Zins- und Konjunktursorgen vergraulen Schweizer Anleger

Ein unerwartet starker Rückgang der Exporte aus China und die Aussicht auf höhere Zinsen in den USA haben am Donnerstag die Schweizer Börse auf Talfahrt geschickt.
13.10.2016 17:30
Paradeplatz in Zürich mit UBS (hinten) und Credit Suisse (rechts): Die Bankaktien gaben am Donnerstag nach.
Paradeplatz in Zürich mit UBS (hinten) und Credit Suisse (rechts): Die Bankaktien gaben am Donnerstag nach.
Bild: cash

Der Leitindex SMI büsste 0,9 Prozent ein auf 8000 Punkte. Die Anleger seien nicht mehr ganz so entspannt, sagte ein Händler. Dies zeige auch der Volatilitätsindex, der um mehr als sieben Prozent anzog. Der SMI habe eine charttechnisch wichtige Zone bei 7980/8000 Punkten unterschritten und damit einen seit einiger Zeit etablierten Seitwärtstrend verlassen. Weitere Unterstützung ortete die Zürcher Kantonalbank (ZKB) bei 7700 Zählern.

Starke Daten vom US-Arbeitsmarkt schürten Zinsspekulationen weiter. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lag mit 246.000 weiter auf dem niedrigsten Wert seit 1973. Damit sei ein Zinsschritt der US-Notenbank wohl so gut wie sicher, sagten Händler. Gemäss den am Mittwoch veröffentlichten Fed-Protokollen waren sich die Mitglieder im Offenmarktausschuss einig, dass sich die Argumente für einen Schritt nach oben verstärkt haben. Mehrere Mitglieder dringen demnach sogar darauf, dass die Zinsen "relativ bald" steigen sollten. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember werde auf rund 70 Prozent geschätzt, hiess es.

Banken und Zykliker unter Druck

Starke Abschläge bei den Standardwerten verbuchten Aktien zyklischer Firmen und von Banken. Die Titel des Zementkonzerns LafargeHolcim sackten um 3,1 Prozent ab. Höhere US-Zinsen und ein festerer Dollar könnten sich vor allem auf die Konjunktur in den aufstrebenden Ländern negativ auswirken, wo LafargeHolcim gut vertreten sei, sagte ein Händler.

Banken waren einmal mehr der schwächste Sektor in Europa. Angesichts der rekordtiefen Zinsen, inaktiv gewordenen Kunden und der offenen Rechtsfälle machten Anleger einen Bogen um diese Aktien, hiess es. Der Branchenindex sackte um 2,7 Prozent ab. Auch in den USA büssten die Geldhäuser an Wert ein. Die US-Grossbanken Citigroup, JP Morgan und Wells Fargo geben am Freitag Einblick in ihre Bücher. Die Aktien der Grossbank Credit Suisse sanken um 3,2 Prozent ab und UBS verloren 3,3 Prozent. Die Vermögensverwalter Julius Bär und GAM gaben um 2,5 und 3,6 Prozent nach. Vontobel schwächten sich um knapp ein Prozent ab.

Die Anteile der Versicherer konnten sich dem Negativtrend nicht entziehen. Mit Einbussen von bis zu zwei Prozent schlugen sie sich aber besser als die Bankaktien. Die Anleger befürchteten, dass die Schadensforderungen im Zusammenhang mit dem Hurrikan Matthew grösser sein könnten als bisher erwartet. "Das lastet auf dem Sektor", sagte ein Börsianer. Gemäss Fachdienst AIR Worldwide dürften nach Matthew Milliardenschäden auf die Versicherer zukommen.

Die einzigen Gewinner unter den Bluechips waren die Aktien der beiden Luxusgüterhersteller, die nach anfänglichen Gewinnmitnahmen den Erholungstrend fortsetzten. Deckungskäufe hoben Swatch um 4,6 Prozent und Richemont gewannen 1,8 Prozent. Beide Aktien zählen neben den Banken zu den Standardwerten mit den stärksten Verlusten im laufenden Jahr. Die Initialzündung für die Käufe kam laut Händlern vom guten Abschneiden von Rivale LVMH.

Pharma-Anleger fürchten sich vor Hillary Clinton

Weiterhin unter Druck standen die schwergewichtigen Pharmawerte. "Die defensive Karte sticht nicht", sagte ein Händler. Actelion sackten um 1,7 Prozent ab, Novartis und Roche büssten 0,4 und 0,6 Prozent ein.

Die Bedenken der Anleger seien gross, dass die Margen der Pharmafirmen bei einem Sieg der demokratischen Kandidatin bei den US-Präsidentschaftswahlen unter Druck geraten könnten. Hilary Clinton hat sich mehrfach kritisch über die Medikamentenpreise in den USA geäussert.

Die Anteile des Elektrotechnikkonzerns ABB verloren ein Prozent, der Anlagenbauer Oerlikon 1,6 und der Personalvermittler Adecco 2,3 Prozent.

Eine Verkaufsempfehlung der UBS liess die Aktien von Gurit um 6,5 Prozent fallen.

(Reuters)