Zeit für «Wurst und Bier»-Aktien

Die milden Frühlingsabende locken bereits wieder zum Grillieren. Auch Anleger können jetzt profitieren - sofern sie auf die richtigen Titel setzen.
09.04.2014 01:00
Von Frédéric Papp
Die Schweizer Nationalwurst Cervelat ist wieder teurer geworden.
Die Schweizer Nationalwurst Cervelat ist wieder teurer geworden.
Bild: freeimages

Nun kommt sie wieder: Die Zeit der lauen Abende, die zum Grillieren mit Freunden und Bekannten einlädt. In dieser Zeit steigt tendenziell der der Fleischkonsum, aber auch der Durst nach Bier. Da liegt es für Anleger auf der Hand, auf diese Zeit hin in so genannte "Wurst- und Bier"-Aktien zu investieren - sprich in Unternehmen, die in irgendeiner Form an den Umsätzen partizipieren, die im Zusammenhang mit dem Grillieren stehen. 

Zum Beispiel der Wurst- und Fleischproduzent BellDas Unternehmen gehört zu den führenden Fleischverarbeitern in der Schweiz und beliefert unter anderem den Detailhandel. Wichtigster Kunde ist der Coop-Konzern, der gleichzeitig Mehrheitsaktionär ist. Die Aktie kletterte bereits in den letzten vier Wochen 2,5 Prozent und damit deutlich stärker als der Gesamtmarkt.

Damit reagiert der Aktienkurs auf den besonders frühen Grillstart 2014. Denn das Wetter hat einen entscheidenden Einfluss auf die Notierungen, wie ein Blick zurück zeigt. Als im letzten Jahr die Grillsaison sprichwörtlich ins Wasser fiel, sackten die Bell-Titel über 10 Prozent ab. 

Fraglich bleibt einzig, wie die allgemeine Erhöhung der Cervelat-Preise bei den Grillmeistern ankommt. Diese wurden Anfang Jahr wegen höherer Rohstoffkosten um sieben Prozent angehoben. Immerhin erwartet Bell eine Stabilisierung der übrigen Fleischpreise. Diese hatten 2013 noch deutlich zugelegt.

Auf die grossen Durstlöscher setzen

Auch die Bier-Aktien legen ab Frühling saisonbedingt zu. So notieren derzeit die Titel von Anheuser-Busch Inbev, weltweit die Nummer eins im Biermarkt, auf einem Allzeithoch. Die Aktien von SABMiller und Heineken haussierten in den letzten vier Wochen je gut 7 Prozent und bewegen sich auf Jahreshöchstkursen. Zum niederländischen Bierbrauer Heineken gehören auch die Schweizer Marken Calanda, Eichhof und Ittinger. Die Titel des viertgrössten Gerstensaftherstellers Carlsberg hingegen – zu dem auch Feldschlösschen gehört – bekunden etwas Mühe.

Allgemein kämpfen die Bierbrauer mit erodierenden Umsätzen in den USA und Europa. Jüngere Jahrgänge ziehen entweder gesündere Säfte oder härtere Schnäpse vor. Hinzu kommt die sogenannte Craft-Beer-Bewegung in den USA, wobei weniger bekannte Markenbiere konsumiert werden, sondern vermehrt lokale Biere von Kleinbrauereien.

Kompensiert wird der Umsatzschwund durch eine wachsende Nachfrage in Ländern wie Brasilien, Russland oder China. Zudem intensiviert sich in der Branche der Konsolidierungsprozess, was Kosteneinsparungen bringt und die Margen stabilisiert. Vor allem die Grossen wie Anheuser-Busch, SABMiller oder Heineken gingen in den letzten Jahren auf Einkaufstour.

Coca-Cola und Nestlé

Zum Grillen gehören auch Softdrinks - und hier drängt sich vor allem ein Unternehmen auf: Coca-Cola. Dem Getränkegiganten machen zwar ein Gewinnrückgang von 5 Prozent und das Image einer ungesunden Marke zu schaffen. Die Fussball-WM in Brasilien, eine "gesündere" Cola und gutes Marketing sollten dem US-Unternehmen im Jahr 2014 aber wieder bessere Zahlen bescheren.

Einer Dividende könnten sich Aktionäre jedenfalls gewiss sein. Und wer es mit Warren Buffet hält, investiert in Coca-Cola, trinkt einen Schluck Cherry-Coke und lehnt sich entspannt zurück (cash berichtete).

Auch Nestlé hat diverse Produkte in den Reihen für einen gelungenen Grillabend. Knapp die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet der Waadtländer Nahrungsmittelmulti mit Wasser, Softdrinks und Speiseeis. Die Aktie hat sich nach den durchzogenen Jahreszahlen wieder gefangen. Seit Mitte März kletterte das Papier 6 Prozent.

Das US-Analysehaus Sandford Bernstein Research hat Nestlé in einer kürzlich erschienenen Studie von "Market-Perform" auf "Outperform" hochgestuft und das Kursziel von 67,50 auf 78 Franken angehoben. Am Donnerstag gingen die Titel bei gut 68 Franken aus dem Handel. Dem Konsumgüterhersteller stehe weiteres Umsatz- und Margenwachstum bevor, schrieb der Analyst in der Studie. Zudem hält er Aktienrückkäufe nach dem Verkauf eines Teiles der L'Oréal-Beteiligung für gut möglich.

Saison für Grillhersteller

Zu jedem Barbecue gehört auch ein anständiger Grill. Bekannte Hersteller sind Weber Grill und Outdoorchef. Letztere gehört zum Zürcher Handelskonzern DKSH. Die Aktie ist seit Anfang Februar nach einer einjährigen Korrekturphase auf den Erholungspfad eingeschwenkt. Für Unsicherheit sorgt aber nach wie vor die heikle politische Lage in Thailand – einem Kernland von DKSH. Darüber hinaus ist die derzeitige Wechselkurssituation –insbesondere für den Yen - ungünstig.

Für das laufende Jahr gibt sich das DKSH-Management zuversichtlich und erwartet Rekordwerte. Das Gros der Analysten sieht die Aktie beim aktuellen Kursniveau von 70 Franken aber für fair bewertet.