Zehn Dinge, die völlig anders kommen könnten

Wachstumsflaute, Börsenbaisse oder steigende Aktienkurse in den Schwellenländern - die Credit Suisse nennt zehn finanzmarktbezogene Dinge, die anders kommen könnten als gedacht.
19.01.2016 08:19
Von Lorenz Burkhalter
Die Credit Suisse rechnet offziell zwar nicht mit einer Börsenbaisse, schliesst eine solche aber auch nicht kategorisch aus.
Die Credit Suisse rechnet offziell zwar nicht mit einer Börsenbaisse, schliesst eine solche aber auch nicht kategorisch aus.

Die Angst vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft hat die Finanzmärkte in den letzten Wochen kräftig durchgeschüttelt. Man muss schon weit in der Vergangenheit zurückgehen, um auf einen auch nur annähernd so schwachen Jahresauftakt zu stossen.

Zu diesem aktuellen Anlass haben die Aktienstrategen der Credit Suisse eine Liste von Dingen zusammengestellt, die anders kommen könnten als allgemein angenommen. Hier sind die zehn möglichen Überraschungen:

Wachstum in den USA fällt auf 1 Prozent: Am Bruttoinlandprodukt (BIP) gemessen, traut die Schweizer Grossbank der amerikanischen Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 2,2 Prozent vor. Allerdings räumt sie ein, dass einige Vorausindikatoren und die Unternehmensgewinne auf ein mageres Wachstum von 1 Prozent hindeuten.

US-Aktienmarkt verfällt in eine Baisse: Anfang Dezember haben die Experten die empfohlene Aktiengewichtung auf den tiefsten Stand seit 2008 zurückgefahren. Nach dem jüngsten Kursrückschlag sehen sie die Börsen nun allerdings steigen. Im Falle einer ausbleibenden Wachstumserholung in den USA und unverändert hoher Risikoaufschläge an den Anleihenmärkten halten die Aktienstrategen weitere Kursverluste im Umfang von 8 Prozent für möglich.

Harte Landung der chinesischen Wirtschaft: Die Credit Suisse ist schon eine ganze Weile vorsichtig, was China anbetrifft. Mit einer harten Landung der dortigen Wirtschaft rechnet die Schweizer Grossbank zumindest offiziell aber nicht. Den Experten zufolge könnte eine solche dann zum Thema werden, wenn die Häuserpreise um 15 Prozent fallen, das Verhältnis von Krediten zu den Spareinlagen auf 100 Prozent steigt und/oder sich der Kapitalabfluss aus der Volksrepublik weiter beschleunigt.

Der Renminbi büsst 20 Prozent ein: Die chinesischen Währung ist in einem hohen Grad von der weiteren Wirtschaftsentwicklung abhängig. Die am frühen Dienstagmorgen veröffentlichten Konjunkturindikatoren sind insgesamt zwar etwas schwächer als erwartet ausgefallen, deuten aber nicht auf eine harte Landung hin. Eine solche könnte die chinesische Zentralbank zu einer weiteren Abwertung des Renminbi um bis zu 20 Prozent zwingen, so die Aktienstrategen. Offiziell erwartet die Credit Suisse über die nächsten 12 Monate aber nur leichte Kursverluste gegenüber dem Dollar.

Defensive Aktien legen stark zu: Noch rechnen die Experten bei den weitestgehend vom Konjunkturverlauf unabhängigen Aktien aus den Sektoren Pharma und Telekommunikation nur mit einer moderat steigenden Bewertung. Dennoch schliessen sie nicht aus, dass die Probleme von Unternehmen aus dem Rohstoff- und Energiesektor in einer Flucht in Qualität münden werden. Das wiederum wäre positiv für den Schweizer Aktienmarkt, sind die defensiven Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis beim Swiss Market Index doch für gut die Hälfte der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

Europa wächst stärker als die USA: Die Schweizer Grossbank traut dem Euroraum in diesem Jahr ein BIP-Wachstum von 1,9 Prozent zu, was unter der offiziellen Wachstumsprognose von 2,2 Prozent für die USA liegt. Sollte letzteres jedoch nur bei 1 Prozent liegen, würde Europa vermutlich stärker als die USA wachsen.

Der Euro steigt auf 1,20 Dollar: Eine solche Divergenz bei der Wirtschaftsentwicklung würde den Aktienstrategen zufolge auch an den Devisenmärkten zu grösseren Verwerfungen führen.

Schwellenländeraktien werden zu den Jahresgewinnern: Nach dem Ausverkauf an den Schwellenländerbörsen raten die Experten ihrer Anlagekundschaft zu einem leichten Übergewicht bei den Aktien aus den aufstrebenden Regionen. Je nach Wirtschaftsentwicklung in den USA und Europa wird nicht ausgeschlossen, dass die Schwellenländerbörsen in diesem Jahr sogar zu den Gewinnern aufsteigen.

Der Ölpreis fällt auf 20 Dollar: Die Aktienstrategen halten einen Rückschlag beim Rohöl auf 20 Dollar je Fass, gefolgt von einer raschen Gegenbewegung auf 45 Dollar für möglich. Offiziell rechnet die Credit Suisse bis Ende 2016 allerdings mit einem Fasspreis von 58 Dollar.

Grossbritannien tritt aus der EU aus: Den Experten zufolge könnte es in Grossbritannien schon im Juni zu einem Referendum rund um die Mitgliedschaft in der Europäischen Union (EU) kommen. Obschon zuletzt die Befürworter eines solchen Austritts zulegen konnten, glaubt man bei der Schweizer Grossbank grundsätzlich ein einen Verbleib Grossbritanniens in der EU.