ZEW-Index steigt vor Brexit-Votum

Überraschung: Kurz vor dem Brexit-Referendum hellt sich die Stimmung deutscher Börsenprofis unerwartet auf.
21.06.2016 12:56
Blick in die Börse in Frankfurt.
Blick in die Börse in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

Das Barometer für die Konjunkturerwartungen in den nächsten sechs Monaten stieg im Juni um 12,8 auf 19,2 Punkte und damit auf den höchsten Wert seit rund einem Jahr, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag unter Berufung auf seine Umfrage unter 202 Analysten und Anlegern mitteilte. "Es gibt sie noch, die echten Überraschungen", sagte Analyst Thomas Gitzel von der VP Bank aus Liechtenstein. Denn wegen des bevorstehenden Votums in Großbritannien hatten von Reuters befragte Ökonomen mit einem Rückgang auf 4,7 Punkte gerechnet.

Grundvertrauen in die deutsche Konjunktur

"Die verbesserten Einschätzungen der Finanzmarktexperten zeugen von einem Grundvertrauen in die gegenwärtige Widerstandsfähigkeit der deutschen Konjunktur", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. Dennoch sorgten die schwächelnde Weltwirtschaft und das Votum in Großbritannien für Verunsicherung. Die Briten stimmen am Donnerstag darüber ab, ob sie in der Europäischen Union bleiben oder austreten. Umfragen zufolge gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Unsicherheit hält die Finanzmärkte seit Tagen in Atem. Die Märkte reagierten allerdings kaum auf die überraschend positiven ZEW-Daten.

Zuletzt hatten europaweit Vertreter aus Politik und Wirtschaft an die Briten appelliert, nicht für den Austritt zu stimmen. Dieser wäre ein Rückschlag nicht nur für die britische Wirtschaft, sondern auch für die Konjunktur in der Euro-Zone mit ihrem Zugpferd Deutschland. "Bleibt zu hoffen, dass der Brexit tatsächlich abgewendet werden kann - ansonsten droht ein böses Erwachen und die heutigen Zahlen wären bereits am Freitag Makulatur", sagte NordLB-Experte Christian Lips. Sollten die Briten für den Verbleib in der EU stimmen, gebe es noch Luft für eine "Erholungsrallye an den Märkten", sagte Lips. "Denn ohne politisches Störfeuer sind die deutsche und die europäische Konjunktur auf einem guten Weg."

(Reuters)