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Wurde DKSH von der Flut erfasst?

Die Aktie von DKSH hat im Lauf des Monats ein satten Fünftel an Wert eingebüsst. Leidet das traditionsreiche Asien-Handelshaus vor allem am China-Schock - oder stecken etwa mehr Probleme dahinter?
26.08.2015 14:16
Von Marc Forster
Der Hauptmarkt von DKSH ist Thailand, und dort "brennt" es derzeit ebenfalls.
Der Hauptmarkt von DKSH ist Thailand, und dort "brennt" es derzeit ebenfalls.
Bild: Pixabay

Der Kursverlauf ist ziemlich hässlich: Seit Anfang Augst beträgt das Minus bei der Aktie von DKSH 19 Prozent. Der Sechs-Monate-Chart zeigt sogar einen Kursverfall von 25 Prozent an. Dabei hat das Schweizer Handelhaus, dessen Ursprünge in die 1860er Jahre zurück geht, einen guten Ruf - denn es ist dort aktiv, wo die Musik spielt: In Asien. 

Ausser im Handel mit Luxusgütern, Pharmaprodukten, Maschinen und Anlagen ist DKSH auch bei der Markteintritts- und Marktaufbaubegleitung anderer Unternehmen erfolgreich. Das Unternehmen mit Sitz im Zürcher Seefeld dehnt sich ausserhalb seiner traditionellen asiatischen Stammlanden auch in Zukunftsmärkten wie Sri Lanka, den Philippinen oder Burma aus. Als das Unternehmen im Frühling 2012 an die Börse ging, legte es einen fulminanten Start hin. 

DKSH-Kursverlauf in sechs Monaten (Quelle: cash.ch)

Der Kurssturz hängt auf jeden Fall mit dem Crash in China zusammen, wie Marco Strittmatter, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), erläutert: "Aus Greater China – also Festlandchina, Hongkong und Taiwan – kommen rund 30 Prozent des Umsatzes." Die "Fan Tree Company", wie sich das Unternehmen wegen des palmenartigen Firmenlogos auch nennt, erwirtschaftet aber einen ähnlich grossen Teil der Einnahmen in Thailand; In Bangkok standen im 19. Jahrhundert die ersten Aussenposten der Zürcher Handelhäuser, die heute DKSH bilden. 

Die seit Jahren von Unruhen und Staatstreichen geprägte Lage in Thailand wurde durch den schweren Bombenanschlag am 17. August weiter destabilisiert. Es bestünden nun Befürchtungen hinsichtlich Konsum und Tourismus, sagt ZKB-Experte Strittmatter. "Dazu kommt, dass sich vor allem im August auch noch die malaysische Währung Ringgit abgewertet hat." 

Uhren-Verkauf sorgt für Aufsehen

Die aktuelle Lage bietet DSKH also genügend Gegenwind. Die Halbjahreszahlen, die DKSH am 13. Juli präsentiert hatte, erfüllten die Prognosen der Märkte in etwa. Für Gesprächsstoff sorgte aber die Ankündigung, dass DKSH den Mehrheitsbesitz am Uhrenhersteller Maurice Lacroix zu verkaufen gedenkt. Der Nachfragerückgang bei Schweizer Uhren, vor allem in Asien, hat auch diese von DKSH vor wenigen Jahren übernommene Traditionsmarke getroffen. 

ZKB-Analyst Strittmatter, der das Aktien-Rating im Juli von markt- auf übergewichten gesetzt hat, also eine Kaufempfehlung ausspricht, sieht trotz all allem wenig Grund zur Sorge. "Mittel- und langfristig wird DKSH aber von der aufsteigenden Mittelklasse in Asien profitieren, vielleicht nun etwas langsamer." Die steigende Konsumfähigkeit der Mittelklasse lasse sich nicht aufhalten, und damit sei der Investment Case ist bei DKSH intakt. Der Verkauf von Maurice Lacroix hinterlasse einen schalen Beigeschmack, werde das Unternehmen langfristig aber nicht belasten, sagt Strittmatter. 

Klumpenrisiko und nachlassende Dynamik

Ausser der ZKB hält auch die UBS ein "Buy" für DKSH bereit. Die übrigen Analysten sind vorsichtiger und beliessen ihre Empfehlungen bei "Hold" bzw. "Neutral". Sie betonen das Klumpenrisiko in Thailand und warnen vor der nachlassenden Dynamik in den asiatischen Märkten. Als gewisses Risiko gilt bei DKSH auch, dass Handelsketten den Vertrieb in Asien selbst übernehmen. Dazu hat in den vergangenen Jahren für Unruhe gesorgt, dass sich die Manager öfters die Klinke in die Hand haben. DKSH ist allerdings so fest in den Märkten etabliert, dass das Unternehmen ziemlich viel falsch machen müsste, um ernsthaft in Schwierigkeiten zu kommen. 

Die Kursziele der Aktie, die aktuell knapp 60 Franken wert ist, liegen tendenziell höher - bis zu 82 Franken bei Goldman Sachs, wobei die amerikanische Grossbank die Erwartung vor wenigen Tagen von vorher 85 Franken zurückgenommen hat. Der Kursrückgang indessen hat dazu geführt, dass die Bewertung auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis 18,20 gesunken ist.