Zahlungsabwickler - Hedgefonds-Manager verdiente 200 Millionen Dollar mit Wirecard-Debakel

Hedgefonds-Manager Christopher Hohn hielt nichts vom Zahlungsabwickler Wirecard und wettete gegen ihn. Er hat viel verdient, wie andere Leerverkäufer auch.
26.06.2020 11:11
Chris Hohn ist Gründer von TCI in London.
Chris Hohn ist Gründer von TCI in London.
Bild: Screenshot Youtube

Christopher Hohn, Manager und gründer der britischen Hedgefondsgesellschaft TCI, hat mit Leerverkäufen auf Wirecard-Aktien rund 200 Millionen Dollar verdient, wie er dem deutschen"Handelsblatt" in einem Interview sagte. Insgesamt haben Leerverkäufer wegen des Absturzes der Wirecard-Aktie laut "Financial Times" in den letzten Tagen über 1 Milliarde Euro verdient.

Bei Leerverkäufen wetten Anleger auf einen Kursverfall einer Aktie. Dabei verkaufen sie Wertpapiere, die sie sich zuvor gegen eine Gebühr leihen. Sinkt der Preis bis zum Rückgabe-Datum, können sie sich billiger mit den Titeln eindecken und streichen die Differenz ein. Steigt der Kurs dagegen, droht den Leerverkäufern Verlust. 

Laut Hohn, der schon früh vor Wirecard warnte, ist der Zahlungsabwickler nicht zu retten. Wirecard habe keine Assets, die als Übernahmekandidat attraktiv wären. "Alle Kunden werden zu anderen Anbietern wechseln. Und aus meiner Sicht hat Wirecard keine einzigartige Technologie, es gibt viele andere Wettbewerber."

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"Der gesamte Aufsichtsrat hat versagt und sollte zur Verantwortung gezogen werden", sagte der britische Hedgefondsmanager weiter. Er fordert zudem ein schärferes Vorgehen der deutschen Aufseher im Wirecard-Skandal. Die Behörden seien "monatelang untätig geblieben, obwohl die 'Financial Times' Beweise veröffentlicht hatte. Alle Warnungen wurden ignoriert, alle wollten dem CEO glauben."

Hohn fragt sich, ob die deutschen Behörden der Firma nicht umgehend die Lizenz als Bank und Zahlungsdienstleister entziehen sollten. "Sie können die Firma nicht einfach weitermachen lassen, sondern müssen die Wirecard-Kunden und das deutsche Bankensystem schützen.“

Chris Hohn ist kein unbeschriebenes Blatt. Er kegelte den damaligen Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert aus dem Amt und erreichte auch den Abgang des Chairmans bei der Londoner Börse.

"Wenn Wirecard in den USA oder Grossbritannien gelistet wäre, hätten die Behörden viel früher interveniert. Ich denke, sie
wären gleich nach dem ersten FT-Bericht aktiv geworden", so Hohn weiter.

(Bloomberg/cash)