Yellen steuert nach Trump-Sieg auf rasche Zinserhöhung zu

Nach dem Sieg von Donald Trump bei der Präsidentenwahl steuert die Notenbank Fed weiter auf eine Zinserhöhung am Jahresende zu.
17.11.2016 16:30
Will die Zinsen in den USA baldmöglichst anheben: Fed-Chefin Janet Yellen.
Will die Zinsen in den USA baldmöglichst anheben: Fed-Chefin Janet Yellen.
Bild: pixabay.com

In ihrer ersten öffentlichen Rede seit dem Triumph des Republikaners betonte die Fed-Chefin Janet Yellen am Donnerstag, dass eine Anhebung "relativ bald" angebracht sein könne. Sie verwies bei ihrem Auftritt vor einem Kongressausschuss auf den Beschluss, den die Währungshüter Anfang November und damit kurz vor den Wahlen gefasst hatten. Yellen betonte, die amerikanische Wirtschaft habe sich weiter in Richtung der von der Fed angestrebten Ziele entwickelt. Die Notenbank peilt Vollbeschäftigung und stabile Preise an. Dass erste Ziel ist praktisch erreicht, die Inflationsrate bewegte sich zuletzt weiter in Richtung der von der Notenbank gewünschten Marke.

Die Fed-Chefin sagte, ein Hinauszögern der geldpolitischen Straffung könne dazu führen, dass Investoren in einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld übermässige Risiken eingingen. Dies könne bedeuten, dass spätere Zinserhöhungen dann in einer schnelleren Gangart erfolgen müssten. Die Fed hält die Zinsen seit Dezember 2015 in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Experten rechnen für Dezember mit einem Schritt nach oben, dem 2017 zwei weitere Schritte folgen könnten.

Dabei will die Fed behutsam vorgehen. US-Währungshüter Patrick Harker hat jedoch aggressivere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt, falls der künftige Präsident die Wirtschaft mit einem Konjunkturprogramm befeuern sollte. Dann könnten die geldpolitischen Schritte nach oben einem "steileren Pfad" folgen, sagte der Fed-Chef von Philadelphia. Viele Investoren erwarten eine steigende Inflation, da Trump Steuersenkungen und höhere Ausgaben angekündigt hat. Steigende Zinsen bremsen die Inflation.

Fed bei Inflation noch nicht am Ziel

Zuletzt war der Preisauftrieb jedoch noch moderat. Die Konsumentenpreise lagen im Oktober um 1,6 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr. Im September lag die Inflationsrate noch bei 1,5 Prozent. Die Währungshüter blicken bei der Inflation insbesondere auf die Preisveränderungen bei den persönlichen Konsumentenausgaben (PCE), wobei Energie- und Nahrungsmittelkosten aussen vor bleiben. Dieser Wert lag im September mit 1,7 Prozent noch unter der Fed-Zielmarke von 2 Prozent. Yellen sieht dies jedoch nicht als Hinderungsgrund für eine geldpolitische Straffung.

Wie Harker hat sich zuletzt auch dessen Kollegin Loretta Mester dafür ausgesprochen, an einer sukzessiven Erhöhung der Zinsen festzuhalten. Es sei zu früh, um vorherzusagen, welche Ausgaben- und Handelspolitik die neue Regierung verfolgen werde, sagte die Chefin der Fed von Cleveland. Insbesondere in der Industrie herrscht Furcht, dass der erklärte Freihandelsgegner Trump mit Handelsschranken letztlich Jobs im eigenen Land gefährden könnte. Diese Sorge treibt offenbar auch New-York-Fed-Chef William Dudley um, der auf die Bedeutung des Welthandels hinwies: "Handel und Verbindungen im Finanzsektor über Grenzen hinweg schweissen unsere Volkswirtschaften zusammen." Diese Kontakte seien mit der Zeit immer wichtiger geworden.

Auch die Rating-Agentur Fitch rechnet mit weitreichenden globalen Folgen, falls Trump sein Land wirtschaftlich stärker abschotten sollte - beispielsweise gegen Importe aus China. Dann sei es wahrscheinlich, dass die Volksrepublik mit Gegenmassnahmen reagieren werde. Dies werde für Wachstum und Inflation in beiden Staaten "schädliche Auswirkungen" haben, warnten die Bonitätswächter.

(Reuters)