Zehn wichtige Schweizer Firmentermine für 2017

CEO-Wechsel, Börsengänge, Stellenabbau, Bussen. Auch 2017 steht für Schweizer Top-Firmen einiges auf dem Plan. Zehn Ereignisse von Nestlé bis LafargeHolcim, die sicher - oder ziemlich sicher - über die Bühne gehen.
02.01.2017 23:05
Von Marc Forster und Daniel Hügli
Die Credit Suisse will im Herbst ihr Schweizer Geschäft an die Börse bringen.
Die Credit Suisse will im Herbst ihr Schweizer Geschäft an die Börse bringen.
Bild: Bloomberg

Januar

Seit dem 1. dieses Monats ist Ulf Mark Schneider Chef des zuletzt wachstumsschwachen Nahrungsmittelriesen Nestlé. Schneider kam vom Gesundheitskonzern Fresenius und wird in Deutschland als "bester deutscher Manager seiner Generation" abgefeiert. Er ist seit 1922 der erste Firmenchef, den Nestlé von aussen holt. Schneider wird den Umbau von Nestlé hin zum Gesundheits- und Wellnesskonzern beschleunigen – keine leichte Aufgabe angesichts über Jahrzehnte gewachsener und verkrusteter Nestlé-Strukturen.

Bis Ende Januar ist der Allschwiler Biopharmakonzern Actelion verkauft. Der Druck auf Firmengründer und CEO Jean-Paul Clozel, der sich seit Jahren gegen eine Übernahme wehrt, wurde von Investorenseite schlicht zu gross. Ziemlich sicher wird nicht die französische Sanofi zum Heiratspartner, sondern der US-Konzern Johnson & Johnson (J&J), der sich vor Wochen schon einmal beleidigt aus den Verhandlungen zurückgezogen hatte. Doch J&J kommt Clozel entgegen, weil die von ihm geliebten Forschungsaktivitäten von Actelion separat an die Börse kommen, während der grosse Rest des Konzerns für einen schönen Preis an J&J geht.

Februar

Am 9. Februar präsentiert Zurich-Chef Mario Greco, seit März letzten Jahres im Amt, zum ersten Mal die Jahresresultate des Versicherungskonzerns. Greco, der zuvor mit seinem Sparkurs den italienischen Versicherer Generali fit getrimmt hatte, muss Zahlen liefern, wie weit er mit seinem Sparprogramm von 1,5 Milliarden Dollar ist, wie viele Stellen und Aufwendungen dies kosten wird und ob der Versicherer die Dividende von 17 Franken pro Aktie beibehalten wird. Gleichzeitig muss Greco schauen, dass die Stimmung bei Zurich nicht kippt und und dass die Sparerei nicht auf Kosten des Wachstums und der Kreativität geht.

März

ChemChina ist endlich am Ziel: Nachdem die Angebotsfrist für Syngenta zum fünften Mal bis zum 2. März verlängert werden musste, hat der Staatskonzern endlich die Kontrolle über die Agrarchemie-Gruppe. Im ersten Quartal konnten letzte Hindernisse in der Form von regulatorischen Auflagen beseitigt werden. Das 43 Milliarden Dollar schwere Geschäft ist die grösste Auslands-Akquisition eines chinesischen Unternehmens bisher. China wird damit zum wichtigen Akteuer in der Agrarchemie.

Vergangenen September beendete der Patriarch von Lindt&Sprüngli, Ernst Tanner, sein Doppelmandat. Der 70-jährige Firmenlenker wird als machtbewusster Verwaltungsratspräsident den Schokoladenhersteller aber weiter prägen. Dennoch, mit dem langjährigen Finanzchef Dieter Weisskopf wird am 7. März an der Jahresmedienkonferenz ein neuer CEO vor die Medien treten. Weisskopf gehört dem Lindt-Management seit zwei Jahrzehnten an hat den heutigen Erfolg des Unternehmens mitverantwortet. Er muss beweisen, dass er diesen weiterführen kann, denn der Aktienkurs ist seit der Ankündigung des Lindt-CEO-Wechsels Anfang Juni 16 Prozent gesunken.

Mai

Mit einer hohen Busse beendet die Zürcher Kantonalbank nach langen Jahren endlich den Steuerstreit mit den Justizbehörden in Washington DC. Das grösste Schweizer Staatsinstitut hatte nach dem Schuldbekenntnis der UBS 2008 in den USA Kunden mit den Versprechen angelockt, unversteuertes Geld weiter zu verstecken. Die Gewinnausschüttung an den Kanton Zürich und dessen Gemeinden sei durch die Busse nicht in Gefahr, beteuert die Bank. Um die Tragbarkeit von Martin Scholl als ZKB-Konzernchef entbrennen Diskussionen.

August

Eigentlich hätte man die Transaktion schon 2016 erwartet, und auch 2017 dauert es eine Weile: Doch im Spätsommer verkauft Novartis einen Teil seiner 53 Millionen Roche-Inhaberaktien an den Basler Lokalkonkurrenten. Novartis hält das Paket, das 9 Prozent aller Roche-Papiere und 33 Prozent der Stimmen ausmacht, seit 2001 und ist ein Erbe des ex-Firmenlenkers Daniel Vasella. Für Novartis springt nach dem Verkauf ein Buchgewinn von geschätzten 5 Milliarden Franken heraus, und Roche ist froh, dass das Paket nicht in die Hände eines strategisch oder finanziell orientierten Investors fällt.

September

Noch eine Milliardenbusse für die UBS: Sie zahlt in Frankreich geschätzte 3,8 Milliarden Euro dafür, dass sie 2004 bis 2012 reichen Franzosen beim Steuerbetrug geholfen hat. Ermittler legen nahe, dass bei der grössten Schweizer Bank über 13 Milliarden Euro unversteuertes Geld gelegen hat. Die UBS aber kommt um ein Schuldbekenntnis herum und legt den grössten noch verbliebenen Rechtsstreit wegen Steuersünder-Kunden mithilfe der Milliardenzahlung bei. 

Oktober

Der grösste Börsengang in der Schweiz seit mindestens zehn Jahren ist Tatsache: Etwa 30 Prozent der erfolgreichen Schweizer Einheit der CS bringt die Bank an den Aktienmarkt und löst dabei vier Milliarden Franken. Mit dem IPO der Credit Suisse Schweiz sind fortan zwei CS-Aktien an der Schweizer Börse gelistet. Das Geld kommt der Grossbank gelegen, den sie muss weiter ihre vergleichsweise schwache Kapitalbasis aufpolstern. Die CS-Aktionäre atmen auf, denn für sie ist eine weitere Kapitalerhöhung vorerst von Tisch. 

Dezember

Eric Olsen, CEO des Zementkonzerns LafargeHolcim, nimmt mit Befriedigung zur Kenntnis, dass er das Ziel von weiteren Verkäufen von Firmenteilen im Wert von 1,5 Milliarden Franken bis Ende Jahr erreicht hat. Zuvor schon im 2017 hat LafargeHolcim wie angekündigt seinen Namen geändert. Allerdings muss Olsen auch eingestehen, dass aus den ambitionierten Zielen vom Mehrwert aus der Fusion von 2015 nicht das wurde, was man den Investoren in Aussicht gestellt hatte.