Zahlenflut prallt an den Aktienmärkten ab

Die Bilanzsaison hat die Anleger bisher kaum überzeugt. Das dürfte sich in der neuen Woche fortsetzen: Der US-Wahlkampf und die Notenbanken sind interessanter.
29.10.2016 16:12
Der Kampf ums Weisse Haus wird die Börsen beschäftigen.
Der Kampf ums Weisse Haus wird die Börsen beschäftigen.
Bild: Pixabay

Dass der US-Präsidentschaftswahlkampf in die heisse Phase geht und gleich drei international bedeutende Notenbanken über ihre weitere Geldpolitik entscheiden, beherrscht die Stimmung an den Börsen. "Politische und wirtschaftliche Unsicherheit ist das Schlimmste, was es für die Börsen gibt. Da können die Zahlen der Unternehmen so gut sein, wie sie wollen", sagt Aktienexperte Fidel Helmer von der deutschen Privatbank Hauck & Aufhäuser.

Die Bilanzsaison der Unternehmen zum dritten Quartal oder den ersten neun Monaten des Jahres gerät dabei in den Hintergrund. International und in der Schweiz ist viel los. Im Schweizer Markt stellen nächste Woche unter anderem die SMI-Konzerne Credit Suisse, Swiss Re, LafargeHolcim, Swisscom und Richemont ihre Zahlen vor. Im Falle Richemonts sind es allerdings die Daten zum ersten Halbjahr, da der Luxusgüterkonzern sein Geschäftsjahr unter dem Kalenderjahr beginnt.

Auch grössere Konzerne wie Dufry, Ascom oder OC Oerlikon lassen sich in die Bücher schauen. Weltweit stehen unter anderem mit mit Facebook, AIG, Royal Dutch Shell, Pfizer zahlreiche Schwergewichte auf dem Programm.

Gleich zu Beginn der Woche wird es mit der ersten Schätzung für das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone im dritten Quartal spannend. Börsianer wollen wissen, wie stabil sich die Konjunktur nach dem Brexit-Schock vom Juni entwickelt hat. Experten der DZ Bank rechnen mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent, das wäre so viel wie im zweiten Quartal.

US-Wahlkampf in der letzten Runde

Bestimmendes Gesprächsthema ist die heisse Phase im US-Wahlkampf. Am 08. November wählen die Amerikaner ihren neuen Präsidenten. Zwar hat die Demokratin Hillary Clinton in Umfragen die Nase vorn. Sollte ihr republikanischer Rivale Donald Trump aufholen, könnte das zu Schwankungen an den Börsen führen. Zuletzt geriet Clinton wieder unter Druck, weil das FBI die Ermittlungen zur E-Mail-Affäre wieder aufnahm. Ein Sieg des Immobilien-Milliardärs dürfte die Märkte gehörig durcheinanderwirbeln, da seine politischen und wirtschaftlichen Ziele nicht klar sind. Schon auf die Nachricht von den FBI-Ermittlungen reagierte die Wall Street am Freitag nervös.

Die Zinspolitik der Notenbanken dürfte deswegen in den Hintergrund rücken. Mit einer Anhebung der US-Notenbank bei ihrer am Dienstag beginnenden Sitzung rechnet ohnehin kaum ein Börsianer. "Wenige Tage vor der US-Wahl wird die Fed nicht mit einer unerwarteten Zinsanhebung für Volatilität sorgen wollen", sagt Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank. Im Dezember dürfte es nach Meinung der Experten aber so weit sein. Denn die Konjunktur in der grössten Volkswirtschaft der Welt läuft gut, vor allem der Arbeitsmarkt brummt. Spannend wird deshalb der Arbeitsmarktbericht am Freitag. Experten rechnen damit, dass 175.000 neue Stellen geschaffen wurden.

Auch die Notenbanken von Grossbritannien und Japan werden nach Ansicht von Experten die Füsse still halten. Die japanische Notenbank hat ihrer ultralockeren Geldpolitik erst bei der letzten Sitzung im Dezember eine neue Stossrichtung gegeben. Die britischen Währungshüter werden ihren Leitzins am Donnerstag wohl ebenfalls unverändert bei 0,25 Prozent halten.

(Reuters/cash)