Zementkonzern verliert den Chef - Analysten bedauern den Rücktritt von LafargeHolcim-CEO Olsen

Auf den Druck grosser Aktionäre hin tritt Konzernchef Eric Olsen bei LafargeHolcim im Sommer zurück. Analysten sehen darin einen Rückschlag für den Zementkonzern. Nach einer Frühstärke fällt die Aktie zurück.
24.04.2017 11:33
Von Lorenz Burkhalter
Konzernchef Eric Olsen verlässt LafargeHolcim zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Konzernchef Eric Olsen verlässt LafargeHolcim zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Der Konzernchef von LafargeHolcim, Eric Olsen, strauchelt über die Syrien-Affäre und muss den Hut nehmen. Was in der Wochenendpresse noch Gegenstand von Spekulationen gewesen ist, ist seit Montag früh nun offiziell. Im Zuge umstrittener Geschäfte mit der Terrororganisation "Islamischer Staat" wird Olsen den Ostschweizer Weltmarktführer unter den Zementherstellern per Mitte Juli verlassen.

An der Börse wird diesen Neuigkeiten trotz den politischen Entwicklungen im Nachbarland Frankreich vom Wochenende zusehends Gewicht beigemessen. Nach frühen Tageshöchstkursen von 58,80 Franken gewinnt die Aktie von LafargeHolcim an der Schweizer Börse SIX zur Stunde noch 0,4 Prozent auf 58,15 Franken.

Klare Worte findet der für die Deutsche Bank tätige Autor eines Kommentars. Er bezeichnet den Rücktritt Olsens als ein Rückschlag für den Zementkonzern. Nach einem schwierigen Start habe die Börse im Laufe des letzten Jahres endlich Vertrauen in den Konzernchef gefasst. Sein Rücktritt werfe das Unternehmen zurück und wecke Fragen in Bezug auf die zukünftige Strategie, so der Analyst. Er schliesst nicht aus, dass die Suche nach einem Nachfolger dauern könnte.

Sind die ambitionierten Mittelfristziele in Gefahr?

Bei der Deutschen Bank wird die Aktie von LafargeHolcim aufgrund der guten Dividendenaussichten zwar weiterhin mit einem Kursziel von 68 Franken zum Kauf empfohlen. Allerdings sei der sich abzeichnende Wechsel an der Konzernspitze auf kurze Sicht negativ zu werten, so lautet der Tenor.

Gar als „weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Selbstzerstörung“ bezeichnet der Berufskollege von Alliance Bernstein den Personalentscheid. Er schliesst nicht aus, dass Olsen das Unternehmen sowieso hätte verlassen müssen und sieht die ambitionierten Mittelfristziele beim Zementhersteller in weite Ferne rücken. Er hält deshalb am "Market Perform" lautenden Anlageurteil fest.

Ehemalige Holcim-Führungskräfte in den Startlöchern

Sehr enttäuscht zeigt sich auch der Vontobel-Analyst. Seines Erachtens muss Olsen zu einem Zeitpunkt gehen, an dem das Unternehmen wieder in Schwung kommt und die angestrebten Synergien erreicht. Allerdings zeige sich einmal mehr, dass sich vor allem Unternehmen, die in politisch schwierigen Regionen wie Syrien tätig seien, strikt an die Standardpraktiken halten müssten. Dennoch rät er weiterhin zum Kauf der Aktie. Das Kursziel lautet 67 Franken.

Wie in der Wochenendpresse nachzulesen ist, dürfte der ehemalige Holcim-Grossaktionär Thomas Schmidheiny die treibende Kraft hinter dem Rücktritt Olsens gewesen sein. Beobachter sehen deshalb einen der drei von Seiten von Holcim zum Unternehmen gestossenen Führungskräften dessen Nachfolge antreten. Schmidheiny kontrolliert nach dem Zusammenschluss von Lafarge mit Holcim knapp 12 Prozent der Stimmen und gilt damit als grösster Einzelaktionär nach Nassef Sawiris.

Unsicherheiten sehen Beobachter bei LafargeHolcim nicht nur in Bezug auf die zukünftige strategische Stossrichtung sondern auch hinsichtlich der Dividendenpolitik, gilt Olsen doch als Ziehvater der zuletzt deutlich höheren Ausschüttung.