«Ziehen die CS-Aktie der UBS-Aktie vor»

Das UBS-Resultat liegt klar über den Prognosen. Warum Dividendenträume berechtigt sind, bei der Aktie aber dennoch Vorsicht geboten ist, sagt Experte Thomas Jäger von der St. Galler Kantonalbank im cash-Video-Interview.
27.07.2015 14:00
Von Marc Forster
Thomas Jäger, Aktienanalyst bei der St. Galler Kantonalbank.
Bild: cash

"Mit den vorgelegten Zahlen hat die UBS Robustheit und Konstanz bewiesen", sagt Thomas Jäger, der bei der St. Galler Kantonalbank Schweizer Aktien analysiert, im cash-Video-Interview. Die Vermögensverwaltung habe sich gut geschlagen, indem die Erträge erhöht, die Kosten aber im Verhältnis dazu moderater angestiegen seien. Während Asien-Pazifik und die Schweiz ein gutes Wachstum gezeigt hätten, sei es in Amerika und den Schwellenländern schwächer ausgefallen.

In der Investmentbank habe sich der Aktienhandel als stark erweisen, einer der Bereiche im Handelshaus, den die UBS nach wie vor pflegt. Dank der Kernkapitalquote, mit der die UBS Ende Juni 14,4 Prozent erreichte - während die ebenfalls wichtige Schweizer Leverage Ratio bei 4,7 Prozent lag - ist die UBS laut Jäger auch in der Lage, gegenüber den Aktionären grosszügiger zu werden: "Ich erwarte eine Erhöhung der Dividendenzahlung", sagt der Experte.

Neue CS-Strategie erwartet

Dennoch bevorzugt Jäger die Aktie der Credit Suisse, die in der Vorwoche ihre Zahlen vorgelegt hat. Dass das überraschend schon am Montag vorgelegte UBS-Quartalsresultat einige Prognosen deutlich übertraf, ist für Jäger nicht von übergeordneter Bedeutung. Insgesamt sei das Ergebnis im Rahmen der Erwartungen ausgefallen, lautet das Resumée der St. Galler Kantonalbank. Höhere Kursziele oder verstärkte Kaufempfehlungen erwarten die Analysten der Ostschweizer Staatsbank deswegen eher nicht.

"Beide Aktien zeigen einen positiven Trend bei den Dividendenzahlungen, operativ war die Credit Suisse aber ein bisschen besser", sagt Jäger. Er erwartet, dass der neue CS-CEO Tidjane Thiam bis Ende Jahr eine neue Strategie bekannt geben wird. Dadurch werde die zweitgrösste Bank der Schweiz stabiler, unter anderem auch weil die Investmentbank wie bei der UBS verkleinert werde. Mit einem konstanteren Geschäftsmodell wird die CS wieder punkten können. "Der Bewertungsabschlag der CS-Aktie dürfte durch diese Faktoren verringert werden."

Der UBS-Aktienkurs scheint die Einschätzungen der St. Galler Kantonalbank zu spiegeln. Praktisch während des ganzen Handelstages liegt das Papier schon deutlich im Minus und steht am Montag um 14 Uhr bei -1,4 Prozent.

Im cash-Video-Interview äussert sich Thomas Jäger auch zur Entwicklung des Neugeldzuflusses und zur Bruttomarge der UBS im zweiten Quartal.