Zehn Gründe zur Vorsicht bei Europa-Aktien

Eine französische Grossbank nimmt kurzfristig eine negative Haltung für europäische Aktien ein und nennt gleich zehn Gründe, weshalb Anleger derzeit Vorsicht walten lassen sollten.
17.03.2014 08:16
Von Lorenz Burkhalter
Darf man den Strategen von Exane BNP Paribas Glauben schenken, dann müssen sich die Haussiers in Acht nehmen.

Anders als das Gros ihrer Berufskollegen sind die Strategen von Exane BNP Paribas derzeit auf kurze Sicht negativ für die europäischen Aktienmärkte. Beim Stoxx 600 Index resultiert seit Jahresbeginn bestenfalls eine schwarze Null. Deshalb sei die allseits gefeierte Hausse in Frage zu stellen, schreiben sie in einem Kommentar.

Die Strategen legen mit zehn Gründen nach, weshalb sie Anleger derzeit zur Vorsicht anhalten:

Ernüchternde Berichterstattung: Die von europäischen Unternehmen für das zurückliegende vierte Quartal veröffentlichten Ergebnisse sind einmal mehr schwach ausgefallen. Sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn sind die Erwartungen teilweise deutlich verfehlt worden. Die Strategen zeigen sich überrascht, dass die Ergebnisenttäuschungen die Aktienmarktentwicklung nicht stärker beeinträchtigt haben.

Wachstumserwartungen werden zurückgenommen: Über die letzten drei Jahre sind die Markterwartungen teilweise viel zu optimistisch gewesen. Dasselbe zeichnet sich nun auch für das laufende Jahr ab. Obschon sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aufhellen würden, müssten Analysten ihre Umsatz- und Gewinnschätzungen erneut zurücknehmen.

Bewertung so hoch wie seit 2007 nicht mehr: Die Bewertung europäischer Aktien ist zuletzt in die Nähe der bisherigen Höchststände von 2007 gestiegen. Solch eine Bewertung ist nur dann gerechtfertigt, wenn die Gewinnentwicklung die Talsohle durchschritten hat. Das sei bisher allerdings nicht der Fall, so die Strategen.

Konsensschätzungen zu hoch: Vom Wirtschaftsumfeld aus betrachtet sind die Konsensschätzungen für europäische Unternehmen noch immer viel zu optimistisch. Das lässt sich zumindest von den Annahmen für das Bruttoinlandprodukt, die Lohnstückkosten und die Währungsentwicklung ableiten.

Falsche Hoffnungen für die Binnenwirtschaft: In den letzten Monaten haben sich vor allem Aktien von europäischen Unternehmen mit einem hohen Ergebnisbeitrag aus der heimischen Wirtschaft gut entwickelt. Das Gewinnmomentum spricht jedoch alles andere als für Aktien solcher Firmen.

Neubewertung in Europa weit fortgeschritten: Aufgrund stagnierender Unternehmensgewinne ist die Bewertung an den europäischen Aktienmärkten gestiegen. An eine weitere Neubewertung glauben die Strategen nicht mehr.

Deflationsrisiken in den Peripherieländern: Die Strategen setzen derzeit ganz klar auf Aktien von Unternehmen mit einer soliden Bilanz und einer grosszügigen Dividendenpolitik. Denn weitere Ergebnisenttäuschungen sind nicht der einzige Gefahrenherd für die europäischen Aktienmärkte. In Spanien und in anderen Peripherieländern zeichnet sich immer mehr eine Deflation ab.

Auch Deutschland bekundet Probleme: Auch in Deutschland und in Frankreich ist die Teuerung zuletzt gegen Null gesunken. Selbst in diesen beiden zur Kerngruppe gehörenden Ländern droht daher Deflation.

Starker Euro wird zur Hypothek: Die Märkte gehen von einem im Jahresverlauf wieder schwächeren Euro aus. Bei Exane BNP Paribas hält man die Heimwährung derzeit jedoch für fair bewertet. Auch in diesem Zusammenhang sind in Europa rückläufige Gewinnerwartungen zu befürchten.

Schwellenländer-Risiken: Ein Risiko für die Unternehmensgewinne geht auch von den Schwellenländern aus. Nach übertrieben starken Jahren werden sich immer mehr strukturelle Probleme bemerkbar machen. Um diesen Problemen Herr zu werden, ist die Politik gefordert. Die Strategen gehen davon aus, dass sich die Situation in den Schwellenländern zuerst noch einmal eintrübt, bevor sie besser wird.