Zahlen - Deutsche Post steigert Umsatz trotz Corona-Krise

Die Deutsche Post hat ihrem Umsatz im ersten Quartal trotz der Corona-Krise überraschend gesteigert.
12.05.2020 11:34
Fahrzeuge der Deutschen Post in Gangelt im Kreis Heinsberg.
Fahrzeuge der Deutschen Post in Gangelt im Kreis Heinsberg.
Bild: imago images / MiS

Die Erlöse legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp ein Prozent auf fast 15,5 Milliarden Euro zu, wie der Dax-Konzern am Dienstag bei der Vorlage ausführlicher Zahlen in Bonn mitteilte. Damit übertraf die Post die Schätzungen von Analysten leicht.

Dennoch bekamen die Bonner die Folgen der Pandemie deutlich zu spüren. Wie bereits bekannt, sackte das operative Ergebnis (Ebit) um fast die Hälfte auf 592 Millionen Euro ab - auch weil das überraschende Aus für den Streetscooter zusätzliche Kosten in Millionenhöhe verursacht. Die Post stellt die Produktion des Elektrolieferwagens noch 2020 ein. Der Nettogewinn brach um 60 Prozent auf 301 Millionen Euro ein.

An der Börse kamen die Nachrichten zunächst gut an. Am Vormittag lag die Post-Aktie mit rund 2,3 Prozent im Plus und war damit Spitzenreiter im Dax. Im laufenden Jahr haben die Papiere im Zuge der Marktturbulenzen aber fast ein Fünftel eingebüsst. Mit Blick auf die zurückliegenden drei Jahre sieht es mit einem Minus von rund 14 Prozent kaum besser aus.

Bereinigt um die Pandemie-Auswirkungen von 210 Millionen Euro sowie Belastungen von 234 Millionen Euro beim Streetscooter hätte sich das operative Ergebnis auf rund eine Milliarde Euro belaufen, erläuterte das Management. Das seien rund 200 Millionen Euro mehr als das um Einmaleffekte bereinigte Vorjahresergebnis.

Auch im April habe die Covid-19-Pandemie auf den operativen Gewinn gedrückt, sagte Finanzchefin Melanie Kreis in einer Telefonkonferenz. Eine Grössenordnung nannte sie nicht. Die Belastung habe aber im Rahmen der Erwartungen des Konzerns gelegen.

Deutsche Post robust aufgestellt

Konzernchef Frank Appel sieht die Deutsche Post mit ihrer breiten geographischen Aufstellung und ihren Geschäftsfeldern auch für Krisenzeiten robust aufgestellt. Trotz der aktuellen Herausforderungen hätten alle Sparten profitabel gewirtschaftet.

Dabei waren Paketmengen im deutschen Post- und Paketgeschäft zum Ende des ersten Quartals deutlich gestiegen. Auch momentan sehe die Deutsche Post noch starke Volumina, auch wenn diese nicht mehr ganz so stark seien wie noch rund um Ostern, sagte Appel in der Telefonkonferenz. Die Lieferzeiten hätten sich nun deutlich normalisiert. Wegen der für diese Jahreszeit unerwartet grossen Mengen musste die Post zahlreiche neue Mitarbeiter einstellen. Wie viele Mitarbeiter der Konzern noch zusätzlich an Bord holen müsse, sei derzeit noch nicht absehbar, sagte Appel.

Dagegen musste die Post im heimischen Briefgeschäft im ersten Quartal klare Rückgänge hinnehmen. Gleiches galt für das DHL-Frachtgeschäft und die Lieferkettenlogistik. Im DHL-Express-Geschäft mit internationalen zeitkritischen Sendungen, in dem der Konzern einen Grossteil seines Gewinns erwirtschaftet, legte der Umsatz hingegen zu. Dabei habe sich das China-Geschäft nach dem Tiefpunkt im Februar bereits im März wieder erholt, hiess es. Im April habe sich das Geschäft wie erwartet entwickelt.

Momentan keine Jahresprognose

Die Jahresprognose hatte der Vorstand wegen der hohen Unsicherheiten durch die Corona-Krise kürzlich zurückgezogen. Eine neue Prognose will die Post erst abgeben, wenn es eine verlässlichere Basis für eine detaillierte Ergebnisprognose gibt. "Die Lage ist immer noch sehr volatil", sagte Kreis. Allerdings bestätigte die Deutsche Post erneut ihr Mittelfristziel. Demnach soll das Ebit bis zum Jahr 2022 auf 5,3 Milliarden Euro steigen. Auch an ihrer Langfrist-Strategie bis 2025 hält die Post fest.

Analyst Daniel Roeska vom US-Analysehaus Bernstein Research befand, dass der Logistikkonzern sich in der Corona-Krise gut halte. Der Ton bei der Vorstellung des gesamten Zahlenwerks sei zuversichtlich.

Der Zustand des Konzerns sei trotz aller Herausforderungen sehr stabil, sagte Appel. Um die Kosten zu reduzieren, hat der Konzern allerdings einen Einstellungsstopp beschlossen. Appel betonte, dass sich der Konzern in Sachen Kurzarbeit auf einem Niveau im sehr niedrigen einstelligen Prozentbereich bewege.

Nichts Neues gab es zur Dividende. Der Dax-Konzern aus Bonn hatte seinen Dividendenvorschlag von 1,25 Euro je Aktie im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen kürzlich bekräftigt. Die finale Entscheidung zur Dividende treffe die Hauptversammlung, sagte Finanzchefin Kreis. Ein neuer Termin werde noch bekanntgegeben.

(AWP)

 
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