern sei schwach und die Nachfrage aus den immer energieeffizienteren Industrieländern gestalte sich ebenfalls schleppend. Gleichzeitig werde das weltweite Ölangebot ständig ausgeweitet. Während die USA das Angebot kaum zurücknehme, würden OPEC-Länder ihre Förderung sogar erhöhen. Ausserdem komme mit der Lockerung der Sanktionen gegen Iran zusätzlich noch ein grosser Ölexporteur auf den Weltmarkt zurück.

Die Schweiz nur am Rande betroffen

Der Ölpreis-Zerfall hat positive wie negative Folgen für die Weltwirtschaft. Leidtragende sind wegen der tieferen Einnahmen die Öl-Produzenten, während Öl-Importeure vom Preisverfall profitieren.

Gemäss Arno Endres von der LUKB halten sich dabei die Auswirkungen für die Schweiz in Grenzen. Zwar habe das in der Ölförderung aktive Unternehmen Transocean, welches an der Schweizer Börse kotiert ist, wegen der schwierigen Marktverhältnisse seine geplanten Dividenden sistiert, die Geschäftstätigkeiten des Unternehmens hätten aber für die Schweizer Wirtschaft keine Relevanz.

Gewisse Impulse gebe der tiefere Ölpreis der Schweiz aber trotzdem, so Endres. Diese seien jedoch aufgrund der geringen Energieintensität der hiesigen Wirtschaft und des vergleichsweise niedrigen Treibstoffverbrauchs pro Kopf weniger ausgesprägt als in anderen Ländern. "Ein dauerhaft tieferer Ölpreis auf dem Niveau von rund 50 US-Dollar pro Barrel dürfte zu einer Erhöhung des Schweizer BIP pro Jahr um circa 0,1  bis maximal 0,2 Prozent führen", sagt Endres.

Guter Zeitpunkt für Heizöl

Das günstige Erdöl macht nicht zuletzt auch Heizöl zum Schnäppchen. Untenstehende Grafik zeigt die Heizölpreise in der Schweiz seit 2013 im Jahresverlauf. Es fallen dabei mehrere Punkte auf: Zum einen ist das Heizöl heuer viel günstiger als die Jahre davor. Zum anderen gibt es gewisse Saisonalitäten: Günstiger wird der Preis gegen Ende der Heizperiode im Februar, während zu Beginn der Heizsaison im September die Preise eher etwas ansteigen. Wobei diese Entwicklung nicht immer sehr deutlich ist.

Heizölpreise seit 2013 im Jahresverlauf, Grafik: heizoel24.ch

Derzeit beträgt der Preis pro 100 Liter Heizöl in der Schweiz weniger als 65 Franken. Die Höhe des Preises hängt zu einem grossen Teil vom Rohölpreis ab. Es gibt jedoch noch weitere Faktoren, wie Ueli Bamert, Geschäftsführer von Swissoil, im Gespräch mit cash sagt: Diese sind der Dollarkurs, die Nachfrage und die Frachtkosten auf dem Rhein. Tiefe Pegelstände erhöhen beispielsweise die Frachtpreise, da die Tanker nicht vollgeladen werden können.

Weshalb sich Heizöl teilweise anders entwickelt als Benzin oder Diesel, liegt gemäss Bamert an der tieferen Besteuerung von Heizöl. Ausserdem herrsche im Sommer eine erhöhte Nachfrage nach Benzin und Diesel, was bei Heizöl nicht zutreffe.

Wer derzeit Heizöl zulegt macht angesichts der Tiefpreise sicherlich nichts falsch. Der Ölpreis verhält sich vermutlich über die nächsten Monate konstant. Die Formel "im Sommer günstiger als im Winter" sei jedoch nicht mehr gültig, so Bamert. Konsumenten würden die Preisentwicklung beobachten und dann auffüllen, wenn der Preis tief ist. Das könne auch bereits im Sommer sein.

Im nächsten Jahr steigen die Preise für Heizöl übrigens leicht an. Grund ist die Erhöhung der CO2-Abgabe auf Brennstoffe von 60 auf 84 Franken pro Tonne CO2. Diese wird nötig, weil die Schweiz ihr CO2-Reduktionsziel im vergangenen Jahr verfehlt hat.