Zielt die SNB bald auf Postfinance?

Neben Raiffeisen wird auch Postfinance als heisser Kandidat für die Systemrelevanz gehandelt. Die Post-Tochter ist Nummer Eins im Schweizer Zahlungsverkehr.
13.08.2014 09:08
Von Marc Forster
Nummer Eins im Zahlungsverkehr: Postfinance kann sich nicht hinter grösseren Banken verstecken.

Im Bundesgesetz für die Banken und Sparkassen ist der Zahlungsverkehr neben dem Einlagen- und Kreditgeschäft als Kriterium für eine systemisch relevante Bank erwähnt. Bei den Raiffeisenbanken genügte die wichtige Rolle im Hypothekengeschäft als Grund für die Einstufung als volkswirtschaftlich potenziell gefährlich, bei der Postfinance wäre es der Zahlungsverkehr. Die SNB stuft Raiffeisen seit Mitte Juni als systemrelevant ein, wie die Zentralbank am Mittwochmorgen mitteilte.

Mit 965 Millionen Transaktionen ist Postfinance dort Marktführer. Mediensprecher Marc Andrey hält sich bedeckt und sagt lediglich, dass schon seit längerem Gespräche mit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) geführt würden, wie er auf Anfrage von cash sagt. Er habe aber keine Anzeichen dafür, dass Postfinance bald als systemrelevant eingestuft würde.

Nach den Grossbanken UBS und CS, die wegen ihrer globalen Finanzgeschäfte und des hohen Marktanteils im Schweizer Hypothekenmarkt die Wirtschaft destabilisieren könnten, hat sich die SNB im November die Zürcher Kantonalbank vorgenommen. Die Zürcher Staatsbank verfügt mit einer Bilanzsumme von fast 150 Milliarden Franken über eine starke Position im Firmenkredit- und Hypothekarmarkt des Kantons. Mit Raiffeisen hat die SNB nun erneut eine Gruppe hochgestuft, die im Immobilienkreditgeschäft wichtig und dort in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen ist.

Postfinance ist im Hypothekarmarkt klein. Dies könnte eine Erklärung sein, weswegen die Postfinance noch nicht in den Kreis der systemrelevanten Schweizer Banken heraufgestuft wurde: Die Hypothekenriesen sind den Währungshütern im Moment wichtiger.

Grosses Kundenvermögen

Postfinance kann sich wegen ihrer Grüsse wohl dennoch nicht ewig im Schatten der anderen Banken verstecken. Neben ihrer Rolle im Zahlungsverkehr heben die Post-Tochter auch knapp 2,9 Millionen Kunden und rund 112 Milliarden Franken Kundenvermögen heraus. Wird die Postfinance eines Tages zur systemrelevanten Bank, muss sie mehr Kapital zur Absicherung ihrer Geschäfte bereithalten. Zudem verlangt die Finma dann auch einen Notfallplan, wie im Falle eines Kollapses der Gruppe die lebenswichtigen Teile gerettet werden könnten.

Beat Bernet, Professor für Bank- und Finanzwirtschaft an der Universität St. Gallen, sagte in einem cash-Interview Ende 2013, dass Postfinance ebenfalls als "Too big to fail" eingestuft werden könnte. Er sieht neben dem Zahlungsverkehr die Grösse der Spareinlagen als wichtigen Punkt. "Da diese Einlagen aber weniger als bei anderen Banken in Krediten gebunden sind, ist hier das Systemrisiko auch etwas reduziert", so Bernet.