Zentralbanken geben wieder den Takt an der Börse vor

Nachdem die Bilanzflut der Unternehmen abebbt, werden Anleger in der neuen Woche vor allem Konjunkturdaten und Aussagen von Zentralbankern unter die Lupe nehmen.
20.08.2016 14:24
Wirtschaftsdaten können kommende Woche die Spekulationen über eine Zinsanhebung der US-Notenbank befeuern. Bild: Fed-Chefin Janet Yellen.
Wirtschaftsdaten können kommende Woche die Spekulationen über eine Zinsanhebung der US-Notenbank befeuern. Bild: Fed-Chefin Janet Yellen.
Bild: pixabay.com

An den Aktienmärkten rückt die Geldpolitik wieder stärker in den Vordergrund. "Der Treiber für die Aktienmärkte wird sein, wie es mit den Zinsen weitergeht", sagt Volkswirt Carsten Klude von der Privatbank M.M. Warburg. Der Swiss Market Index (SMI) fiel am Freitag um 0,8 Prozent auf 8127 Zähler. Das Wochen-Minus von 2,3 Prozent ist gar das grösste seit zehn Wochen.

Den Aufschlag machen am Dienstag die Stimmungsbarometer der Einkaufsmanager aus Deutschland, Frankreich, dem Euro-Raum und den USA. Die vorläufigen Zahlen beziehen sich auf den August und werden daher einen Überblick über die wirtschaftliche Lage nach dem Anti-EU-Votum der Briten geben. Die Analysten der Commerzbank sind zuversichtlich, dass die Daten die positive Grundstimmung in der Wirtschaft untermauern. "Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Sorgen vieler vor dem Brexit wohl übertrieben waren", sagt Commerzbank-Ökonom Marco Wagner.

DZ-Bank-Experte Matthias Schupeta hält allerdings dagegen, das positive Klima werde bislang überwiegend von der deutschen Wirtschaft getragen. In Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich und Griechenland sei bereits eine merkliche Eintrübung der konjunkturellen Lage zu beobachten.

Wie genau es um die Konjunktur in Deutschland bestellt ist, wird das Ifo-Geschäftsklima für August am Donnerstag zeigen. "Kurzfristig drohen konjunkturell keine negativen Überraschungen", sagt Helaba-Analystin Claudia Windt. Bei dem Index, für den monatlich rund 7000 Manager befragt werden, erwarten Experten einen leichten Zuwachs auf 108,5 Zähler.

Wann hebt die Fed die Zinsen an?

Zum Wochenschluss rückt dann die US-Wirtschaft stärker in den Vordergrund mit der zweiten Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt. Spannend sei vor allem, inwieweit das Wachstum von 1,2 Prozent laut der ersten Hochrechnung nach oben revidiert werde, sagt Merck-Finck-Chefstratege Robert Greil. Hinweise zur Lage des verarbeitenden Gewerbes der US-Wirtschaft liefern am Donnerstag die Auftragseingänge der langlebigen Güter. Die Daten können die Spekulationen über eine Zinsanhebung der US-Notenbank befeuern.

Zwar rechnen Experten kaum damit, dass die Fed bereits bei ihrer nächsten Sitzung im September soweit ist. Die Stimmen für einen baldigen Schritt nach oben mehren sich nach zuletzt guten Daten vom US-Arbeitsmarkt unter den Währungshütern jedoch zunehmend. Im Dezember 2015 hatte die amerikanische Zentralbank erstmals seit fast zehn Jahren die Zinsen wieder angehoben - seitdem aber unter anderem wegen des Ölpreisverfalls und des Brexit-Votums nicht nachgelegt.

Hinweise auf den Kurs der Fed erhoffen sich Anleger vom alljährlichen Treffen der Notenbanker in Jackson Hole, wo Fed-Chefin Janet Yellen am Freitag redet. "Wir rechnen mit einer Zinsanhebung im Dezember, denn dann kennt die Fed das BIP-Wachstum im dritten Quartal, das wieder zufriedenstellend ausfallen sollte", sagt Commerzbank-Experte Christoph Balz. An der Wall Street rechnen Börsianer damit, dass Anleger sich dann vermehrt von defensiven Werten trennen, Aktien von Telekom- und Energiefirmen zum Beispiel. Sie waren lange wegen vergleichsweise hoher Dividenden interessant, verlieren aber bei steigenden Zinsen an Attraktivität.

In der Schweiz stehen noch einige Zahlen von SPI-Unternehmen an. Etwa am Dienstag unter anderem Bossard, Emmi, Komax und Straumann, am Mittwoch Charles Vögele, Flughafen Zürich, Goldbach und Peach Property, am Donnerstag Gurit, Intershop, Perrot Duval, SPS, Sunrise, Tamedia und Von Roll sowie am Freitag Alpiq, Bachem, u-blox und Zug Estates. Ausserdem präsentiert die Eidgenössische Zollverwaltung am Dienstag die Juli-Zahlen zum Aussenhandel und zu den Uhrenexporten.

(Reuters)