Ziehen US-Firmen schon bald Milliarden aus dem Ausland ab?

Unabhängig vom Ausgang der Präsidentschaftswahlen rechnet Goldman Sachs in den USA mit einer Unternehmenssteuerreform. Diese sollte es Grosskonzernen einfacher machen, Auslandsvermögen nach Hause zu holen.
17.10.2016 08:21
Von Lorenz Burkhalter
Bei keinem anderen amerikanischen Grosskonzern hat sich soviel Auslandsvermögen angehäuft wie beim Softwarehersteller Microsoft.
Bei keinem anderen amerikanischen Grosskonzern hat sich soviel Auslandsvermögen angehäuft wie beim Softwarehersteller Microsoft.
Bild: Pixabay

In wenigen Wochen wählen die Vereinigten Staaten von Amerika ihren neuen Präsidenten - oder besser gesagt ihre neue Präsidentin. Denn Umfragen zufolge hat die demokratische Kandidatin Hillary Clinton die Nase vorn. Doch etwas steht schon heute fest, unabhängig davon wer das Rennen letztendlich macht: Amerikanischen Grosskonzernen soll es einfacher gemacht werden, ihre Auslandsvermögen steuergünstig nach Hause zu holen.

Wie Goldman Sachs schreibt, verfügen die im breit gefassten S&P-500-Index vertretenen Unternehmen über Auslandsvermögen in schwindelerregender Höhe von 2400 Milliarden Dollar. Davon entfallen 1700 Milliarden Dollar auf 50 Grosskonzerne wie Microsoft, General Electric, Apple oder Pfizer.

Amerikanische Firmen mit den grössten Auslandsvermögen:

Unternehmen

Auslandsvermögen

Microsoft

124 Milliarden Dollar

General Electric

104 Milliarden Dollar

Apple

 92 Milliarden Dollar

Pfizer

 80 Milliarden Dollar

IBM

 68 Milliarden Dollar

Cisco Systems

 66 Milliarden Dollar

Merck

 59 Milliarden Dollar

Quelle: Goldman Sachs

Unter Berufung auf die hauseigenen Ökonomen, rechnen die für die amerikanische Investmentbank tätigen Aktienstrategen mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent für eine Unternehmenssteuerreform in den kommenden 12 Monaten. Eine solche Reform werde womöglich auch eine Vergünstigung für die sogenannte "Repatriierung unversteuerter Auslandsvermögen" beinhalten, so die Experten.

Dürfen sich die Aktionäre schon jetzt freuen?

Schätzungen der Investmentbank zufolge halten amerikanische Grosskonzerne von den 2400 Milliarden Dollar rund 1000 Milliarden Dollar in bar im Ausland. Gut möglich, dass ein Teil davon bei einer Unternehmenssteuerreform über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre weitergereicht wird. Die letzte Steuererleichterung geht ins Jahr 2004 zurück. Damals wurden immerhin 300 Milliarden Dollar nach Hause geholt. Ein nicht unbeträchtlicher Teil davon floss damals an die Aktionäre.

Gut möglich, dass sich diese Geschichte wiederholt. Im Gegenzug werden diese Milliarden im Ausland womöglich fehlen, insbesondere in den Schwellenländern.