Zementkonzern gut unterwegs - Aktie von LafargeHolcim erhält Auftrieb

Der Quartalsumsatz fällt bei LafargeHolcim stärker als erwartet. Allerdings wird dem überzeugenden Ausblick ein grösseres Gewicht beigemessen. Die Aktie steigt auf ihren höchsten Stand seit August 2015.
02.03.2017 11:12
Von Lorenz Burkhalter
Eric Olsen ist CEO von LafargeHolcim.
Eric Olsen ist CEO von LafargeHolcim.
Bild: cash

In den letzten Wochen wurde dem Ostschweizer Zementhersteller LafargeHolcim von einigen  Analysten ein enttäuschendes Schlussquartal nachgesagt. Allerdings erweisen sich diese Ängste rückblickend übertrieben, wie das seit dem frühen Donnerstagmorgen vorliegende Resultat eindrucksvoll zeigt.

Denn obwohl der Nettoumsatz erneut hinter den Markterwartungen zurückbleibt, werden die Prognosen beim bereinigten operativen Gewinn (EBITDA) ziemlich deutlich übertroffen. Das eigentliche Highlight, so ist man sich in Analystenkreisen einig, ist aber der Ausblick. Mit einem zweistelligen Wachstum beim betrieblichen EBITDA für dieses Jahr hat kaum jemand gerechnet.

Gerade die Aussicht auf ein prozentual zweistelliges Gewinnwachstum lässt die LafargeHolcim-Aktie an der Schweizer Börse kräftig steigen. Zur Stunde gewinnt sie noch 2,8 Prozent auf 59,60 Franken. Im frühen Handel wurden im Zuge von Anschlusskäufen sogar Kurse von bis zu 60,80 Franken bezahlt, was dem höchsten Stand seit August 2015 entspricht.

Wie einem Kommentar der Bank Vontobel zu entnehmen ist, übertrifft der bereinigte operative EBITDA die Erwartungen im Schlussquartal dank starker Synergien und höherer Absatzpreise. Erneut habe der Zementkonzern die sich selber gesetzten Zielsetzungen erreicht, so schreibt der Verfasser des Kommentars weiter. Vom starken Ausblick schliesst er darauf, dass die Gewinndynamik auch im neuen Jahr hoch bleiben wird. Das erklärt auch die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 65 Franken für die Aktie.

Besser als die Konkurrenz

Gemäss dem für die Zürcher Kantonalbank tätigen Analysten sitzt der Umsatz im Schlussquartal rund 4 Prozent unter den Markterwartungen. Er sieht darin eine Trendfortführung gegenüber den ersten neun Monaten und eine Folge der Preis-vor-Volumen-Strategie von LafargeHolcim.

Als weitere Folge liegt der bereinigte operative EBITDA im Gegenzug rund 10 Prozent über den Erwartungen. Den Margenanstieg um 590 Basispunkte bezeichnet der Experte als "eindrücklich".

Im Unterschied zu anderen Rivalen wie HeidelbergCement und Cemex sei es dem Weltmarktführer im Schlussquartal möglich gewesen, die Erwartungen auf adjustierter operativer Gewinnstufe zu übertreffen. Die Kostensenkungseffekte seien rückblickend unterschätzt worden, so der Analyst. Er empfiehlt die Aktie weiterhin mit "Übergewichten" zum Kauf.

Vielversprechender Ausblick

Der Berufskollege von der UBS Investmentbank führt den starken Quartalsgewinn ebenfalls auf Fortschritte bei der Preisgestaltung sowie auf Kosteneinsparungen zurück. Sichtlich Gefallen findet der Experte am Ausblick für 2017. Von diesem leitet er einen Gewinn von 3,20 Franken je Aktie ab, was über den Bloomberg-Konsensschätzungen von 3,05 Franken pro Titel liegt. Um die bis Ende 2018 definierten Mittelfristziele erreichen zu können, muss LafargeHolcim der Grossbank zufolge den operativen EBITDA in den nächsten zwei Jahren jeweils um 15 Prozent steigern. Das Anlageurteil lautet vorerst "Neutral" und das 12-Monats-Kursziel weiterhin 49,50 Franken.

Wie Kepler Cheuvreux schreibt, liegt der diesjährige Ausblick auf Stufe des bereinigten EBITDA sogar rund 4 Prozent über den entsprechenden Markterwartungen. Allerdings fragt sich der für die Investmentbank tätige Experte, ob der massive Turnaround in Nigeria vom Unternehmen wiederholt werden kann. Ob die Aktie bei Kepler Cheuvreux auch weiterhin zum Kauf empfohlen wird, bleibt deshalb unklar.

Doch kein Licht ohne Schatten: So stösst sich der für J.P. Morgan tätige Analyst beispielsweise an der schwächer als erhofften Barmittelgenerierung im Schlussquartal. Er zeigt sich überrascht, blieb doch auch der Investitionsbedarf hinter den Erwartungen zurück, was eigentlich hätte helfen müssen. Die LafargeHolcim-Aktie wird bei J.P. Morgan wie bis anhin mit "Neutral" und einem Kursziel von 53 Franken eingestuft.